Positive Signale von G-7

Erstmals Licht am Ende des Tunnels.
Die schwere Kreditkrise, die seit Monaten die gesamte Weltwirtschaft bedroht, dürfte langsam ihrem Ende zugehen - dafür gibt es nun erstmals mehrere deutliche Indizien. Damit steigt die Hoffnung, dass auch in der schwersten Krise der Realwirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird.

Der Grund für die optimistische Einschätzung: Die Kosten für Kredite gehen erstmals in allen G-7-Staaten zurück. Das und der starke Anstieg an Unternehmensanleihen sowie das Wiederanspringen des de facto zum Stillstand gekommenen Geldverleihs der Banken untereinander seien Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft weltweit erholt, zeigte sich Anfang Mai die Wirtschaftsagentur Bloomberg in einem ausführlichen Bericht überzeugt.

Als der Geldmarkt einfror
Lange bevor die Wirtschaftskrise ausbrach, zeichneten sich die Probleme bereits auf den Finanzmärkten ab: Spätestens Mitte 2007 wurden die Banken beim Geldverleih untereinander zusehends vorsichtiger aus Sorge vor nicht abschätzbaren Risiken, die sich in Wertpapieren, in denen schlecht besicherte US-Hypothekarkredite verpackt waren, verbargen.

Die Pleite der Traditionsbank Lehman Brothers im September des letzten Jahres ließ den Geldmarkt schlagartig einfrieren - keine Bank wollte einer anderen mehr Geld borgen, aus Angst, diese könnte so wie Lehman vor der Pleite stehen.

Geldschwemme nicht nur verpufft
Getroffen davon wurden nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Realwirtschaft, da Unternehmen immer schwerer Kredite erhielten und der Konsum einbrach. Regierungen und Notenbanken weltweit überschwemmten die Märkte seither mit Unsummen von Geld, doch die Wirkung verpuffte bisher immer binnen kürzester Zeit.

Doch nun zeigen die Billionen, die seit letzten Sommer aufgewendet wurden, laut Boomberg endlich ihre Wirkung.

Jeder will Staatspapiere
Der deutlichste Indikator für eine Erholung ist die Normalisierung der Verhältnisse auf dem Markt für Staatsanleihen: Die Finanzkrise hatte Anleger zur massenhaften Flucht aus Unternehmensaktien in die als sicher geltenden Bonds (Anleihen, Anm.) - allen voran jene der USA - veranlasst. Aus Angst um ihr Geld nahmen die Investoren zeitweise sogar eine negative Zinsrate bei den Staatsanleihen in Kauf. Die Preise für Staatsanleihen rasselten darauf in den Keller, blieben aber trotzdem ein Renner.

Comeback der Normalität
Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Erstmals geht die Renditekurve - sie bildet das Verhältnis der Rendite zwischen Staatsanleihen mit kurzer und mit langer Laufzeit ab - wieder steil nach oben. Bemerkenswert ist das, weil die Renditekurve vielen Ökonomen als einer der zuverlässigsten Frühindikatoren für eine Wende im Konjunkturzyklus gilt.

Die letzten acht Mal, als die Renditekurve von US-Anleihen ins Minus drehte - das bedeutet, dass lange laufende Anleihen entgegen der Norm weniger Rendite abwerfen als kurz laufende - folgte darauf in sieben Fällen in den USA eine Rezession. Zuletzt war die Renditekurve 2006 unter null gefallen und hatte damit die jüngste Rezession (in den USA bereits seit Mitte 2008) korrekt "vorhergesagt".

Drehen an der Kurve
Manche Analysten - etwa der Website Marketwatch.com - empfahlen daher schon Anfang 2008, die Renditekurve solle von Politik und Notenbanken gezielt ins Positive gedreht werden, um eine Rezession zu verhindern.

Der tiefe Libor
Ein zweites wichtiges Erholungssignal ist das deutliche Absacken der Kosten für den Geldverleih der Banken untereinander, der mit dem Fall von Lehman Brothers völlig zum Erliegen kam. Seitdem funktionierte das System, das die Liquidität der Banken garantiert, nur noch über die zwischengeschalteten Nationalbanken.

Doch nun ist der für den Interbanken-Handel maßgebliche Libor-Zinssatz (in US-Dollar, drei Monate Laufzeit) auf den tiefsten Stand seit dem Sommer 2003 gefallen, und die gegenseitige Kreditvergabe hat wieder begonnen.

Viele Konzerne nehmen Geld auf
Der dritte Indikator dafür, dass sich zumindest die Finanzmärkte wieder auf dem Weg der Erholung befinden, ist die hohe Zahl an Unternehmensanleihen, die vor allem in den USA stark verbreitet sind. Heuer wurden in den USA bereits Unternehmensanleihen in Gesamthöhe von 477 Milliarden Dollar (358,6 Mrd. Euro) begeben - im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 354 Milliarden Dollar.

Und der Zinsaufschlag (im Vergleich zu Staatsanleihen) fiel etwa in den USA laut Bloomberg mit Anfang Mai auf 6,4 Prozent, während im Dezember noch ein Aufschlag von fast neun Prozent zu zahlen war.

Doppelter Gewinn für Banken
Ein Gewinner der Situation ist die Bankenbranche, und das ist - bei aller Mitschuld der Kredithäuser an den Verwerfungen - ein positives Zeichen.

Die jüngsten überraschend hohen Quartalsgewinne etwa von Goldman Sachs und der Deutschen Bank beruhen zu einem großen Teil auf dem derzeit besonders lukrativen Handel mit Staatsanleihen. Damit profitieren ausgerechnet jene, die den globalen Scherbenhaufen maßgeblich mit angerichtet haben, besonders von den staatlichen Reparaturmaßnahmen.

Diese Banken machen Gewinne, indem sie mit jenen begehrten (weil sicheren) Anleihen handeln, die der Staat auflegt, um mit dem Geld die von der Finanzkrise ausgelöste Rezession zu bekämpfen. Oder die Banken finanzieren die Anleihen vor - selbstverständlich ebenfalls mit Gewinnmarge.

Manche Analysten sehen daher in der steilen Renditekurve - also den vielen Staatsanleihen mit langer Laufzeit - das eigentliche Rettungsprogramm für die Banken. Die Milliarden, die zur Wiederherstellung des Vertrauens der Banken untereinander auf die Geldmärkte gepumpt wurden, haben ja zumindest auf den ersten Blick eher wenig gebracht.

Anfang vom Ende des Schreckens
Auch wenn die genannten Indikatoren auf eine Erholung hindeuten - bis diese in der Realwirtschaft wirksam und spürbar wird, wird es noch dauern. Zudem sind die positiven Signale stärker in den USA als in Europa zu spüren. Und vor allem die Probleme auf dem Arbeitsmarkt werden - wegen des typischen langen Nachhinkens hinter dem Konjunkturzyklus - noch länger bestehen bleiben.

Die Normalisierung der Finanzmärkte - vor allem die allmähliche Rückkehr von Vertrauen im Handel der Banken untereinander - ist aber die notwendige Voraussetzung für das Wiederanspringen des Konjunkturmotors.

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