In den USA, aber auch in der EU wird befürchtet, dass die Konferenz, an der auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad teilnimmt, zu Anschuldigungen gegen Israel missbraucht wird.
Ahmadinedschad hatte am Sonntag unmittelbar vor seinem Eintreffen in der Schweiz erneut Israel als "Fahnenträger des Rassismus" bezeichnet.
Zahlreiche Absagen
Auch Australien, Deutschland und die Niederlande haben sich zu einem Boykott entschieden. Großbritannien wird nur mit seinem UNO-Botschafter vertreten sein. Österreich nimmt auf Beamtenebene teil.
Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) betonte im Ö1-Mittagsjournal, er hätte sich gefreut, wenn alle EU-Staaten an der Konferenz teilgenommen hätten. Man dürfe das Feld nicht anderen wie zum Beispiel dem Iran überlassen - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Frankreich sagte in letzter Minute seine Teilnahme zu. Es sei aber klar, dass Frankreich die Konferenz verlassen werde, wenn der iranische Präsident erneut den Holocaust infrage stelle oder sich antisemitisch äußere.
Damit ist klar, dass die EU keine gemeinsame Linie in der umstrittenen Causa findet. Israel und Kanada hatten schon vor längerem beschlossen, die Konferenz zu boykottieren.
UNO-Generalsekretär enttäuscht
Bei der Eröffnung der Konferenz zeigte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon "tief enttäuscht" von der Nichtteilnahme einiger Staaten: "Wir bleiben schwach und geteilt", klagte er. "Einige Länder, die den Weg für eine bessere Zukunft bereiten helfen sollten, sind nicht hier."
Kehrtwende der USA
Die USA hatten Anfang vergangener Woche angekündigt, ihren bereits in Aussicht gestellten Boykott noch einmal zu überdenken. Am Samstag sagte Washington dann endgültig ab. Grund seien die Formulierungen zum Thema Israel im geplanten Abschlussdokument, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Robert Wood.
US-Präsident Barack Obama sagte beim Abschluss des Gipfeltreffens der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am Sonntag in Port of Spain, die Organisatoren der Veranstaltung hätten darauf bestanden, "heuchlerische" Rassismusvorwürfe gegen Israel zu präsentieren.
Iran gießt Öl ins Feuer
Ahmadinedschad goss noch Öl ins Feuer. Dem iranischen Fernsehen zufolge sagte er am Sonntag, "die Ideologie und das zionistische Regime sind die Fahnenträger des Rassismus".
Bei seiner Rede selbst sprach Ahmadinedschad in seiner Rede offenkundig mit Blickrichtung auf Israel die Bildung "einer rassistischen Regierung im Nahen Osten". Die EU-Vertreter verließen schon vor Beginn der Rede den Saal.
Ahmadinedschad hatte den Holocaust in der Vergangenheit wiederholt als Mythos bezeichnet und dazu aufgerufen, Israel zu vernichten.
Israelische Gegenoffensive
Israel startete seinerseits eine diplomatische Offensive, um möglichst viele Länder dazu zu bewegen, die Teilnahme an der Konferenz abzusagen.
Der israelische UNO-Botschafter in Genf, Ronny Leschno Jaar, kritisierte die Schweiz und sagte, das Gastgeberland wolle sich mit dem Treffen "auf schändliche Weise bei einem Holocaust-Leugner und Israel-Hasser einschmeicheln".
"Treffen erreicht das Gegenteil"
Auch wenn die Absicht sein sollte, Ahmadinedschad zu einer Mäßigung seiner Positionen zu bewegen, werde das Treffen sicherlich das Gegenteil erreichen, sagte der israelische Repräsentant. Aus Protest wurde am Montag der israelische Botschafter in der Schweiz, Ilan Elgar, zu Konsultationen nach Israel abberufen.
Israel fühlt sich durch den Iran in seiner Existenz bedroht, der neue israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht eine mögliche iranische Aufrüstung mit Nuklearwaffen als größte globale Gefahr.
UNO "schockiert"
UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay reagierte auf die Absagen, insbesondere jene der USA, "schockiert" und "tief enttäuscht". Ihrer Ansicht nach hätten die Bedenken der USA und anderer nicht teilnehmender westlicher Staaten leicht aus der Welt geschafft werden können, erläuterte Pillay.
Papst lobt Konferenz
Papst Benedikt XVI. lobte die Konferenz gleichwohl als wichtige Initiative im Kampf gegen Intoleranz. Trotz der Lehren aus der Vergangenheit gebe es auch heute noch "solche bedauerlichen Phänomene", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag in Castel Gandolfo.
Kaum hochrangige Gäste
Wegen der langen Ungewissheit über das Abschlussdokument der jetzigen Konferenz hatten bis Freitag nur wenige hochrangige Gäste zugesagt. Eröffnet wird die Konferenz am Montag von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, Ahmadinedschad will am Nachmittag eine Pressekonferenz geben.
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