Die Äußerungen fielen bei einem Auftritt vor der Auslandspresse in New York, wie die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti und die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") am Dienstag berichteten.
Besorgter Blick nach Osten
Krugman blickt laut "SZ" mit besonderer Besorgnis nach Osten. Was dort geschehe, hält er für die genaue Wiederholung der Asien-Krise. Krugman erklärte laut der "SZ" auch die Struktur einer solchen Pleite.
Wie die Krise Kreise zieht
Der Crash verlaufe nach einem altbekannten Muster, zitiert die Zeitung den Nobelpreisträger. Weil Investoren den Mut verlieren und ihr Geld abziehen, können Länder ihre festen Wechselkurse nicht verteidigen.
Im gleichen Maß, in dem ihre Währung absackt, steigt ihre Schuldenlast im Ausland - und schließlich die Gefahr eines Staatsbankrotts, zitiert die Zeitung Krugman.
Auch Österreich in der Spirale
Doch nicht nur die einst umjubelten Tigerstaaten im Osten sieht Krugman in Gefahr. Das Beispiel Island habe gezeigt, dass auch hochentwickelte Volkswirtschaften pleitegehen können. Der nächste Kandidat sei Irland.
Danach komme gleich Österreich. Die Banken der Alpenrepublik seien jahrelang viel zu spendabel mit Krediten für Osteuropa gewesen, so Krugman weiter.
"Auslandskredite können nicht mehr bedient werden"
Eine Bedrohung für die Finanzstabilität Österreichs ergebe sich aus den großen Krediten für die Länder Osteuropas, die infolge der Rezession nicht in der Lage seien, ihre Auslandskredite zu bedienen, sagte Krugman.
Professor, Kolumnist, Nobelpreisträger
Krugman ist Professor in Princeton und Kolumnist in der "New York Times". Im vergangenen Jahr erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.
Auch "FTD" warnte
Krugman stößt damit in dasselbe Horn, wie bereits die "Financial Times Deutschland" ("FTD") vor einigen Wochen. Die Zeitung warnte ebenfalls unter dem Titel "Markt fürchtet Pleite Österreichs" vor einem möglicherweise drohenden Bankrott.
Laut der Zeitung schätzte die Finanzwelt in dem Artikel von Anfang März den Zahlungsausfall Österreichs als wahrscheinlicher ein als den finanziellen Kollaps Italiens.
Nowotny widerspricht vehement
EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny widerspricht Krugman, wonach Österreich wegen des Osteuropa-Engagements der Staatsbankrott drohen könnte, vehement. "Die Bonität des Staates und der österreichischen Banken steht außer Zweifel", betonte Nowotny, auch Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Dienstagabend gegenüber der APA.
Erst kürzlich hätten die Ratingagenturen Fitch und Moody's das Triple-A-Rating für die Republik Österreich bestätigt, erinnerte Nowotny.
Nowotny setzt auf getroffene Maßnahmen
Weiters rechnete er vor: "Die Staatsverschuldung Österreichs betrug Ende des Vorjahres 62,5 Prozent des BIP und liegt damit unter dem Mittelwert der Staaten des Euro-Raums. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass entgegen dem zentralen Blick der USA das Osteuropa-Risiko differenzierter gesehen werden muss. So befinden sich 2/3 des Engagements österreichischer Banken in CESEE in EU-Mitgliedsstaaten."
Fazit von Nowotny: "Es existiert kein Risiko, das nicht mit den bereits getroffenen Maßnahmen verkraftbar wäre."
230 Mrd. bei Österreichs Banken ausständig
Laut Zahlen der Finanzmarktaufsicht (FMA) von Ende Jänner haben Österreichs Finanzinstitute fast 230 Mrd. Euro an Krediten in der Region ausständig. Der Betrag entspricht fast 70 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).
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