Kanäle aus verformbarem Kunststoff
Die Forscher verwenden dünne Zuckerfasern, um ein Gerüst von polymeren Kanälen aufzubauen, das das natürliche Nervenwachstum unterstützen soll.
Die Idee dazu kam von Li: Aus geschmolzenem Zucker werden Fasern gedreht - ähnlich wie bei der Herstellung von Zuckerwatte. Umhüllt man die einzelnen Zuckerfasern mit Polymilchsäuren (Polylactide), einer Art von verformbarem und abbaubarem Kunststoff, erhält man neue Kanäle, sobald sich der Zucker aufgelöst hat.
Diese künstlich geschaffenen Röhrchen haben einen Durchmesser von 50 Mikrometern. Das entspricht etwa der Hälfte eines menschlichen Haares. In ihrer Arbeit wollen sich die Forscher zunächst auf die Axone konzentrieren. Dieser faserartige Fortsatz einer Nervenzelle leitet elektrische Nervenimpulse vom Zellkörper weiter.
Alternative zu eigenen Transplantaten
Die neue Technik ist ein erster Schritt, um diese Nervenfasern zu regenerieren und auch bei der Zerstörung von Nervenzellen durch Krankheiten wie Muskelatrophie einzugreifen.
Bisher werden für die Wiederherstellung eigene Nerventransplantate verwendet, etwa von einem Bein oder einem anderen Körperteil. Diese Methode hat allerdings den Nachteil, dass man an den Körperstellen, wo die Zellen entnommen wurden, das Empfinden verliert.
Suche nach künstlichen Nervengerüsten
Aus diesem Grund sucht die Wissenschaft bereits seit mehreren Jahren nach Alternativen zur Regeneration von Nervenzellen. Mit den mit Hilfe von Zucker hergestellten Kanälen, die in den Körper implantiert werden, könnte nun eine Möglichkeit gefunden worden sein.
Denn die Rohre aus Polylactiden werden nach sechs bis zwölf Monaten resorbiert und von neuem Gewebe ersetzt.
Warten auf Tests
Auch der Neurowissenschaftler John Priestley forscht dazu an der London School of Medicine and Dentistry. "Seit 20 Jahren wird versucht, synthetische Kanäle zu produzieren, um Nervenlücken zu überbrücken und nicht mehr auf autogenetische Implantate angewiesen zu sein", sagte er im Interview mit dem "Guardian".
Den Zugang seiner Kollegen an der Universität Purdue bezeichnet er als "interessant". Bevor das Verfahren aber nicht am lebenden Organismus getestet worden sei, könne man dazu noch nichts sagen.
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