"Zusammen können wir es schaffen"

Obama löst den durch Vorgänger Bush aufgebauten Frust bei europäischen Partnern weitgehend auf.
Barack Obama hat bei seinem ersten Europa-Besuch als US-Präsident Führungsstärke demonstriert. Ob im Kampf gegen Wirtschaftskrise und Terrorismus oder bei Klimaschutz und Abrüstung - die USA wollen sich an die Spitze setzen, lautete die Botschaft Obamas auf seiner ersten offiziellen Reise zu den europäischen Verbündeten.

Zugleich gelang es Obama dadurch, die unter seinem Vorgänger George W. Bush drastisch abgekühlte Atmosphäre deutlich zu verbessern. Es reichte, dass Obama betonte, er sei gekommen, um zuzuhören, und dass er - unverbindlich - Verständnis für die Interessen und Empfindlichkeiten der europäischen Partner zeigte.

Und mit seinen umjubelten öffentlichen Auftritten und Reden in Straßburg und Prag führte Obama den europäischen Regierungschefs seine Anziehungskraft auch auf diesem Kontinent vor Augen.

Tourfinale in der Türkei
Zum Abschluss des gut einwöchigen Besuchs reiste Obama am Sonntagabend in die Türkei weiter, wo am Montag Gespräche mit Präsident Abdullah Gül und Regierungschef Recep Tayyip Erdogan auf dem Programm stehen. Obamas Frau Michelle flog planmäßig nach Washington zurück.

Prager Vision
In der tschechischen Hauptstadt warb der US-Präsident vor Zehntausenden begeisterten Zuhörern für eine atomwaffenfreie Welt. Die vollständige Abrüstung werde sicher viel Zeit brauchen, aber sie sei möglich. "Zusammen können wir das schaffen", rief er am Sonntag unter dem Jubel der über 20.000 Menschen auf dem Platz vor der Prager Burg.

Globale Anstrengungen seien allerdings nötig, um den Abbau und die bessere Sicherung nuklearer Waffen in der Welt zu erreichen. Deshalb wolle er bis Ende des Jahres eine globale Gipfelkonferenz in Washington einberufen, kündigte Obama in seiner ersten öffentlichen Rede in Europa als Präsident an.

Merkel: "Wichtiges Signal"
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach von einem wichtigen Signal für eine Welt mit weniger oder gar keinen Atomwaffen. Auch Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Ich begrüße, dass sich Obama zur Vision einer atomwaffenfreien Welt bekennt, auch wenn der Weg dorthin lang und mühevoll sein mag."

NATO-Gipfel gerettet
Beim vorangegangenen NATO-Gipfel hatte Obama den dänischen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen mit einem diplomatischen Kraftakt gegen türkischen Widerstand als NATO-Generalsekretär durchgesetzt.

Am erbitterten Streit über Rasmussen drohte der Gipfel des Militärbündnisses zeitweise zu scheitern. Obama ersparte den Gastgebern aus Deutschland und Frankreich, Kanzlerin Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy, eine schwere Blamage.

Ohne eine Einigung auf Rasmussen wären die 28 Staats- und Regierungschefs zum 60. Geburtstag der Allianz im Streit auseinandergegangen. Rasmussen löst am 1. August den Niederländer Jaap de Hoop Scheffer auf dem höchsten politischen Posten der NATO ab.

Wenig Unterstützung für Afghanistan
Eher enttäuschend für Obama war die Resonanz der europäischen Partner auf seine neue Afghanistan-Strategie. Sie sehen zwar den Krieg in Afghanistan einmütig als Bewährungsprobe, verweigern Obama aber massive Hilfe für seine neue Strategie.

Damit müssen die USA immer stärker das Vorgehen gegen die radikalislamischen Taliban am Hindukusch dominieren. Der US-Präsident warnte, das Terrornetzwerk El Kaida bedrohe fast acht Jahre nach den Anschlägen auf die USA weiterhin alle Bündnispartner.

Versprechen bei Klimaschutz
Bei seiner Rede in Prag bestätigte Obama, dass die USA beim jahrelang vernachlässigten Klimaschutz endlich aktiv werden wollen. Beim Treffen mit den 27 EU-Staats- und -Regierungschefs ging es darum, den transatlantischen Beziehungen neuen Schwung zu geben.

Nach den Londoner Beratungen über eine künftige Finanzordnung und der Vereinbarung einer neuen NATO-Strategie waren bei dem dritten Gipfel mit Obama in wenigen Tagen die Erwartungen der Europäer an neue Zusagen zum Klimaschutz groß. Daneben diskutierte die Gipfelrunde über die iranische Atompolitik und den Ausbau der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen.

"USA nun bereit, Führung zu übernehmen"
Es sei nun an der Zeit, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Öl zu beenden und sich auf die Nutzung neuer Energiequellen wie Wind und Sonne zu konzentrieren, sagte Obama. Alle Nationen stünden in der Verantwortung, und die USA seien nun bereit, die Führung zu übernehmen.

Im Dezember will die internationale Staatengemeinschaft in Kopenhagen neue weltweite Klimaschutzziele für die Zeit nach 2013 beschießen. Die EU hat sich verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Sie ist auch bereit, das Ziel auf 30 Prozent zu erhöhen, wenn andere Industrieländer mitziehen.

Der Prager Gipfel hatte vor allem die Funktion, den kleineren EU-Ländern, die nicht bei den vorangegangenen G-20- und NATO-Gipfeln dabei waren, ein Treffen mit Obama zu ermöglichen.

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