"Können es gemeinsam schaffen"

Obama verurteilt Raketenstart Nordkoreas.
Die USA werden sich nach den Worten ihres Präsidenten Barack Obama für eine Welt ohne Nuklearwaffen einsetzen. "Wir wollen eine atomwaffenfreie Welt schaffen", sagte Obama am Sonntag bei seiner Rede vor rund 30.000 begeisterten Zuhörern vor der Prager Burg. Die Verbreitung von Atomwaffen dürfe nicht als unvermeidlich hingenommen werden. Das sei ein Zeichen von "Fatalismus".

Die Vereinigten Staaten hätten "die moralische Verantwortung", in diesem Sinne zu handeln, sagte Obama im Anschluss an Gespräche mit der tschechischen Regierung und vor einem EU-USA-Gipfel. Die Existenz von Atomwaffen sei "das gefährlichste Erbe" des Kalten Krieges. Nach seiner Rede nahmen Obama und seine Frau Michelle noch ein Bad in der Menge.

"Yes, we can"
Eine Welt ohne Atomwaffen sei möglich, sagte Obama. Er sei nicht so "naiv" anzunehmen, dass das Ziel einer atomwaffenfreien Welt "schnell erreicht werden" könne. "Vielleicht nicht einmal zu meinen Lebzeiten." Aber: "Wir müssen darauf bestehen, dass wir das schaffen können", so Obama. "Ja, wir können es", wiederholte der US-Präsident seinen Wahlkampfslogan "Yes, we can".

Warnung vor Schwarzmarkt
Die Gefahr eines nuklearen Angriffs ist nach Obamas Worten trotz Endes des Kalten Krieges gestiegen. Es sei wesentlich für die Sicherheit der ganzen Welt, dass die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen und Nukleartechnologie verhindert werde. Obama warnte vor dem weltweiten Schwarzmarkt für nukleare Technologie.

Terroristen seien entschlossen, Atomwaffen zu erwerben und sie einzusetzen. Ebenso gefährlich sei die Nichtbeachtung des Atomwaffensperrvertrags durch manche Länder. Hier seien Sanktionen notwendig.

Bestrafung Nordkoreas verlangt
Obama forderte nach dem Test einer Langstreckenrakete durch Nordkorea Konsequenzen und eine Bestrafung Pjöngjangs. Nordkorea habe die UNO-Sicherheitsresolutionen ignoriert sowie den Frieden und die Stabilität der Region gefährdet. Noch am Sonntagnachmittag soll der UNO-Sicherheitsrat wegen Nordkorea zusammentreten.

Der Start der nordkoreanischen Rakete "unterstreicht die Notwendigkeit" der weltweiten Abrüstung. Nordkorea müsse auf seine Atomwaffen verzichten. Die Entwicklung von Trägerraketen bedeute eine Gefahr für die umliegenden Staaten mit Massenvernichtungswaffen.

Dialog mit dem Iran
Die USA wollten auch den Iran dazu bringen, auf Atomwaffen zu verzichten - "und zwar auf Grundlage eines gleichberechtigten Dialogs", so der US-Präsident. Die USA wollten Teheran bei der friedlichen Nutzung der Atomkraft unterstützen. Allerdings seien verstärkte Kontrollen nötig. Wenn die Bedrohung durch den Iran aufhöre, sei auch das von den USA geplante Abwehrsystem in Europa verzichtbar. Solange dem aber nicht so sei, werde Washington an seinem Raketenschild festhalten.

Prag als Symbol für Veränderbarkeit
Die Stadt Prag mit ihrer Geschichte ist nach den Worten Obamas ein Symbol und ein Beleg für die Veränderbarkeit der Welt. Der Gedanke der Freiheit und der Unabhängigkeit habe sich hier gegen die sowjetischen Machthaber durchgesetzt, sagte Obama.

Das tschechische Volk habe gezeigt, dass eine friedliche Bewegung alte Konflikte überwinden könne. Moralische Führung sei stärker als militärische Macht. Heute sei Europa frei, vereinigt und friedlich.

Kampf gegen Klimawandel
Obama versprach auch, dass die USA die führende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen werden. "Um die Erde zu schützen, ist es jetzt Zeit, die Art unseres Energieverbrauchs zu ändern", sagte Obama. Der Klimawandel müsse gemeinsam bekämpft werden. "Bei diesen gemeinsamen Anstrengungen sind die USA jetzt bereit zu führen", ergänzte Obama unter dem Jubel einiger zehntausend Zuhörer.

Im Anschluss an die Rede kamen die 27 EU-Staats- und -Regierungschefs zu Mittag mit Obama zusammen. Mit dem Sondergipfel wollten EU und USA den transatlantischen Beziehungen neuen Schwung geben.

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