Das Innenministerium bestätigte die Existenz des Dokuments, insistiert jedoch, es handle sich nicht um einen "Zilk-Akt". Dass der Akt gefunden wurde, beruhte offenbar einmal mehr auf der Eigeninitiative des langjährigen Staatsarchiv-Mitarbeiters Rudolf Jerabek.
Ministerium brauchte "Tipp" von Archivar
Jerabek hatte Ende März im Staatsarchiv bereits jenen Aktenteil über die Causa gefunden, der als "Fall Mittwoch" für Schlagzeilen sorgte. Darin wurde der damalige Fernsehdirektor Zilk als "Informator" des kommunistischen tschechoslowakischen Geheimdienstes geführt.
In dem "Mittwoch"-Akt fand Jerabek auf Seite drei den handschriftliche Verweis auf eine Aktenzahl des Innenministeriums ("D-70.171/79"). Es brauchte seinen Hinweis auf den Vermerk, damit das Innenministerium schließlich seinen eigenen Akt wiederfand.
Fekters "Wissenstand"
Fekter hatte am 23. März gegenüber dem ORF gesagt, dass "die Zilk-Akten Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre vernichtet" worden seien. Man arbeite zwar erst den "historischen Zeitverlauf" auf, in ihrem Ressort gebe es aber "nach meinem Wissensstand keinen Zilk-Akt".
Das Innenministerium betonte am Samstag gegenüber ORF.at, dass die zentrale Figur des nun aufgetauchten Dossiers Jiri Starek sei, einer von Zilks Verbindungsmännern zum tschechoslowakischen Auslandsgeheimdienst in den 60er Jahren, der im September 1968 nach Österreich übergelaufen war.
"Personen, die noch leben"
Vorerst wird die Entdeckung jedoch kaum neue Erkenntnisse über Zilks Aktivitäten während des Kalten Kriegs bringen: Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) erklärte gegenüber "profil", der Akt werde weiterhin geheim bleiben.
Das Nachrichtenmagazin zitiert BVT-Leiter Peter Gridling mit den Worten, der Akt sei gesperrt beziehungsweise "nicht archivreif", weil darin auch "Personen erwähnt sind, die noch leben". Unklar ist, ob damit belastendes Material über bisher nicht genannte Personen gemeint ist.
Ministerium bestätigt: Akt existiert
Das Innenministerium bestätigte in einer Aussendung am Samstag die Existenz des "umfangreichen Aktes", in dem Zilks Name neben "unzähligen anderen" auftauche. Die Inhalte darin würden in das Bild passen, dass Zilk "Informant", aber kein "Agent" gewesen sei.
Dass der eigentliche Zilk-Akt nicht gefunden worden sei, begründete das Ministerium mit umfangreichen, allerdings fruchtlosen Eigenrecherchen und Verweis auf die gesetzlichen Bestimmungen, laut denen Akten von "grundsätzlicher Bedeutung" nach "längstens 30 Jahren auszuscheiden" sind.
"Kein Spionageakt"
Außerdem betonte man im Innenministerium gegenüber ORF.at, dass das gefundene Schriftstück kein Spionageakt im engeren Sinn sei. Die darin enthaltenen Informationen entsprächen lediglich dem bereits bekannten Erkenntnisstand.
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