"Wie bitter ist die Ironie derjenigen, die aus Sorge um die Gesundheit der Mütter für die Abtreibung eintreten", sagte der Papst bei seiner Rede im Präsidentenpalast in Angolas Hauptstadt Luanda, offensichtlich in Anspielung auf das "Maputo-Protokoll".
Das Maputo-Protokoll
Das Maputo-Protokoll zu Frauenrechten war 2003 von der Afrikanischen Union (AU) verabschiedet worden und ergänzt die AU-Charta. Im Artikel 14 des Protokolls werden die Regierungen aufgefordert, medizinische Abtreibungen unter bestimmten Bedingungen zu erlauben.
Bei "sexuellen Übergriffen, Vergewaltigung, Inzest oder wenn die Schwangerschaft die seelische oder körperliche Gesundheit der Mutter oder das Leben der Mutter oder des Fötus bedroht", sei der Schwangerschaftsabbruch indiziert, heißt es darin.
Für Papst "Selbstbetrug"
Aus der Sicht des Papstes dient das Protokoll dazu, Abtreibungen als einen Teil mütterlicher Gesundheitsvorsorge "anzupreisen". Das sei Politik, "die im Selbstbetrug, die 'Gesellschaftsordnung' voranzubringen", gerade deren eigentliche Grundfesten bedrohe.
Der Vatikan hat seine Ablehnung der Abtreibung immer wieder bekräftigt, aber es ist das erste Mal seit seiner Wahl zum Papst im Jahr 2005, dass Benedikt XVI. sich so deutlich gegen Abtreibungen aus medizinischen Gründen aussprach.
Zuvor umstrittene Aussage zu Aids
Laut eigener Aussage geht es dem Papst um eine Stärkung der Rechte von Frauen. Er stellte Abtreibungen in den Kontext der Diskriminierung von Frauen, die in Afrika nur allzu oft "entsetzlicher" auch sexueller Gewalt ausgesetzt seien.
Es war das zweite Mal während seiner am Dienstag begonnenen Afrika-Reise, dass sich Benedikt zum Thema Sexualität äußerte. Zuvor hatte er erklärt, die Verteilung von Kondomen sei nicht die richtige Lösung im Kampf gegen Aids, und damit für empörte Reaktionen gesorgt.
Kampf gegen Armut als Themenschwerpunkt
Der Kampf gegen die Armut in Angola und ganz Afrika war ein weiterer thematischer Schwerpunkt zum Auftakt von Benedikts Angola-Besuch. Schon bei seiner Ankunft forderte er seine Zuhörer auf: "Kapituliert nicht vor dem Recht des Stärkeren."
Derzeit leben rund zwei Drittel der Angolaner von weniger als zwei Dollar am Tag. Angola wird seit rund drei Jahrzehnten von Präsident Jose Eduardos Dos Santos regiert und ist trotz Ölvorräten und reicher Bodenschätze ein bettelarmes, von Korruption geplagtes Land.
Appell an Dos Santos
"Mit Integrität, Großmut und Mitgefühl können Sie diesen Kontinent verwandeln", sagte der Papst bei seiner Rede im Präsidentenpalast an die Adresse von Dos Santos und seinen Kollegen in anderen afrikanischen Staaten. Frieden sei nur durch Dialog zu erreichen.
Die Menschenrechte müssten respektiert und gefördert werden, die Regierungen transparent und die Justizsysteme unabhängig arbeiten, forderte Benedikt. Ebenso seien Pressefreiheit, integre Verwaltungen und ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem nötig.
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