Wegen Depressionen in Behandlung

"Ich habe dieses Lotterleben satt."
Der Amokläufer im deutschen Winnenden hat in der Nacht vor der Tat im Internet einen Hinweis auf die Tat gegeben. Um 2.47 Uhr hinterließ er in einem Chatroom die Botschaft: "Ihr werdet morgen von mir hören. Merkt Euch nur den Name des Orts: Winnenden."

"Ich meine es ernst, Bernd - ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen", hieß es weiter in dem Text. Die Polizei bestätigte am Donnerstag, dass der Text tatsächlich vom Täter stammt.

"Keine Meldung an die Polizei"
Laut den Polizeiangaben meldete sich Mittwochnacht der Vater eines Jugendlichen aus Bayern bei der Polizei. Sein Sohn hatte demnach in der Nacht davor mit dem 17-jährigen Täter Tim K. gechattet. Der Bursche hatte die Ankündigung für einen Scherz gehalten.

Laut dem Protokoll erwiderte K.s Gesprächspartner auf dessen Drohungen, er wolle Bilder von den Waffen sehen oder er glaube ihm nicht. Daraufhin machte K. einen Rückzieher: "Keine Meldung an die Polizei, keine Angst, ich trolle (Jargon für herummaulen, Anm.) nur."

"Alle lachen mich aus"
Der Beginn von K.s Botschaft war allerdings ein Warnzeichen: "Scheiße Bernd, es reicht mir. Ich habe dieses Lotterleben satt, immer das selbe - alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potential." Am Ende meinte er außerdem: "Vielleicht komme ich ja auch davon."

Es war nicht das einzige Alarmsignal. Laut den Angaben der Polizei war bekannt, dass der Täter an Depressionen litt. Er war deshalb auch in Behandlung, hatte die Therapie jedoch abgebrochen. Ob das im Einvernehmen mit seinen Eltern geschah, ist nicht bekannt.

Mindestens 112-mal geschossen
Bei dem Massaker am Mittwoch gab der 17-Jährige laut dem baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech (CDU) mehr als hundert Schüsse ab. Allein in der Schule, wo er neun Schüler und drei Lehrerinnen tötete, habe er mindestens 60 Schüsse abgegeben.

Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen und schließlich sich selbst. Insgesamt habe er nach dem derzeitigem Ermittlungsstand 112-mal geschossen, sagte Rech. Laut Polizeiangaben hatte er noch Munition für über 130 Schuss.

Trittbrettfahrer tauchen auf
Außerdem berichteten die Ermittler, dass es seit der Bluttat allein in Deutschland sechs weitere Drohungen von Trittbrettfahrern gegeben habe. Auch in Schweden wurde ein Jugendlicher gefasst, der angekündigt hatte, die Tat an seiner Schule "wiederholen" zu wollen.

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