Überraschend deutlicher BZÖ-Sieg

Herbe Verluste für SPÖ.
Laut Hochrechnung des ORF zeichnen sich bei der Landtagswahl in Kärnten ein klarer Sieg des BZÖ und ein Debakel für die SPÖ ab. Das BZÖ kommt demnach auf einen Stimmenanteil von 45 Prozent. Die SPÖ verliert deutlich und erreicht rund 29 Prozent (2004: 38,43 Prozent). Die ÖVP kann sich über Zugewinne freuen und kommt auf fast 17 Prozent (2004: 11,64).

v.l. Uwe Scheuch, Gerhard Doerfler, Harald Dobernig / ©Bild: Reuters/Dominic Ebenbichler
v.l. Uwe Scheuch, Gerhard Doerfler, Harald Dobernig / ©Bild: Reuters/Dominic Ebenbichler
Das BZÖ legt damit gegenüber dem FPÖ-Ergebnis von 2004 (42,43 Prozent) sogar noch zu. Die FPÖ dürfte den Einzug in den Landtag verpassen, sie liegt derzeit knapp unter vier Prozent. Die Grünen sind mit rund fünf Prozent (2004: 6,71 Prozent) weiter im Landtag vertreten.

Hochrechnung 2009
ParteiProzentGewinn/Verlust (%)
BZÖ45,0n. k.*
SPÖ28,8-9,7
ÖVP16,7+5,1
Grüne5,0-1,7
FPÖ3,8-39,0
Sonstige0,6

(* Das BZÖ kandidierte bei der letzten Landtagswahl noch nicht.)

BZÖ-Absolute in der Regierung?
Das BZÖ dürfte demnach als großer Wahlsieger die absolute Mehrheit in der Landesregierung erringen. Es bekommt mit seinen 45 Prozent einen vierten Regierungssitz dazu, und zwar auf Kosten der SPÖ. Die ÖVP bleibt demnach trotz der kräftigen Zugewinne bei einem Landesratsposten.

Das BZÖ erreicht demnach 17 Mandate im Landtag, die SPÖ verliert drei und liegt bei elf, die ÖVP gewinnt zwei und hat nun sechs, die Grünen bleiben bei zwei. Die FPÖ ist nicht im Landtag vertreten.

Jubel beim BZÖ
Nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse brandete in der BZÖ-Zentrale in Klagenfurt großer Jubel auf. "Wir werden als Nummer eins garantiert den Landeshauptmannanspruch stellen", sagte BZÖ-Landesparteichef Uwe Scheuch.

Es sei auch ein Sieg des verstorbenen Landeshauptmanns (Jörg Haider, Anm.), meinte Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ). Die ÖVP ist für ihn "erster Ansprechpartner" bei den Regierungsverhandlungen. Allerdings seien auch eine "neue SPÖ" und die Grünen mögliche politische Partner im Land, so Dörfler.

Claudia Haider "zutiefst beeindruckt"
Auch Claudia Haider ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu gratulieren. Sie zeigte sich vom starken Abschneiden des BZÖ "zutiefst beeindruckt". "Es ist ein Zeichen der Anerkennung für meinen Mann und seine Politik", sagte Haider.

Sie nehme den Ausgang der Wahl "dankbar" zur Kenntnis, sagte die Witwe. Sie überreichte Dörfler ein gerahmtes Foto, auf dem Jörg Haider gemeinsam mit Dörfler zu sehen ist.

Rohr tritt nicht zurück
In der roten Parteizentrale herrschte Bunkerstimmung. Landesgeschäftsführer Gerald Passegger konnte sich die Ergebnisse "vorerst nicht erklären", man müsse das Endergebnis abwarten und dann in den Gremien beraten.

SPÖ-Spitzenkandidat Reinhart Rohr zeigte sich sichtlich enttäuscht. Die Menschen hätten offenbar "zu einem guten Maße in memoriam" Jörg Haider gewählt. Von Rücktritt wollte der SPÖ-Chef vorerst nicht sprechen - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

ÖVP zufrieden
Zufriedenheit machte sich bei der ÖVP breit. "Der erste große Stein ist abgefallen", sagte Parteichef Josef Martinz in einer ersten Reaktion. Er sah die ÖVP sogar als "Hauptgewinner". Auf die Frage, ob er nun Dörfler zum Landeschef wählen wolle, sagte er: "Das schließe ich nicht aus." Trotzdem müsse erst das Endergebnis abgewartet werden.

FPÖ will eigenständige Partei bleiben
Als Wahlverlierer sieht sich hingegen eindeutig Grünen-Chef Rolf Holub, der aber einen eventuellen Rücktritt von weiteren Analysen abhängig machte: "Wenn wir zum Schluss kommen, dass der Holub schuld ist, dann wird er natürlich Konsequenzen ziehen."

Nicht geschafft hat es die FPÖ, deren Spitzenkandidat Mario Canori von einem Regierungssitz geträumt hatte und nun wohl nicht einmal ein Landtagsmandat erringen wird. FPÖ-Parteiobmann Franz Schwager sprach sich für einen Führungswechsel an der Parteispitze aus. Die FPÖ werde in Kärnten aber als eigenständige Partei bestehen bleiben.

Das Ergebnis 2004
ParteiProzentGewinn/Verlust (%)
FPÖ42,43+0,37
SPÖ38,43+5,57
ÖVP11,64-9,10
Grüne6,71+2,78
KPÖ0,59+0,18

Bei der Landtagswahl 2004 waren die 42,43 Prozent für FPÖ-Kandidat Jörg Haider das beste Ergebnis seit Gründung der Partei. Die SPÖ konnte sich 2004 von ihrem Minusrekord des Jahres 1999 wieder erholen und erreichte 38,42 Prozent.

Die ÖVP schrumpfte 2004 auf 11,64 Prozent, mit Abstand ihr schlechtestes Ergebnis bei den mehr als 120 Landtags- und Nationalratswahlen der Zweiten Republik. Die Grünen schafften in Kärnten 2004 mit 6,71 Prozent erstmals den Einzug in den Landtag.

Faymann: Wahlziel nicht erreicht
Bundeskanzler SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann sieht in Kärnten das Wahlziel seiner Partei nicht erreicht. Er sagte in Brüssel: "Es zeichnet sich ab, dass die SPÖ in Kärnten beim Nationalratswahlergebnis liegt. Aber das Wahlziel ist nicht gelungen."

Scheibner gegen Wiedervereinigung mit FPÖ
In Kärnten sei dem BZÖ ein "großartiges Ergebnis" gelungen, die Zugewinne hätten alle überrascht und erfreut, so BZÖ-Obmann Herbert Scheibner. Den Avancen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der erneut eine mögliche Wiedervereinigung des freiheitlichen Lagers in den Raum gestellt hatte, erteilte er gleichzeitig eine klare Absage. Das sei kein Thema.

"Die Menschen haben bewusst das BZÖ gewählt", so Scheibner. Eine Wiedervereinigung würde einer "Missachtung" des Wählerwillens gleichkommen. Die Trennung der Parteien habe "Gründe" gehabt, stellte der BZÖ-Chef fest.

Strache sinnierte am Wahlsonntag wieder über die Möglichkeit einer Wiedervereinigung: Noch nie zuvor habe das freiheitliche Lager in Kärnten diese Stärke erreicht. Unter Mario Canori habe die FPÖ in Kärnten "ihr Bestes gegeben". Das Ergebnis der FPÖ sei aber auf "ungewöhnliche äußere Umstände" zurückzuführen.

Grüne halbwegs zufrieden
Die Grünen gehen davon aus, dass die parteiinternen Diskussionen der vergangenen Wochen "kaum Auswirkungen" auf die Wahlergebnisse hatten. Aber: "Die Diskussionen haben sicher nicht dazu beigetragen, dass ein massiver Rückenwind da war", räumte Bundessprecherin Eva Glawischnig ein.

Kärnten habe sich in einer Ausnahmesituation befunden, Glawischnig bezeichnete die Wahl als "Jörg-Haider-Gedenkwahl". Wichtig sei, dass man die zwei Mandate in Kärnten halten konnte. Das Wahlziel, nämlich einen dritten Sitz, habe man bedauerlicherweise nicht erreicht, so die Grünen-Chefin.

Wahlabend on Demand
Die TV-Sendungen mit allen Details zu den Wahlergebnissen in Kärnten und Salzburg können Sie hier als Video on Demand abrufen.

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