VW zieht Konsequenzen

VW-Chef: "Das ist für die Betroffenen nicht schön."
Die Wirtschaftskrise zwingt jetzt den größten europäischen Autobauer Volkswagen (VW) zu drastischen Maßnahmen: Der Konzern streicht 16.500 Leiharbeiterstellen. Das sagte VW-Chef Martin Winterkorn dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einer Vorabmeldung vom Samstag.

Alle 16.500 Leiharbeiterstellen, die es in dem Unternehmen Ende 2008 weltweit noch gegeben habe, würden dieses Jahr gestrichen. "Das ist für die Betroffenen nicht schön, aber daran führt kein Weg vorbei", so Winterkorn.

Grund für die VW-Entscheidung ist ein drastischer Einbruch der Nachfrage. Der Autobauer rechnet für 2009 mit einem Minus beim Absatz von zehn bis zwölf Prozent.

Stammbelegschaft "zunächst gesichert"
Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft seien aber zunächst gesichert. "Für dieses Jahr sehe ich da keine Probleme", sagte der VW-Chef. Wenn die Krise allerdings anhalte, müsse "man über andere Dinge nachdenken".

60.000 in Kurzarbeit
Seit Montag müssen zudem erstmals seit 26 Jahren 60.000 der 92.000 deutschen Mitarbeiter kurzarbeiten. Ausgenommen sind Forschung und Entwicklung sowie Teile der Komponentenwerke, wie Volkswagen mitteilte.

Allein im Hauptwerk Wolfsburg werden wegen der gestoppten Bänder nach Schätzungen 15.000 Autos weniger produziert. Gefragt sind derzeit wegen der Abwrackprämie vor allem Kleinwagen wie etwa Fox und Polo, die jedoch nicht in Deutschland gebaut werden. Über weitere Kurzarbeit gebe es keine Beschlüsse, sagte ein Sprecher.

Autobranche in der Krise
Mit der Kurzarbeit reiht sich VW in eine lange Reihe von Industrieunternehmen ein, die wegen der Konjunkturflaute die Produktion drosseln. Zurzeit arbeiten beispielsweise 50.000 Mercedes-Beschäftigte in Deutschland weniger. Audi dehnt die Kurzarbeit für 25.000 Mitarbeiter um eine Woche aus.

BMW schickte 27.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Zulieferer Continental hatte bereits im Jänner 7.000 der insgesamt 47.000 deutschen Mitarbeiter weniger Arbeit verordnet und kündigte eine Ausweitung an. Der angeschlagene Zulieferer Schaeffler meldete für 20.000 Mitarbeiter den Lohnersatz an. Siemens rechnet bis April mit 7.400 Mitarbeitern in Kurzarbeit.

Der deutsche Arbeitsminister Olaf Scholz hatte am Donnerstag eine Verlängerung der Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld von 18 Monaten auf zwei Jahre in Aussicht gestellt. Die Union lehnt das ab.

Winterkorn gegen Staatshilfe für Opel
Winterkorn sprach sich im "Spiegel" gegen Staatshilfen für den angeschlagenen Konkurrenten Opel aus. "Der Staat sollte sich raushalten", sagte der VW-Chef auf eine entsprechende Frage. Winterkorn nannte es legitim, wenn der Staat punktuell und für eine Übergangszeit einem Unternehmen mit Bürgschaften beispringe. Der Staat dürfe aber nicht zur Rettungsgesellschaft für möglicherweise vom Bankrott bedrohte Firmen werden.

Der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns sagte, er könne "nicht beurteilen", ob Opel der Konkurs drohe, "das wäre natürlich zu bedauern". Er wisse nur, dass die Ablösung vom US-Mutterkonzern General Motors (GM) nicht so einfach sei "bei der engen Vernetzung, die über Jahre gewachsen ist".

Absatzrekord 2008
Der VW-Konzern hatte im vergangenen Jahr gegen den Branchentrend noch einen Absatzrekord erzielt. Der Konzern lieferte weltweit 6,23 Millionen Fahrzeuge aus. Das waren 0,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Allerdings hatte VW im Jahresverlauf deutlich an Wachstumstempo verloren.

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