"Tanzen, Frau Meier"
Seither reißt die Aufregung nicht ab. Am Freitag tauchte das zweite der schockierenden Videos auf, dessen Inhalt die Schweizer Tageszeitung "Blick" beschreibt (ob es sich bei den Namen um Pseudonyme oder Klarnamen handelt, ist unklar):
Eine alte Frau stehe nackt in der Duschkabine. Eine Frau befehle ihr: "Tanzen, Frau Meier, tanzen." Die demente Patientin beginne, sich hin und her zu wiegen: "'La, la, la', singt sie traurig in die Handykamera."
24-Jährige begeistert: "Scheiß, lueg"
Sprecherin und Filmerin sei die 24-jährige Pflegeassistentin "Marianna". Sie habe schon den unsäglichen ersten Film mit einer auf dem Boden liegenden, nackten 88-jährigen Patientin gedreht. Wie in jenem Video könne sie sich auch hier kaum vor Lachen halten: "Schau, wie sie macht, Scheiß, lueg." ("schau")
Verängstigt bewege sich die alte Frau auf und ab, während Marianna weiterlache: "Lueg si a ..." ("Schau sie dir an"). Eine zweite Pflegerin, die 33-jährige "Gordana", stimme in das Lachen ein. Dann sei das Video zu Ende.
"Zur eigenen Belustigung"
Bei den Beschuldigten handelt es sich um vier Pflegerinnen und einen Pfleger. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat ein Strafverfahren eingeleitet, und seit Donnerstagabend läuft auch eine Untersuchung der Zürcher Stadtverwaltung.
Laut Informationen der "Neuen Zürcher Zeitung" hatten die Pflegerinnen und Pfleger die Aufnahmen "zur eigenen Belustigung" untereinander ausgetauscht.
Anzeige brachte Skandal ins Rollen
Der Fall flog auf, nachdem zwei Angehörige einer 88-jährigen Patientin festgestellt hatten, dass sich die Frau im letzten Jahr bei den Besuchen verängstigt zeigte und es ihr immer schlechter ging, berichtete der "Tagesanzeiger".
Die Angehörigen erkundigten sich bei ehemaligen Pflegemitarbeitenden, schalteten einen Anwalt ein und recherchierten weiter. Im letzten Dezember erstattete ihr Rechtsanwalt Anzeige. Die Beschuldigten legten mittlerweile teilweise Geständnisse ab.
Schimpfen einer Frau als Klingelton
Laut "Blick" ist noch unklar, wie viele Quälvideos gedreht und ob sie weiterverbreitet wurden. Die Polizei arbeite zurzeit mit Hochdruck daran, die bei den Pflegerinnen beschlagnahmten Computer und Handys zu untersuchen.
Eine Insiderin habe gegenüber der Zeitung verraten, dass eine der Schwestern die schimpfende Stimme einer dementen Frau aufgenommen und als Klingelton auf ihrem Handy installiert habe.
Pflegerin entblößte sich
Möglicherweise ist all das nur die Spitze des Eisbergs. Eine der drei Pflegerinnen, "Blick" nennt sie "Paula", sie ist 34 Jahre alt, soll laut dem Text der Anzeige Altersheimbewohner mehrmals nervös gemacht haben, indem sie sich nackt mit weit gespreizten Beinen vor sie setzte oder ihre Brüste entblößte.
Zudem soll sie Patienten geschlagen und mit lauter Rockmusik gequält haben. Auf ihrer Facebook-Seite bezeichnet sich "Paula" "Blick" zufolge als Rammstein-Fan. Gemeinsam mit der Dritten im Bunde, "Gordana", soll sie im Dienst häufig auf Single-Websites gesurft sein.
"Ich wollte nur helfen"
"Gordana" ist bisher auch die Einzige, die sich öffentlich zu Wort meldete. "Blick" gegenüber sagte sie: "Ich bin doch keine böse Frau." Und: "Ich gehe mit den Patienten gut um." Sie wisse nicht, wie die Videos entstanden seien. Darauf angesprochen, dass man sie auf den Bildern sieht, schweigt "Gordana".
Über ihre Kollegin "Marianna" sagt sie: "Ich dachte, sie mache Spaß. Ich wollte der Patientin nur helfen." Worin ihre Hilfe bestanden haben soll, bleibt "Gordana" schuldig.
Wusste ganze Abteilung davon?
Kurt Meier, der Direktor der Pflegezentren der Stadt Zürich, sagte am Donnerstagabend in der Sendung "TalkTäglich" von TeleZüri sowie gegenüber dem Nachrichtenmagazin "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens (SF): "Es geht nicht nur um die drei Leute, die bereits entlassen wurden, sondern es geht um die ganze Abteilung."
Dabei gehe es um die Frage, ob noch weitere Personen von den Handyfilmen wussten oder ob gar ein Vorgesetzter informiert war.
Offenbar haben sämtliche Kontrollinstanzen versagt. Intern seien die drei Pflegerinnen mit Bestnoten bewertet worden, berichtete der "Tagesanzeiger".
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