Von der Kunst zur Politik

Am 20. Februar 1909 wurde das "Futuristische Manifest" veröffentlicht.
Vor 100 Jahren entstand in Italien mit dem Futurismus eine radikale, einflussreiche, aber auch umstrittene Kunstbewegung. Am 20. Februar 1909 veröffentlichte Filippo Tommaso Marinetti, die zentrale Figur der Bewegung, sein "Futuristisches Manifest" in der Pariser Tageszeitung "Le Figaro".

"Wir erklären, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit", schrieb der Italiener darin und erklärte, ein "Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, ein aufheulendes Auto" sei "schöner als die Nike von Samothrake".

Gegen die Tradition
Das Manifest war ein Schrei der Auflehnung gegen den "fanatischen, unverantwortlichen und snobistischen Kult der Vergangenheit". Es ging um den Mythos der Maschine, der Geschwindigkeit und der Bewegung, um die Huldigung der hypermodernen Metropole, um die Ablehnung akademischer Betrachtungsweisen und um revolutionären Wandel.

Im Museum für moderne Kunst (MART) im norditalienischen Rovereto wird jetzt eine großangelegte Schau gezeigt, die den Werken des Futurismus deutsche und russische Kunst aus den Jahren um 1909 gegenüberstellt.

"Erleuchtungen. Avantgarde im Vergleich. Italien, Deutschland, Russland" behandelt die Beziehung zwischen dem Futurismus und Kunstbewegungen wie dem Blauen Reiter. Zu sehen sind neben den Futuristen Bilder von Franz Marc, August Macke, Marc Chagall, Michail Larionow und Alexandra Exter.

Geometrische Experimente
Die wichtigsten Protagonisten des italienischen Futurismus waren Giacomo Balla, Carlo Carra, Umberto Boccioni und Gino Severini. Sie hatten durchaus unterschiedliche Ansätze, von den geradezu lieblichen Motiven Boccionis über Severinis geometrische Formenexperimente hin zu Ballas imposanten Versuchen, Geschwindigkeit auf die Leinwand zu bannen.

Im Dienste der Faschisten
Die ersten Jahre waren sicherlich die künstlerisch fruchtbarsten für die futuristische Bewegung, die im strengen kunsthistorischen Sinn 1916 endete.

Im Februar 1918 erschien das "Manifest der futuristischen politischen Partei", in dem sich die Futuristen als revolutionäre Nationalisten definierten.

Marinetti, der bereits zur Verbreitung seiner künstlerischen Ideen modernste Propagandamethoden verwendet hatte, wurde zum Weggefährten Mussolinis. Diese politische Vereinnahmung gefiel nicht allen Futuristen: Manche Künstler gingen nach Frankreich und engagierten sich als Antifaschisten.

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