Der Brite will seine Thesen zum Mord an den Juden vorerst nicht widerrufen, sagte er in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Er wolle zunächst die historischen Beweise prüfen: "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", so Williamson.
Vatikan verlangte Widerruf
Der Vatikan hatte Williamson am Mittwoch aufgefordert, seine Äußerungen zum Holocaust öffentlich zu widerrufen. Die Aufhebung der Exkommunizierung von Williamson und drei weiteren Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft am 24. Jänner durch Papst Benedikt XVI. hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
"Muss alles nochmals prüfen"
"Ich muss nun alles nochmals prüfen und mir die Beweise ansehen", sagte Williamson. Er habe nicht absichtlich etwas Unwahres gesagt: "Ich war aufgrund meiner Recherchen in den 80er Jahren von der Richtigkeit meiner Äußerungen überzeugt."
Williamson lebt in Argentinien in einem Priesterseminar in La Reja, etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Buenos Aires entfernt. Er hatte nach dem Eklat um seine Wiederaufnahme in die Kirche durch Benedikt XVI. bisher jeden Kontakt mit der Presse verweigert.
Menschenrechte "anti-christlich"?
In dem Interview mit dem "Spiegel" erneuerte Williamson seine Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Konzilstexte seien zweideutig: "Das führt zu diesem theologischen Chaos, das wir heute haben."
Kritisch steht Williamson zu den universellen Menschenrechten: "Wo die Menschenrechte als eine objektive Ordnung verstanden werden, die der Staat durchsetzen soll, da kommt es immer zu einer anti-christlichen Politik."
"Das wundert mich schon"
In einem Fernsehinterview hatte der Brite vor mehreren Wochen gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - und keiner von ihnen in Gaskammern.
Im "Spiegel" meinte er jetzt dazu: "Ein einziges Interview im schwedischen Fernsehen ist nun seit Wochen ein Hauptthema in Deutschland. Ja, das wundert mich schon. Ist das bei allen Gesetzesverletzungen in Deutschland so? Wohl kaum. Nein, ich bin hier nur das Werkzeug, damit gegen die Priesterbruderschaft und den Papst agiert werden kann. Offenbar hat der deutsche Linkskatholizismus es (Joseph) Ratzinger noch nicht verziehen, dass er Papst geworden ist."
Österreicher gegen päpstliche Allmacht
Auch in Österreich hinterlässt die Causa Spuren: Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, sind 60 Prozent der Österreicher gegen das exklusive Recht des Papstes, Bischöfe zu bestimmen.
Nur 22 Prozent der Befragten geben laut der im Auftrag von "profil" vom Meinungsforschungsinstitut OGM durchgeführten Umfrage an, dass sie nichts gegen die päpstliche Allmacht hätten. 18 Prozent wollten sich nicht äußern, war am Wochenende einer Aussendung zu entnehmen.
Zugleich steigt die Zahl der Kirchenaustritte in Teilen Österreichs auf das Doppelte des üblichen Wertes, wobei als Begründung für einen Austritt oft der aktuelle Konflikt angegeben wird - mehr dazu in steiermark.ORF.at.
Linzer Weihbischof legt nach
Befeuert wird die Kritik in Österreich an den aktuellen Entwicklungen in der katholischen Kirche durch die Bestellung des streng konservativen Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof. Die Katholische Aktion und viele einzelne Vertreter der Kirche deponierten ihre "große Betroffenheit". Wagner selbst zeigte sich von alldem aber wenig beeindruckt.
"Das prallt an mir ab", sagte er im "Kurier"-Interview (Samstag-Ausgabe). Die "Meinung der Welt" und seine Position würden eben "crashen", meinte er zu der Aufregung. Den nächsten Beitrag dazu lieferte er in einem "profil"-Interview. Auf die Frage, ob Homosexualität "heilbar" sei, antwortete er: "Dafür gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht" - mehr dazu in ooe.ORF.at.
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