Mit den jüngsten Turbulenzen in seiner Partei habe das allerdings "überhaupt nichts zu tun", betonte er. Den Entschluss für den Rückzug aus der Politik habe er, Lockl, bereits vor der Nationalratswahl gefasst. "Für die nächste Zeit" will Lockl seine Funktion noch wahrnehmen.
"Beruflicher Neubeginn"
"Ich werde sicher für eine geordnete Übergabe sorgen", so Lockl. Die Zeit bei den Grünen sei jedenfalls "sehr spannend" gewesen, "ich freue mich aber auch auf einen beruflichen Neubeginn", so Lockl, ohne Details zu nennen. Beim erweiterten grünen Bundesvorstand noch vor dem Sommer soll über die Nachfolge entschieden werden.
Streitereien im Hintergrund?
Der engagierte Grün-Funktionär war von Global 2000 zu den Grünen gekommen und dort vom Pressesprecher zum Quasi-Generalsekretär aufgestiegen. Den Entschluss für den Rückzug habe er bereits vor der letzten Nationalratswahl getroffen, sagte Lockl. Damals habe er aber auch vereinbart, noch den nächsten Bundeskongress der Grünen mitzubetreuen.
Dennoch ist vor allem der Zeitpunkt seiner Ankündigung frappant: Der Streit über die verhinderte EU-Wahlkandidatur von Johannes Voggenhuber hatte bei den Grünen tiefe Gräben aufgerissen - und dem Vernehmen nach haben sich die Wogen parteiintern noch nicht geglättet.
Lob für Glawischnig
Von alldem hörte man am Freitag von Lockl freilich nichts: Er stehe weiter voll und ganz zu seiner Parteichefin Eva Glawischnig. "Sie ist die Idealbesetzung für dieses Amt und hat großen Rückhalt", zeigte er sich im Gespräch mit der APA loyal. Auch in schwierigen Zeiten sei Glawischnig die geeignete Person, die Grünen anzuführen. Der Abschied aus der Politik erfolge "in bestem Einvernehmen".
Parteichefin nicht überrascht
Glawischnig selbst zeigte sich nicht überrascht. Für Lockl sei "es der richtige Zeitpunkt, etwas Neues zu beginnen", so Glawischnig am Freitag in einer Aussendung. Man habe bereits vor der Nationalratswahl vereinbart, dass er "noch eine Zeit lang zur Verfügung steht".
"Ganz egal, für welchen beruflichen Weg sich Lothar Lockl entscheidet, er wird mit Sicherheit eine große Bereicherung für jedes Team sein." Und auch wenn sich die beruflichen Wege "nun trennen, werden wir weiter freundschaftlich verbunden bleiben", sagte die Parteichefin. Lockl hinterlasse eine "Lücke, die nicht leicht zu schließen sein" werde.
Der ehemaliger Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen, bezeichnete Lockl als "hochprofessionellen Ratgeber, unverwüstlichen Motivator und einen guten Freund".
"Einige Projekte im Kopf"
Derzeit führt Lockl laut eigenen Angaben Gespräche, was seine berufliche Zukunft betrifft. "Ich habe einige Projekte und Ideen im Kopf, für deren Umsetzung ich nun mehr Zeit haben werde."
Für den scheidenden Bundesparteisekretär der Grünen ist es außerdem wichtig, dass es zwischen Politik und Privatwirtschaft sowie NGOs einen ständigen Austausch gebe: "Es besteht immer die Gefahr, dass man betriebsblind wird."
Hohn von FPÖ und BZÖ
Hohn setzte es von der Rechtsopposition: Selbst eher männerdominiert, sorgen sich FPÖ und BZÖ um die grünen Männer. Mit Lockl scheide "der letzte Mann aus einer grünen Führungsposition aus". Allmählich "sollten sich die Grünen überlegen, eine Männerquote einzuführen", so FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky in einer Aussendung. "Bald wird es heißen: Glawischnig allein zu Haus", fügte er hinzu.
Ähnlich reagierte BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz. Mit "ehrlichem persönlichen Bedauern" sprach er von einem "grünen Suffragettenregime", vor dem "die fähigen Politiker die Flucht ergreifen". Lockl sei ein "Opfer des grünen Geschlechterkampfes, wo offensichtlich nur mehr Frauen in Spitzenpositionen tätig sein dürfen", so Strutz.
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