Besonders US-Geschäft bricht weg

Richemont, Chanel und Co. sehen einem mageren Jahr entgegen.
Die Luxusgüterindustrie hat bisher als relativ immun gegen Konjunkturturbulenzen gegolten. Doch derzeit scheint auch diese Regel außer Kraft gesetzt.

Egal ob Diamanten, Designermode oder Champagner - die Lust auf Exklusives ist offenbar vorerst einmal verflogen.

Zu wenig Grund zum Feiern
Am Freitag etwa vermeldete der französische Herstellerverband Comite interprofessionell du vin de Champagne (CIVC) erstmals seit Jahren einen Umsatzrückgang bei Champagner: Die Nachfrage sank im Vorjahr um fast fünf Prozent auf 322 Mio. Flaschen, während sie in den 15 Jahren davor konstant nach oben geklettert war.

Besonders deutlich: Die Nachfrage in den USA knickte im Vorjahr um 17 Prozent ein.

Keine Lust auf großen Luxus
Doch nicht nur der vergleichsweise "kleine" Luxus fällt dem Sparstift zum Opfer: Auch dort, wo es wirklich teuer wird, sinken die Umsätze kräftig.

Abgesehen vom französischen "Ausreißer" Moet Hennessy Louis Vuitton (LVMH), zu dem unter anderem die Marken Gucci, Vuitton, Kenzo und Givenchy gehören, und der im Vorjahr noch Gewinne schrieb, spüren Designerlabels derzeit die Folgen der um sich greifenden Krise deutlich.

Chanel kündigt Mitarbeiter
Chanel etwa strich wegen sinkender Umsätze bereits zu Jahresende rund 200 Stellen. Das vor 90 Jahren gegründete französische Traditionsunternehmen dürfte in diesem Jahr - wenn überhaupt - ausgeglichen bilanzieren.

"Härteste Marktbedingungen"
Noch deutlich trüber die Perspektive für den Schweizer Konzern Richemont (Cartier, Montblanc, Jaeger-LeCoultre, Chloe u. a.): "Die Nachfrage nach Luxusgütern ist, wie auch in anderen Wirtschaftssektoren, dramatisch gefallen, und Richemont sieht sich mit den härtesten Marktbedingungen seit seiner Gründung vor zwanzig Jahren konfrontiert", erklärte das Unternehmen kürzlich.

Der Umsatz sank bei der weltweiten Nummer zwei im Luxusgütersegment im letzten Quartal 2008 um sieben, währungsbereinigt um zwölf Prozent. Das Geschäft in den USA brach um fast ein Drittel ein. Der dort ansässige Konkurrent Tiffany muss ein Minus von knapp über 20 Prozent wegstecken.

Diamentenkonzern kappt Produktion
Deutlich spürbar ist diese Entwicklung inzwischen auch für die Zulieferer der Branche: Wegen der sinkenden Nachfrage nach Rohdiamanten gab der Edelsteinproduzent De Beers Mitte Jänner bekannt, seine Produktion zurückzufahren.

Eine Schließung von Minen sei vorerst nicht geplant, erklärte der Konzern mit Hauptsitz in London, möglich sei allerdings eine Streichung von Stellen an den afrikanischen Produktionsstandorten in Namibia, Südafrika, Botswana und Kenia.

Schinken statt Kaviar in Davos
Stichwort neue Bescheidenheit: Auch beim am vergangenen Sonntag zu Ende gegangenen Weltwirtschaftsforum (WEF) im Schweizer Davos setzten Veranstalter und Teilnehmer in diesem Jahr deutlich den Rotstift an.

Schließlich stand das 39. WEF unter dem Motto "Die Welt nach der Krise gestalten", zu dem zu viel Luxus schon allein aus Imagegründen nur schlecht passt. Auf dem einen oder anderen Empfang warteten auf die Gäste statt Champagner und Kaviar diesmal Weißwein und Schinken.

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