Ein Fünftel lehnt Demokratie ab

Islamlehrer erfüllen häufig auch Aufgaben als Brückenbauer, so der Studienautor.
Die Debatte über Islamlehrer in Österreich ausgelöst hat eine Dissertation: Mouhanad Khorchide führte für seine Dissertation "Der Islamische Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft" im Jahr 2007 eine Umfrage unter 210 Lehrern durch. Und er kam zu dem Schluss, dass 22,6 Prozent der Lehrer "fanatische Haltungen" einnähmen, wobei die Ablehnung rechtsstaatlicher Prinzipien mit höherem Alter der Befragten steige.

21,9 Prozent gaben laut "Falter" an, die Demokratie abzulehnen, weil sie sich nicht mit dem Islam vereinbaren lasse. Insgesamt 77,2 Prozent der Befragten sehen sich "als Teil der österreichischen Gesellschaft", 4,5 Prozent, antworteten, das treffe gar nicht zu.

Integration nicht möglich?
Weitere Details, wobei bei der Zustimmung jeweils die Antworten "trifft zu" und "trifft eher zu" addiert wurden: 8,5 Prozent bezeichnen es als "verständlich, wenn Gewalt zur Verbreitung des Islam angewendet wird". 28,4 Prozent sehen einen Widerspruch darin, Muslim und Europäer zu sein; 44 Prozent finden, sie müssten ihre "Schüler befähigen zu erkennen, dass sie, weil sie Muslime sind, besser als ihre Mitschüler sind".

29 Prozent glauben, eine Integration der Muslime in Österreich sei "nicht möglich, ohne die islamische Identität zu verlieren". Umgekehrt sind indes 85,7 Prozent gar nicht oder eher nicht der Ansicht, Muslime sollten unter sich bleiben, um diesen Identitätsverlust zu vermeiden. Und: 55 Prozent der Befragten empfinden die Österreicher als ausländerfeindlich.

40 Prozent ohne pädagogische Ausbildung
Rund 40 Prozent der Islamlehrer hätten keine pädagogische Ausbildung, sagte Khorchide am Mittwoch gegenüber Ö1, 37 Prozent weder eine theologische noch eine pädagogische Ausbildung.

Er verwies aber auch auf die Funktion der Lehrer als Mittler zwischen Schulen und muslimischen Familien. Der Wiener SPÖ-Gemeinderat und Integrationsbeauftragte Omar Al-Rawi sprach im Zusammenhang mit der Studie von "schockierenden" Ergebnissen.

Auch viele positive Aspekte
"Das sind Defizite, die dringend beseitigt werden müssen", meinte Khorchide zu der mangelnden Ausbildung der Islamlehrer in Österreich. Doch der Autor sieht auch positive Aspekte. Muslimische Religionslehrer würden oft Brücken zwischen Schule und Eltern muslimischer Kinder herstellen, so Khorchide in einer schriftlichen Stellungnahme.

Bei Konflikten würden sie wichtige Mediationsaufgaben erfüllen. Rund 69 Prozent gaben an, bei Problemen zur Vermittlung herangezogen zu werden.

Auffälliger Generationsunterschied
Für rund 42 Prozent habe es außerdem Priorität, zur kritischen Reflexion der traditionellen islamischen Theologie in Bezug auf das Leben in Europa beizutragen. Drei Viertel würden weiters das Fehlen zeitgemäßer Lehrmaterialien als Defizit sehen, heißt es in der Stellungnahme.

Besonders auffällig ist für Khorchide der Unterschied zwischen den Generationen: "Junge Religionslehrer vertreten im Gegensatz zu ihren älteren Kollegen moderne Geschlechtsrollen und erkennen die rechtsstaatlichen Prinzipien (Demokratie, Menschenrechte usw.) stärker an." Die Ergebnisse bei den Islamlehrern in den östlichen Bundesländern seien außerdem positiver als in den westlichen.

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