Risiko für Alleinerzieher am größten

Ältere wegen Abhängigkeit von Sozialleistungen ebenfalls stark gefährdet.
Rund eine Millionen Menschen in Österreich sind armutsgefährdet, die Hälfte davon dauerhaft. Am stärksten davon betroffen sind Alleinerzieher und Pensionistinnen. Eine entscheidende Rolle kommt daher der Erwerbstätigkeit von Frauen zu.

Familien, in denen Frauen nicht erwerbstätig sind, haben ein mindestens doppelt so hohes Gefährdungsrisiko wie Familien mit erwerbstätigen Müttern. Ein hohes Risiko haben auch ältere Menschen durch ihre Abhängigkeit von Transferleistungen.

Direkte Folgen bei Einpersonenhaushalten
Im Gegensatz zu Mehrpersonenhaushalten wirkt sich bei alleine lebenden Menschen ein niedriger Einkommensbezug direkt auf den Lebensstandard aus. In Einpersonenhaushalten mit Pensionsbezug als Haupteinkommensquelle ist die Armutsgefährdung der Frauen mit 28 Prozent rund dreimal so hoch wie jene der Männer (neun Prozent).

Mit hochgerechnet rund 123.000 armutsgefährdeten Personen ist etwa jede zehnte armutsgefährdete Person eine allein lebende Pensionistin.

Kinderreiche Familien besonders gefährdet
Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder und mit einem Kind (acht Prozent) sowie Mehrpersonenhaushalte mit zwei Kindern (elf Prozent) sind vergleichsweise gut vor Armutsgefährdung geschützt.

Bei drei oder mehr Kindern im Haushalt beträgt das Gefährdungsrisiko jedoch bereits 16 Prozent. Eltern und Kinder, die in einem Einelternhaushalt leben, sind zu 27 Prozent von Armutsgefährdung betroffen.

Der Zusammenhang zwischen Alter der Kinder, Betreuungsnotwendigkeiten im Haushalt und Frauenerwerbstätigkeit spiegelt sich in der Armutsgefährdung wider: Ist das jüngste Kind im Kindergarten- bzw. Vorschulalter, beträgt die Armutsgefährdung 16 bzw. 17 Prozent. Wenn das jüngste Kind das schulpflichtige Alter erreicht hat, verringert sich das Gefährdungsrisiko auf neun Prozent.

Ausländer: Deutlich weniger Lohn
Unter Erwerbstätigen sind Ausländer durch geringe Bildung und Einsatz in wenig qualifizierten Jobs besonders benachteiligt. Der monatliche Bruttolohn der Ausländer ist um 400 Euro niedriger als jener der Österreicher.

Erwerbstätige Ausländer haben mit 17 Prozent ein doppelt so hohes Gefährdungsrisiko wie erwerbstätige Österreicher (acht Prozent).

Teilzeitjobs erhöhen Armutsrisiko
Erhöht wird das Gefährdungsrisiko bei Erwerbstätigen durch prekäre Beschäftigungsformen.

Während ganzjährig Vollzeiterwerbstätige zu fünf Prozent von Armutsgefährdung betroffen sind, steigt der Prozentsatz für jene, die ganzjährig einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, bereits auf elf Prozent. Nicht durchgehend erwerbstätige Personen sind zu 24 Prozent armutsgefährdet.

Hoher Anteil an Transferzahlung
In armutsgefährdeten Haushalten kommen 60 Prozent des Einkommens aus Sozialleistungen und Pensionen, während nicht Armutsgefährdete immerhin ein Drittel ihres Einkommens aus Transferzahlungen erhalten.

Sieht man von den Altersleistungen ab, so bleibt immer noch ein durchschnittlicher Sozialleistungsanteil am Haushaltseinkommen von 16 Prozent.

Wenn Kinder unter drei Jahren im Haushalt leben, tragen Sozialtransfers insgesamt 31 Prozent des gesamten Haushaltseinkommens bei, bei Einelternhaushalten sogar 37 Prozent und bei Familien mit drei oder mehr Kindern 29 Prozent.

Österreich unter EU-Schnitt
In den 27 EU-Mitgliedsstaaten leben etwa 78 Millionen Menschen mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Das entspricht rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung, in Österreich liegt die Armutsgefährdungsquote bei 13 Prozent.

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