Internationale Geschäfte bleiben aus

Getrübte Aussichten für Osteuropa.
Mit einem Konjunkturanstieg jenseits der sieben Prozent sicherten die Länder Osteuropas in den vergangenen Jahren nicht zuletzt das Wachstum vieler heimischer Unternehmen. Im Zuge der Finanzkrise leiden die Staaten im Osten nun zusehends unter der Kapitalflucht ausländischer Investoren. Der Rückgang der internationalen Nachfrage trifft die Länder zusätzlich.

So sind etwa beim Euro-Neuling Slowakei die beiden wichtigsten Motoren des slowakischen Wirtschaftsbooms betroffen. Die Automobilindustrie mit Autofabriken von Volkswagen, Kia und Peugeot sowie einer Vielzahl von Zulieferfirmen ist nämlich ebenso wie die Elektronikindustrie (vor allem Sony und Samsung) fast völlig auf den Export ausgerichtet.

Tschechen pessimistisch
In Tschechien erwarten zwei Drittel der Einwohner für 2009 eine Verschlechterung ihrer finanziellen Lage, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts STEM. Zwar funktioniert der Interbankenmarkt in Tschechien noch, aber ebenso wie in der Slowakei hat die exportabhängige Industrie Probleme.

Autobauer wie Skoda und das Konsortium Toyota, Peugeot und Citroën (TPCA) fahren die Produktion bereits zurück. Rund jeder zehnte Arbeitsplatz in der Autoindustrie ist gefährdet, analysierte der tschechische Branchenverband. Finanzminister Miroslav Kalousek räumte bereits ein, dass die Prognose von 4,8 Prozent Wirtschaftswachstum für 2009 nicht mehr zu halten ist.

Polens Währung unter Druck
Polens Regierung wollte von der internationalen Wirtschaftskrise lange nichts wissen. Doch langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass unter ihren Folgen der Krise auch das mitteleuropäische Land leiden wird.

Der Zloty, eine der stärksten Währungen in der Region, gerät immer mehr unter Druck. Im Dezember wurde - erstmals seit Sommer 2006 - die Marke von vier Zloty für einen Euro überschritten.

Ministerpräsident Donald Tusk, dem die Opposition Untätigkeit vorgeworfen hatte, stellte Ende November ein Konjunkturpaket von mehr als 91 Milliarden Zloty (rund 23 Mrd. Euro) vor. Als wichtigstes politisches und wirtschaftliches Ziel in den nächsten Jahren gilt die Vorbereitung auf die Euro-Einführung 2012.

Ungarn: Staatsschulden werden Problem
Ungarn wurde wegen seiner hohen Verschuldung, die knapp zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht, von der Finanzkrise besonders hart getroffen und musste mit einem internationalen Notkredit von 20 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

Die Krise und die Einbrüche im ungarischen "Exportziel" Deutschland werden wohl Zehntausende Jobs in Ungarn kosten und die Arbeitslosigkeit von derzeit 7,7 Prozent in die Höhe treiben.

Im Nachbarland Rumänien werden die Folgen der globalen Krise nach Ansicht der meisten Experten im Frühjahr ihren Höhepunkt erreichen. Das Arbeitsministerium in Bukarest erwartet bis Mai den Wegfall von mindestens 42.000 Arbeitsplätzen.

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