"Twilight" bricht alle Rekorde

Eine neue Vampir-Reihe begeistert die Kinder der "Lost Boys"-Generation.
Wer hätte gedacht, dass DJ BoBo jemals Trends frühzeitig erkennen würde? 2007 sang der Schweizer Plastikpop-Barde beim Song Contest "Vampires Are Alive". Und tatsächlich: Seit kurzem geistert das Blutsauger-Thema wieder durch alle popkulturellen Kanäle.

In den USA hat seit kurzem "True Blood", eine anspruchsvolle TV-Vampir-Saga des "Six Feet Under"-Erfinders Alan Ball, eine treue Fangemeinde. Vor allem aber sorgt "Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen" für Furore, die Verfilmung des gleichnamigen Jugendbuchs über die Liebe zwischen einer Schülerin und einem Vampir.

Die Hauptdarsteller wurden quasi über Nacht zu weltbekannten Teenager-Idolen, und die Produzenten können sich bereits über Einnahmen von fast 300 Millionen US-Dollar weltweit freuen. Die Fortsetzung ist schon in Planung.

"Lost Boys" und "Buffy"
Während im Genrekino Vampire stets präsent sind, kommt die jugendkulturelle Faszination für die Blutsaugern offenbar in Wellen daher: Eine Teenager-Generation liebt das Thema, die nächste ignoriert es.

In den 80ern waren es die "Lost Boys" rund um die damals knackigen Jungstars Jason Patric, Corey Haim und Kiefer Sutherland, die die Herzen vorwiegend weiblicher Fans höher schlagen ließen. In den 90ern folgte dann der Kult um die TV-Heldin "Buffy".

Neue Jugendidole
Stephenie Meyers "Twilight"-Buchreihe und die Verfilmung des ersten Bandes, die dieser Tage in den österreichischen Kinos startet, schließen nun wieder an den "Lost Boys"-Hype an.

Die "Bis(s) in den Morgengrauen"-Hauptdarsteller Kristen Stewart und Robert Pattinson - beide etablierte, aber der breiten Öffentlichkeit kaum geläufige Jungschauspieler - wurden nach dem Filmstart in den USA in kürzester Zeit zu Teenie-Idolen und zum "nächsten großen Ding" nach dem Kult um "High School Musical".

Internationaler Bestseller
Außergewöhnlich erfolgreich war die Blutsauger-Saga schon vor dem Film. Etwa 25 Millionen Exemplare weltweit verkaufte die 35-jährige US-Autorin Meyer bisher von den vier Bänden der "Twilight"-Jugendbuchserie.

Foren mit "Fan-Fiction", also von Fans selbst erdachten Geschichten im "Twilight"-Universum, quellen über, und sogar Mütter, die der Lektüre ihrer Kinder verfallen sind, haben sich auf der Website Twilight Moms zusammengetan, um über die Bücher zu diskutieren.

Meyer mischt in der Liebesgeschichte zwischen dem durchschnittlichen Teenager Bella und dem äußerst attraktiven Vampir Edward geschickt kleinstädtischen Alltag mit Fantasy-Elementen und einer erotischen Sehnsucht, die nie so recht erfüllt wird. Kein Wunder: Die Auflagenmillionärin aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona ist gläubige Mormonin.

Traum als Ideengeber
Meyer will die Idee zu "Twilight" im Traum bekommen haben. In einer Juninacht des Jahres 2003 habe sie von einer Liebesszene zwischen einem Mädchen und einem schönen Vampir geträumt und diese am nächsten Tag nur für sich aufgeschrieben, erzählt sie gern.

Das ist der Ausgangspunkt für den ersten Roman und für seine Verfilmung. Als die neue Schülerin Bella auf dem Campus ihrer künftigen Highschool in einem Kaff im verregneten US-Bundesstaat Washington das erste Mal Edward Cullen begegnet, ist sie hin und weg: Er ist schön, stark und geheimnisvoll.

"Ich mag Romanzen"
Doch Edward hat ein Geheimnis: Er ist ein Vampir, allerdings keiner, der Jagd auf Menschen macht. Im Zentrum steht eine Liebe, die sich gegen alle Hindernisse durchsetzt. Horrorgeschichten und -filme hätten sie früher nie interessiert, so Meyer: "Ich mag Romanzen."

"Ich würde lieber sterben, als Dir fernzubleiben", gesteht Bella und ist sich der Gefahr bewusst, der sie sich aussetzt. Edward und seine Familie ernähren sich zwar von Tierblut - vegetarisch sozusagen -, doch der Reiz, den Menschenblut auf ihn, seine Eltern und Geschwister ausübt, ist nach wie vor mächtig.

Züchtige Liebe
Edward muss sich trotz überwältigender Gefühle für sie beherrschen - würde ihn doch sonst im Rausch der Leidenschaft sein Blutdurst überwältigen und er womöglich liebestrunken seine Geliebte mit einem Biss töten.

Und so muss die Beziehung losgelöst von allen körperlichen Begierden funktionieren. Platonische Liebe statt körperlicher Zärtlichkeit - das passt perfekt zu Meyers Moralvorstellungen.

Erotisch aufgeladen
Regisseurin Catherine Hardwicke hat sich bei der Verfilmung eng an die literarische Vorlage gehalten, sie unterschwellig aber doch erotisch mehr aufgeladen, als der Autorin vielleicht lieb ist.

Eines gelingt Hardwicke jedoch nicht: Welche Abgründe und schwarzen Gedanken Edward bekämpfen muss, wenn er Bella nahe ist und ihm ihr verstörend anziehender Duft in die Nase steigt, bleibt dem Publikum verborgen. Stattdessen gibt es Romantik mit Sternenglitzer, Lichterschein und Liebesschwüren.

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