Auch die Lieferungen in südosteuropäische Länder wurden teilweise völlig gestoppt.
OMV: Vorräte sichern Versorgung
Trotz der aktuell aufgetretenen signifikanten Einschränkung russischer Erdgaslieferungen sei eine Versorgung Österreichs "unter den derzeitigen Bedingungen (Verbrauch, Wetter) bis auf weiteres gewährleistet", meldete die OMV am Dienstag in einer Aussendung. Der Ausfall von rund 90 Prozent an russischem Erdgas werde aus den Vorräten kompensiert.
Bereits in der Nacht wurde demnach dem Expertenteam der OMV von russischer Seite eine Reduktion der Gaslieferungen um 30 - 40 Prozent angekündigt. In den frühen Morgenstunden kam es allerdings zu weiteren Lieferreduktionen: Gegen 8.00 Uhr wurde lediglich rund zehn Prozent russisches Gas an Baumgarten geliefert.
Gasprom: Ukraine schloss Transitpipelines
Russland macht dafür aber die Ukraine verantwortlich: Nach Angaben der Gasprom sind die russischen Erdgaslieferungen nach Europa über die Ukraine auf ein Siebentel des üblichen Volumens gesunken. Die Ukraine habe in der vergangenen Nacht eigenmächtig drei oder vier Exportpipelines geschlossen, erklärte der Vizechef des russischen Monopolisten, Alexander Medwedew, bei einer Pressekonferenz in London am Dienstag. Europa sollte erwägen, rechtliche Schritte gegen die Ukraine einzuleiten.
Krisenstab in Wien
In Wien tagt am Vormttag ein Krisenstab in der Regulierungsbehörde E-Control. Das teilte eine Sprecherin der Behörde der APA mit. Man werde die Lage analysieren und verfolgen, ob sie noch ernster werden kann.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner trommelte für Mittwoch den Energielenkungsbeirat zusammen. In der Expertensitzung geht es zunächst um den Spitzenbedarf der Industrie. Private Haushalte wurden vom Ministerium vorweg beruhigt: Die Grundversorgung für Haushalte mit Gas sei über drei Monate sowieso garantiert. Der "Energielenkungsbeirat" steht unter Vorsitz des Wirtschaftsministers, der gesetzlich dazu verpflichtet ist, zur Konsultation zu laden, wenn Versorgungsengpässe drohen.
"In permanentem Kontakt
OMV und EconGas sind laut der Aussendung in permanentem Kontakt mit den zuständigen Stellen bei der Gasprom/Gasprom export. Die OMV-Tochter EconGas hat demnach derzeit ca. 1,7 Mrd. Kubikmeter Erdgas eingelagert. Um die Versorgungssicherheit weiterhin aufrechtzuerhalten, würden bereits entsprechende Speichermengen zur Verfügung gestellt, also ins österreichische Leitungssystem eingespeist.
Werner Auli, Vorstand der OMV für Gas & Power, sagte: "Wir sind auch auf diese Situation entsprechend vorbereitet und haben daher zeitgerecht mit dem Zuschalten von Kapazitäten aus den Erdgasspeichern reagiert. Damit ist die Versorgungssituation bis auf weiteres sichergestellt."
Russland kündigte Schritt an
Russland hatte am Vortag angekündigt, seine Gaslieferungen nach Europa über die Ukraine zu reduzieren. Die Liefermenge sollte um das gleiche Volumen verringert werden, wie die Ukraine Gas abzweige, das für die europäischen Länder bestimmt sei, ließ Ministerpräsident Wladimir Putin am Montag Gasprom anweisen.
Russland wirft der Ukraine vor, für EU-Länder bestimmtes Gas zu "stehlen". In der Auseinandersetzung geht es um die Bezahlung bereits gelieferten Erdgases und den Preis für 2009. Russland will die bisher relativ niedrigen Preise für die Ukraine langsam auf Marktniveau anheben.
Putin veranlasste demnach eine Teilversorgung von Westeuropa über alternative Routen. Der frühere Kreml-Chef wies Gasprom an, rund 65,3 Millionen Kubikmeter Gas nicht durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch die Türkei und Weißrussland zu pumpen.
"Sind in einer Krisensituation"
Europa bezieht ein Fünftel seiner Gasversorgung über Leitungen durch die Ukraine. Mit dem Schritt droht in Europa bei tiefwinterlichen Temperaturen eine weitere Einschränkung der Versorgung.
Beim ukrainischen Staatskonzern Naftogas befürchtete man in der Früh, "dass Europa in einigen Stunden Probleme mit der Gasversorgung haben wird".
Bulgariens Wirtschaftsministerium erklärte, sämtliche russischen Lieferungen über die Ukraine nach Bulgarien, Griechenland, Mazedonien und in die Türkei seien gestoppt worden. "Wir sind in einer Krisensituation", hieß es.
Totalausfall in Türkei und Kroatien
Bestätigt wurde der Totalausfall in der Türkei. Auch Kroatien ist von russischen Gaslieferungen abgeschnitten. Der heimische Gasversorger Ina rief die Verbraucher zum Sparen auf, da die Lage "ernst und ungewiss" sei. Rumänien erhielt am Dienstag zwei Drittel weniger Gas aus Russland.
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