Hamas gibt sich kampfbereit

Wütende Proteste gegen Israel im Gaza-Streifen.
Der im syrischen Exil lebende Hamas-Chef Chaled Maschaal hat eine Kapitulation seiner Organisation angesichts der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ausgeschlossen. Im Fall eines israelischen Bodenangriffs erwarte den Feind eine "düstere Zukunft", sagte der Chef der radikalislamischen Hamas am Freitag im arabischen Fernsehsender Al Jazeera.

"Ihr habt uns den Krieg aufgezwungen. Wir sagen Euch, dass wir bereit sind, dass die Hamas nichts von ihren militärischen Fähigkeiten eingebüßt hat und dass wir siegen werden", erklärte Maschaal an die Adresse der israelischen Führung gerichtet. "Unser Volk in Gaza wird in jedem Haus und in jeder Straße kämpfen", fügte er hinzu.

Wieder gegenseitige Angriffe
Bei neuerlichen israelischen Luftangriffen wurden am Freitagabend nach Angaben von Ärzten und Augenzeugen mindestens ein Mensch getötet und vier weitere verletzt.

Wie die Rettungskräfte in Gaza mitteilten, wurden in Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen ein Palästinenser getötet und drei weitere verletzt. Bei einem Raketenangriff auf den Flughafen von Rafah an der Grenze zu Ägypten wurde ein Palästinenser schwer verletzt.

Militante Palästinenser feuerten unterdessen am Freitag erneut sieben Raketen auf Israel ab. Bei Einschlägen von zwei Raketen in Wohnhäusern in der südisraelischen Stadt Aschkelon wurden laut Polizeiangaben zwei Israelis verletzt.

Zehntausende auf den Straßen
Nach dem traditionellen Freitagsgebet waren zuvor im Westjordanland Zehntausende Palästinenser gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen protestiert. Allein 3.000 Anhänger und Sympathisanten der radikalislamischen Hamas demonstrierten in Ramallah.

Die Hamas im Gazastreifen hatte am Freitag alle Palästinenser zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. Zugleich kündigte Hamas-Sprecher Ismail Radwan an, dass die Hamas ihre Operationen ausweiten und auch Selbstmordattentate unternehmen werde.

Vergeltung für Tod von Hamas-Führer
Die Hamas will damit Vergeltung für den Tod ihres Topführers Nisar Rajan üben. Rajan, dessen vier Frauen sowie elf seiner Kinder waren nach palästinensischen Angaben am Donnerstag bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Wohnhaus im Flüchtlingslager Dschebalia im nördlichen Gazastreifen getötet worden.

Israelische Flaggen verbrannt
Demonstranten riefen unter anderem "Wir opfern uns für Gaza" und verbrannten israelische Flaggen. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen mit Anhängern der rivalisierenden Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Weltweite Proteste
Auch in anderen muslimischen Ländern wurde gegen die israelischen Angriffe demonstriert. In der türkischen Metropole Istanbul verbrannten rund 5.000 Demonstranten Fahnen Israels und der USA.

In Indonesien gingen Zehntausende Menschen auf die Straße. Sie richteten Raketenattrappen mit der Aufschrift "Ziel: Tel Aviv, Israel!" auf das amerikanische Botschaftsgebäude in Jakarta.

In Wien demonstrierten, ähnlich wie in anderen europäischen Hauptstädten, etwa 5.000 Menschen gegen das militärische Vorgehen Israels. Es fand allerdings auch eine Demonstration für Israel und gegen die Hamas statt - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Hamas ruft zu Einigung mit Fatah auf
Im Vorfeld schlug die Hamas versöhnliche Töne in Richtung der rivalisierenden Fatah-Fraktion an. "In solchen Zeiten muss man einig sein", erklärte der stellvertretende Chef des Hamas-Politbüros, Mussa Abu Marsuk, am Freitag in einem Telefoninterview mit dem TV-Nachrichtensender el Arabija.

422 Tote im Gazastreifen
Die israelische Luftwaffe flog Armeeangaben zufolge seit Samstag letzter Woche mehr als 700 Einsätze. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 422 Menschen getötet.

Wie die Gesundheitsbehörde am Freitag in Gaza mitteilte, wurden mindestens 2.200 Menschen verletzt. 380 von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Im Gegenzug schlugen auf israelischem Boden 700 Raketen ein. Als Folge des Beschusses durch militante Palästinenser starben vier Israelis.

Ausländer dürfen Gazastreifen verlassen
Angesichts einer möglichen israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen verließen Freitagvormittag Hunderte Ausländer das Palästinensergebiet. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, dass der Kontrollpunkt Eres kurzzeitig geöffnet worden sei, um Ausländern die Ausreise zu ermöglichen.

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