Sarkozy nutzt dabei nicht nur das Machtvakuum in den USA, bis der neue Präsident Barack Obama am 20. Jänner sein Amt antritt. Er setzt auch darauf, dass die in Nahost-Fragen wenig erfahrenen Tschechen als neue EU-Ratspräsidentschaft ihm nur zu gerne das Feld überlassen.
Sarkozy sucht "Wege zum Frieden"
Er wolle "Wege zum Frieden suchen", sagte Sarkozy zu seiner Nahost-Mission, die ihn am Montag nach Ägypten, ins Westjordanland und nach Israel führt, am Dienstag dann nach Syrien und in den Libanon.
Von Erfolgen "berauscht"
"Berauscht" vom Vermittlungserfolg in der Georgien-Krise habe Sarkozy nach Ende des EU-Vorsitzes nicht die Absicht, "einfach so von seiner kleine Wolke herunterzukommen", machte sich die französische Tageszeitung "Liberation" zuletzt über den Präsidenten lustig.
Lieber Diplomat als Krisenbewältiger
Mit seiner "Husarendiplomatie" wolle der "Speedy Gonzales Europas" weiter auf der Bühne der Großen der Welt mitspielen und damit die Wirtschaftskrise zu Hause ausblenden, gegen die er nicht viel ausrichten könne, so das Blatt.
Kein Mandat der EU
Ein Mandat aus Europa braucht Sarkozy für seine neue Rolle aus Pariser Sicht nicht. Frankreich verfüge über "eigene Relaisstationen" in der Region, so ein Diplomat. Außerdem könne es "auf seinen Status als ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat" bauen.
Mittelmeerunion als Vermittler
Der Präsident wolle künftig vor allem die von ihm aus der Taufe gehobene Mittelmeerunion als Hebel für seine Rolle in Nahost nutzen, erläuterte die konservative Zeitung "Figaro" (Freitag-Ausgabe). Zwar müsse sich Sarkozy "auf dem Papier" das Amt mit der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft teilen. Es sei aber wahrscheinlich, dass Prag ihm freie Hand lasse.
Treffen mit Livni
Sarkozy sieht in der Nahost-Frage insgesamt nun wohl freie Bahn. Just am Donnerstag, als Tschechien die Ratspräsidentschaft übernahmen, traf er sich mit Israels Außenministerin Zipi Livni in Paris, um seine Mission im Krisengebiet vorzubereiten.
Diplomatie-"Gedränge" in Nahost
Der Elysee-Palast betont offiziell, all das geschehe "in perfekter Abstimmung" mit Prag. Dabei schicken die Tschechen Anfang der Woche zeitgleich ihren Außenminister Karel Schwarzenberg an der Spitze einer EU-Delegation nach Kairo, Tel Aviv, Ramallah und Amman - "am Rande der Reise von Nicolas Sarkozy", wie der regierungsnahe "Figaro" seinen Lesern erklärte.
"Hoffentlich tritt man sich nicht irgendwo auf die Füße", meinte ein Brüsseler EU-Diplomat am Neujahrstag mit einer kräftigen Portion Galgenhumor.
Hohes Risiko für Sarkozy
Mit der Nahost-Mission gehe Sarkozy aber auch "ein hohes politisches Risiko" ein, sagte Dominique Moisi vom Französischen Institut für internationale Beziehungen (IFRI).
Israel werde einem Waffenstillstand wahrscheinlich erst zustimmen, wenn es seine Ziele im Kampf gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen erreicht habe. "Für Sarkozy ist das eine Pokerpartie. Er mag das, er liebt das Spiel, aber hoffen wir, dass er sich dabei nicht die Finger verbrennt."
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