Branchenkenner rechnen damit, dass Newcomer wie Little Boots, La Roux und Lady GaGa 2009 ganz groß herauskommen werden.
Aus der "Hauptstadt des Binge Drinking"
Auf den Promofotos sehen Little Boots & Co. ein wenig aus wie 70er-Popidole a la Abba; sie pendeln zwischen Hippie-Look und abgeklärtem Hedonismus, zwischen Unschuldsengel und Disco-Queen.
Vielleicht ist das mehr als nur Kalkül: Little Boots alias Victoria Hesketh etwa kommt aus dem nordwestenglischen Blackpool, laut "Guardian" der "Hauptstadt des Binge Drinking"; die Musikerin betont aber, mit Alkohol, Drogen und Tabak ganz und gar nichts am Hut zu haben. Trotzdem ist sie der neue Liebling der bekannt dekadenten Londoner Clubszene.
Umfangreiche Ausbildung
Hesketh mag mit ihrem Faible für reparaturbedürftige und selbst gebastelte elektronische Musikinstrumente wie eine Learning-by-doing-Musikerin wirken; in Wahrheit kann sie eine auffällig breite musikalische Ausbildung vorweisen.
Schon im Vorschulalter lernte sie klassisches und Jazz-Piano, in der Oberstufe spielte sie in Bands quer durch alle Genres: Jazz, Punk, Progressive Rock. Sie finanzierte ihr Studium als Reserve-Norah-Jones in Hotelbars und schrieb eine Dissertation über Originalität beim englischen Schmuse-Jazzer Jamie Cullum.
Kreative Kontrolle
Als sie vor einigen Jahren in Dead Disco, einer Art Girl Group mit Schräglage, mitspielte, habe sie gemerkt: "Ich spiele gerne Synthesizer und schreibe Popsongs - und nicht diesen jazzigen Mist, nur um die Miete zahlen zu können."
Ihr Traum sei, sagte sie jüngst dem "Guardian", "einer jener großen Popstars wie David Bowie und Kate Bush zu sein, die optisch auch danach aussehen und doch in jeden Aspekt des kreativen Prozesses involviert sind".
Gutes Jahr für Ladyhawke
Damit schließt sie nahtlos an die Neuseeländerin Phillipa Brown an, die unter dem Künstlernamen Ladyhawke und mit der Single "Paris Is Burning" heuer ihren großen Durchbruch hatte. Musikalisch knüpft sie mit Frechheit, Pathos, eingängigen Synthesizer-Melodien und rockigem Unterbau an 80er-Ikonen wie Cyndi Lauper an.
Im Alleingang aufgenommen
Im Gegensatz zu den fast schon klischeehaften Duopaarungen der letzten zehn Jahre - männlicher DJ/Produzent, weibliche Stimme - arbeitet Brown im Studio solo und spielt alle Instrumente selbst ein.
Ladyhawkes selbst betiteltes Debütalbum ist gerade beim umtriebigen australischen Label Modular Records erschienen, das mit Künstlern wie Cut Copy, The Presets und den inzwischen aufgelösten Retro-Rockern Wolfmother als Zeitgeistbarometer im modernen Pop gilt.
La Roux vor Durchbruch
Im selben Fahrwasser kommt auch La Roux daher: Die Britin macht, wie das Blog Popjustice schreibt, "modern klingende elektronische Popmusik", was banal klingt, aber treffend ist.
Das französische Label Kitsune, das sich in den letzten Jahren ebenfalls als musikalischer Trendscout bewährt hatte, veröffentlichte einen La-Roux-Song jüngst auf einer seiner richtungsweisenden Compilations.
Die nächsten La-Roux-Veröffentlichungen sollen bereits beim Musikmulti Universal erscheinen - ein sicheres Zeichen dafür, dass die jungen Frauen, die zwischen Indie und Elektropop pendeln und "Indianerband im flatternden Haar" tragen, wie das Musikblog 78s schreibt, ein Fall für den Mainstream sind.
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