"Im dem Maße, wie ich im Laufe der Jahre immer mehr Erfolg hatte, haben sie mich in einen Dämon verwandelt, ich war ihr Luzifer", sagte Ruiz Zafon mit Blick auf seine Kritiker im eigenen Land. Er habe keine engen Verbindungen zur spanischen Literaturszene, und sie interessiere ihn auch nicht besonders. "Es gibt bei uns eine Stufenfolge der unverzeihlichen Sünden: Erfolg zu haben ist an sich schon eine unverzeihliche Sünde, aber Erfolg außerhalb Spaniens zu haben, das ist das Schlimmste des Schlimmen", sagte der in Barcelona geborene und aufgewachsene Literat.
Nach seinem Erfolgsrezept befragt, meinte Zafon, dass die Leser in seinen Büchern die Freude am Lesen wiederentdeckten. Schreiben sei in jedem Fall harte Arbeit. "Die Musen säuseln einem nichts ins Ohr", sagte er.
Keine vier Fortsetzungsgeschichten
"Das Spiel des Engels" ist der zweite Teil einer Barcelona-Tetralogie, spielt aber zeitlich vor dem ersten. "Es sollen keine vier Fortsetzungsgeschichten sein. Es sind vier unabhängige Geschichten, die aber über einzelne Personen, Handlungsstränge und vor allem den Friedhof der vergessenen Bücher miteinander verbunden sind", sagte Ruiz Zafon. Wann der dritte Teil erscheine, könne er jetzt noch nicht sagen.
"Das Manuskript von 'Das Spiel des Engels' habe ich meinem Verleger im Februar übergeben. Wenn ich ein Buch beende, dauert es normalerweise ein Jahr, bis ich die Arbeit an einem neuen Buch beginne."
Der Spanier zeigt sich auch auch an der deutschen Geschichte interessiert. "Ich lese sehr gerne über die Geschichte Deutschlands und besonders Berlins, und dabei vor allem die Zeit von der industriellen Revolution bis in die Mitte der 20er Jahre. Mich fasziniert dieser historische Augenblick, die Dinge, die da geschahen, die Architektur, die Literatur, einfach alles", sagte er. Im neuen Roman habe er auch Mythenerzählungen wie Goethes "Faust" und "Dr. Faustus" von Thomas Mann verarbeitet.
Ein distanter Blick auf die Heimat
Ruiz Zafon, der schon 1994 nach Los Angeles gezogen war und dort auch einige Jahre als Drehbuchautor arbeitete, meint, dass es den Blick schärfe, sein eigenes Land aus der Ferne zu betrachten. "Ich glaube, wenn man den Ort, wo man geboren wurde, wo man aufgezogen wurde, hinter sich lässt, hat man einen objektiveren Blick auf die Dinge, und man ist in der Lage, die Beziehung zu dem Ort, wo man aufgewachsen ist, besser zu verstehen. Es ist wohl kein Zufall, dass viele literarische Werke, die wir mit einem Ort assoziieren, aus der Entfernung geschrieben wurden", sagte er.