So sieht das auch ÖVP-Obmann Josef Pröll. Er ist mit der Beantwortung seiner Fragen zufrieden und erachtet weitere Gespräche als "sinnvoll". Die Opposition spricht jedoch von einer inszenierten "Schmierenkomödie", die Kommentatoren österreichischer Tageszeitungen schließen sich der Kritik an.
Pröll: "Details müssen her"
Sowohl die Fragen der ÖVP als auch die Antworten der SPÖ waren sehr allgemein gehalten worden. Pröll gestand ein, dass es noch in einer Reihe von Punkten Klärungs- und Gesprächsbedarf gebe.
Gegenüber der ZIB sagte er: "Details müssen her. Da wird in den nächsten Tagen noch viel an Detailarbeit und Kleinarbeit geleistet werden müssen." Beim Thema Europa sei keine wirkliche Antwort eingelangt: "Das ist der Punkt. Auch hier muss eine Lösung gefunden werden."
Wann es mit den Verhandlungen weitergehe, liege an Faymann. Wenn es nach ihm selbst gehe, könne schon am Dienstag wieder verhandelt werden.
"Tatsächlich Spitz auf Knopf"
Angesprochen auf die These, dass solche "Krisen" kurz vor dem Bilden einer Koalition inszeniert seien, antwortete Pröll: "Das ist eine lächerliche Theorie. Ich weiß nicht, von wem sie in den Raum gestellt wird. Vergessen Sie das. Es ist tatsächlich so, dass wir in diesen Tagen auf Spitz und Knopf stehen, was die Bildung einer Bundesregierung betrifft."
Fekter: Keine "mediale Inszenierung"
Zufrieden mit dem Ergebnis der "Zehn Fragen"-Taktik zeigte sich gegenüber der ZIB2 auch die ÖVP-Koordinatorin der Koalitionsgespräche, Innenministerin Maria Fekter. Sie verneinte ebenfalls, dass es bei den Fragen um "mediale Inszenierung und Placebos" gegangen sei.
Auf das durchwegs negative Medienecho angesprochen, meinte Fekter, die Fragen seien dennoch nützlich gewesen, "weil damit alle erkennen können, in welche Richtung es gehen soll".
"ÖVP kann froh sein"
Zum Motto "Neu regieren" gehöre auch, "Konflikte aus dem Weg zu räumen. Wir haben Konfliktpotenzial gesehen. Zum Großteil konnte man das mit der Beantwortung der Fragen ausräumen." Auf dieser Basis könne nun weiterverhandelt werden.
Die ÖVP könne froh sein über "so eine klare Absage an eine Schuldenexplosion" und das Bekenntnis der SPÖ zur Familienförderung. Auch die Entlastung des Mittelstands sei nun sichergestellt.
Opposition sieht "Schmierenkomödie"
Die Theorie einer Inszenierung war unter anderem von der Opposition in den Raum gestellt worden, wie die ZIB berichtete. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meinte, am Montag habe eine "vorweihnachtliche Schmierenkomödie" stattgefunden, ein um "blöde Fragen veranstalteter Theaterdonner in wechselseitigem Einverständnis".
Für BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz ist Pröll nach diesem Tag eine "Lachnummer", die sich mit "inhaltsleeren Phrasen" abspeisen lässt.
Grünen-Chefin Eva Glawischnig sieht die Verhandlungspause als "lächerliches Muskelspiel" und verlangt eine sofortige Sondersitzung des Nationalrats. Zudem fordert Glawischnig von SPÖ und ÖVP die Befassung mit den "tatsächlichen Problemen" statt "Befindlichkeitsaustäusche".
Kommentare: "Blamage", "Show", "Schmäh"
Ähnlich fiel die Meinung der Kommentatoren der österreichischen Tageszeitungen in ihren Dienstag-Ausgaben aus. Der "Standard" schreibt von einer "Blamage" Prölls. Faymann habe dessen "Theaterdonner scheinbar ungerührt über sich ergehen" lasse, "als ob er wüsste, dass Pröll die Show für die eigenen Leute braucht (...)."
Das "WirtschaftsBlatt" richtet zehn rhetorische Fragen an die ÖVP, darunter: "Falls es mit dem munteren Fragespiel aber bloß um Zeitverzögerung geht: Handelt es sich nur um einen Schmäh, um vor dem Parteitag am 28. November den Koalitionspartner am Nasenring vorzuführen - oder will Josef Pröll bloß Zeit gewinnen, weil (wie Faymann auf der anderen Seite) auch er vor jedem konkreten Schritt seinen Onkel fragen muss?"
"So klug wie zuvor"
Die "Presse" schreibt: Wie erwartet habe Faymann "mit wolkigen Hinweisen auf höhere Effizienzpotenziale in der Verwaltung und in den Krankenkassen über alle Klippen hinweggeturnt. Damit ist Pröll nun so klug wie zuvor: Dass der rote Sonnyboy ein Schönwetterpolitiker ist, hat er schon vorher gewusst."
"Verdacht einer (unprofessionellen) Inszenierung"
Der "Kurier" spricht von zehn "No-na-Fragen": "Koalitionsverhandlungskrachs sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Pröll wird jetzt viel zu tun haben, den Aufmüpfigen in der eigenen Partei den Erfolg seines Zehn-Fragen-Vorstoßes zu erklären."
Für die "Wiener Zeitung" hat "das Tempo der SPÖ-Antwort und das sofortige Pröll-Lob dafür (...) den Verdacht einer (unprofessionellen) Inszenierung noch verstärkt".
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