Die handverlesenen Demografen, die am 4. November an geheim gehaltenen Orten aus 100.000 Wählerbefragungen erste Trends herauslesen sollen, werden etwa bewaffnete Bewacher bekommen. Das soll sicherstellen, dass keine Informationen vorab durchsickern.
Erinnerung an Debakel im Jahr 2000
Die Angst ist begründet. Bei der letzten Wahl 2004 meinte etwa ein Wahlkampfmanager des Demokraten John Kerry, nachdem geheime Rohdaten der Befragungen bekanntgeworden waren, schon ehrfürchtig: "Darf ich der Erste sein, der Sie mit Herr Präsident anspricht?"
Noch katastrophaler war es vier Jahre zuvor gelaufen. Im Bemühen, nur ja als Erste den Wahlsieger zu präsentieren, erklärten die großen TV-Sender zuerst Al Gore zum Sieger, dann wieder George W. Bush - und gestanden dann ein, dass sie eigentlich gar nichts wussten.
Handys werden konfisziert
Doch es geht noch schlimmer. 1980 sprach der Sender NBC bereits vom Sieg Ronald Reagans, als die Wahllokale noch geöffnet waren. Erwiesen ist, dass danach kaum ein Wähler mehr zur Urne ging. Inwieweit das den Wahlausgang beeinflusste, ist bis heute unklar.
Diesmal soll vor Wahlschluss kein einziger Datensatz die verantwortlichen Institute Edison Media Research und Mitofsky International verlassen. Ihre Handys müssen die Mitarbeiter abgeben, für den Gang auf die Toilette bekommen sie eine Eskorte.
Neue Umfragemethoden
Außerdem wurden die Umfragemethoden diesmal verfeinert - etwa durch das Rekrutieren älterer Interviewer. Man habe herausgefunden, dass ältere Wähler auf die Fragen jüngerer Menschen nicht wahrheitsgemäß antworten, begründen die Meinungsforscher diesen Schritt.
Außerdem haben sich die Demografen laut eigener Aussage darauf vorbereitet, dass Demokraten eher über ihr Stimmverhalten Auskunft geben als Republikaner. Bereits seit Wochen wird in den USA diskutiert, ob der Umfragevorsprung für den Demokraten Barack Obama nicht trügerisch sei.
Noch immer viel Rätselraten
Noch immer sind Wahltrends zu einem Gutteil Rätselraten: Etwa die Hälfte aller Befragten geben über ihr Stimmverhalten keine Auskunft. Die Meinungsforscher schätzen dann die mögliche Entscheidung aufgrund von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Wohnort.
"Niemand hat einen 'D'- oder 'R'-Stempel (Demokraten oder Republikaner, Anm.) auf der Stirn", sagte Joe Lenski, Mitbegründer von Edison Media Research, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Wahltrends seien eben "nur eine x-beliebige Umfrage wie jede andere auch".
Hinweis
Der ORF berichtet umfassend über die Wahl - mehr dazu in programm.ORF.at.
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