Zaunpfahl-Wink in Richtung Peking

Auf der kommenden Tibet-Konferenz will der Dalai Lama "komplett neutral" bleiben.
Der Dalai Lama sieht den Kampf um eine größere Autonomie Tibets als gescheitert an. Auf einer Pressekonferenz in Tokio sagte das geistliche und weltliche Oberhaupt der Exiltibeter am Montag, mit seiner bisherigen Herangehensweise habe er keinen Erfolg gehabt.

Für den Dialog mit Peking sehe es "gar nicht gut aus. Ich muss akzeptieren, dass ich versagt habe", so der Dalai Lama. Sein Vertrauen "in die chinesische Regierung werde "dünner und dünner und dünner". Er freue sich darauf, sich "komplett zur Ruhe zu setzen".

Entscheidende Konferenz
Sobald es eine Lösung zum Status Tibets gebe, will der Dalai Lama seine Ämter einer "lokalen Regierung" übergeben. Gerade diese Lösung soll Thema zweier großer Tibet-Konferenzen in den nächsten Wochen sein. Auf diesen Konferenzen will er jedoch bereits schweigen.

Ob der Dialog mit China überhaupt fortgesetzt werden soll, ist das Thema einer Konferenz mit Vertretern aller Strömungen der Exiltibeter am 17. November im indischen Dharamsala. Die Resultate sollen danach auf internationaler Ebene in Neu Delhi diskutiert werden.

Interne Kritik wächst
Dabei wolle er jedoch "komplett neutral" bleiben, betonte der Dalai Lama: "Wenn ich sage, ich bevorzuge dieses oder jenes, könnte das zu einem Hindernis und einer Hürde dafür werden, dass verschiedene Meinungen frei geäußert werden." - mehr dazu in oe1.ORF.at.

In diesem Zusammenhang verwies der Dalai Lama auch auf die wachsende Kritik innerhalb der tibetischen Gemeinde an seiner bisherigen Taktik gegenüber China. Viele junge Aktivisten treten für Tibets komplette Unabhängigkeit von China ein und lehnen seinen gemäßigten Weg ab.

Sein größter Trumpf?
Gerade, dass der Dalai Lama nun seinen Rückzug in Aussicht stellt, könnte allerdings sein letzter - und größter - Trumpf gegenüber China sein: Es war bisher vor allem sein Verdienst, dass der militante Widerstand gegen die Chinesen in Tibet überschaubar blieb.

"Menschenrecht auf Ruhestand"
Mit seinen Worten schickt der Dalai Lama die Botschaft an Peking, dass nun die letzte Chance für Zugeständnisse an ihn sei, weil China andernfalls ein weit "ungemütlicheres" Gegenüber bekommen könnte. Er betonte jedoch, dass es ihm mit dem Wunsch nach Ruhe ernst sei.

"Es gibt Leute, die sagen mir, es ist doch nicht möglich, dass sich der Dalai Lama zur Ruhe setzt. Ich antworte ihnen, es ist mein Menschenrecht, mich zur Ruhe zu setzen", so der 73-Jährige, der zuletzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.

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