Laszlo hatte interne OeNB-Akten auf der Computerfestplatte seines Halbbruders Harald K. "vergessen", wie er sagte. K. war bis vor kurzem Prokurist der Kärntner AvW-Gruppe und ist wegen Verdachts der Untreue in Haft. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Von AvW zu C-Quadrat zu Grasser
Laut "profil" befand sich unter den bei K. sichergestellten Dokumenten auch ein OeNB-Prüfbericht über die Wiener M&A Privatbank AG. Die Bank sollte eigentlich an die Investgruppe C-Quadrat verkauft werden, die den Deal Ende Oktober jedoch überraschend absagte.
Größter Einzelaktionär bei C-Quadrat ist wiederum die AvW-Gruppe. Aufsichtsratschef bei C-Quadrat ist Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. "Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun", erklärte C-Quadrat-Vorstand Andreas Wimmer gegenüber "profil".
C-Quadrat: "Irreführender Zusammenhang"
In einer Aussendung von C-Quadrat Sonntagabend hieß es, "profil" stelle Tatsachen in einem "irreführenden Zusammenhang" dar. Insbesondere können von keiner "Spionageaffäre" gesprochen werden.
C-Quadrat sei der OeNB-Prüfbericht bereits Mitte Juli vorgelegen - als im Zuge der geplanten Übernahme die M&A-Bank genau geprüft wurde. "Für C-Quadrat bestand daher schon deswegen niemals der geringste Grund, sich auf irgendeinem anderen Weg Zugang zu diesem Bericht zu verschaffen", hieß es in der Stellungnahme.
Ex-Direktor Vertrauter von Grasser
Es gibt jedoch auch personelle Verkettungen in die Gegenrichtung: Laszlos früherer Vorgesetzter in der Nationalbank war bis vor kurzem Josef Christl. Er hatte den Direktorenposten 2003 bekommen, Grasser war damals Finanzminister.
Christl war damals als nur Drittgereihter auf der Kandidatenliste zum Zug gekommen. Grasser kannte ihn jedoch persönlich gut: Christl war sein Sekretär für Wirtschaftspolitik. Christls Vertrag lief heuer aus und wurde nicht mehr verlängert.
Angeblich weitere Funde auf Festplatte
Neben den Staatsanwälten untersucht auch die OeNB-Innenrevision nun die Vorgänge. Auf sie dürfte noch genügend Arbeit warten: Laut dem Magazin "News" wurden auf der Festplatte, auf der die OeNB-Daten gespeichert waren, auch Hinweise auf ein ominöses Firmenkonstrukt gefunden.
Millionen auf Schweizer Konto?
Demnach war auf der gelöschten Festplatte, die wiederhergestellt werden konnte, Hinweise auf eine Firma namens "Global Investment Services" mit Sitz in "Delaware - North America", ein dazugehöriges Schweizer Konto sowie eine Auflistung von Eingängen in Millionenhöhe.
Dazu wollte die Nationalbank vorerst nicht Stellung nehmen. Ein Sprecher erklärte letzte Woche, der Fokus der Untersuchung liege derzeit darauf, welcher Natur die vertraulichen Daten seien, die offenbar im Zuge einer Verletzung der Sorgfaltspflicht nach außen gelangt seien.
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