Freigelassene offiziell übergeben

Heimreise unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Die vor zwei Tagen freigelassenen Sahara-Geiseln Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber sind Samstagvormittag in der malischen Hauptstadt Bamako in einem offiziellen Akt an eine österreichische Delegation, angeführt von Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP), übergeben worden.

Das bestätigte Plassnik-Sprecher Alexander Schallenberg der APA. Auf diesen Akt habe der malische Präsident Amadou Toumani Toure bestanden.

Bereits auf Flug nach Österreich
Wie das Außenministerium weiter mitteilte, befinden sich die beiden bereits auf dem Flug nach Österreich.

Auf die Bitte von Ebner und Kloiber hin werde die Heimkehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Medien stattfinden. Es sei "ihr ausdrücklicher Wunsch, sich nach den Strapazen der vergangenen Monate zunächst zu erholen und der entsprechenden medizinischen Betreuung unterziehen zu können".

Untersuchungen in Wien
Kloiber und Ebner werden wahrscheinlich in Wien in einem Tropeninstitut oder in einer abgeschirmten Klinik untersucht werden, bevor sie ihre Heimreise nach Salzburg antreten.

Auf dem Flughafen Wien-Schwechat warteten am frühen Abend etwa ein Dutzend Journalisten und auch ein Kamerateam auf die voraussichtliche Ankunft der Maschine aus Mali. Anfragen an das Flughafenpersonal wurden mit "Wir dürfen nichts sagen" beantwortet. Das Außenministerium bewahrt Stillschweigen, mit den Angehörigen sei es so vereinbart worden.

"Erschöpft, aber wohlauf"
Die beiden Salzburger, von denen in der ZIB am Samstag das erste Bild nach ihrer Freilassung gezeigt wurde, waren gesundheitlich in einem den Umständen entsprechend guten Zustand. Sie sind aber von der insgesamt 252 Tage dauernden Geiselhaft gezeichnet.

Ebner und Kloiber seien laut Schallenberg "erschöpft und angespannt, aber erleichtert und wohlauf". Laut einem Bericht des ORF-Radiosenders Ö3 sind die beiden bereits auf dem Weg zum Flughafen von Bamako, wo sie in Kürze die Heimreise nach Österreich antreten sollen. Zuvor seien die beiden noch einmal von Ärzten untersucht worden und diese hätten keine Einwände für die Reise gehabt.

Laut Ö3 soll der "sichtlich erschöpfte" Ebner gesagt haben: "Ich bin nur glücklich und sehr dankbar." Nach wie vor nicht klar war, in welchem österreichischen Ort die Maschine mit der von Plassnik angeführten Delegation und den beiden Geiseln an Bord landen soll.

Erstes Treffen bereits Freitagabend
Plassnik hatte sich bereits am Freitagnachmittag mit Ärzten, Diplomaten und Sicherheitsleuten auf den Weg nach Mali gemacht. Laut "Kurier" hob kurz nach 15.00 Uhr eine eigens gecharterte Maschine der Type "Falcon 900" eines privaten Wiener Luftfahrtunternehmens von Wien-Schwechat in Richtung Bamako ab.

Zur gleichen Zeit sei auch der Konvoi mit den Salzburgern in der Hauptstadt eingetroffen. Danach habe es laut einem Bericht des ORF-Fernsehens bereits ein erstes Treffen mit der österreichischen Delegation unter Führung von Plassnik gegeben.

Telefonkontakt mit Familie
Laut Generalsekretär des Außenministeriums, Johannes Kyrle, der den Entführungskrisenstab geleitet hatte, habe während der monatelangen Geiselhaft "den einen oder anderen Telefonkontakt" der Entführten mit ihrer Familie, aber indirekt auch mit den malischen Behörden gegeben.

"Wir haben immer guten Grund zur Annahme gehabt, dass die beiden am Leben sind", so Kyrle in der ZIB2.

"Wissen derzeit noch nichts"
"Wir wissen über die Befreiung derzeit noch nichts", sagte Kyrle weiter. Präsident Toure habe von Anfang an versichert, dass auch er ein Interesse an der Lösung der Geiselfrage im Norden seines Landes habe. "Wir haben ihm vertraut." Laut dem Außenamtsgeneralsekretär waren drei bis vier österreichische Beamte laufend an Ort und Stelle in Mali für die Geiseln im Einsatz.

Die Frage, ob in den acht Monaten der Geiselhaft auch eine militärische Lösung überlegt worden sei, beantwortete Kyrle mit Nein, auch vonseiten der malischen Regierung wurde demnach ein derartiger Vorschlag nicht gemacht.

Während Urlaub verschleppt
Das österreichische Paar war während eines Urlaubs in der Wüste von Tunesien vermutlich von der "El Kaida im Islamischen Maghreb" entführt und später offensichtlich nach Mali verschleppt worden.

Die Entführer hatten ursprünglich die Freilassung von Gefolgsleuten gefordert. Später stellten sie Forderungen "regionaler Natur" wie den Zugang zu Wasser, die Nutzung von Bodenschätzen und Wegerechte. Laut Medienberichten verlangten sie auch Lösegeld, österreichische Vertreter dementieren das allerdings.

Zuletzt berichtete AFP am Samstag unter Berufung auf "informierte Kreise in Mali", dass für die Freilassung Lösegeld bezahlt worden sei.

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