"Ratschläge ignoriert"
Wolfowitz wies eine Verantwortung für den Krieg von sich. Er sei "nicht der Drahtzieher" gewesen. "Die Entscheidungen hat Rummy (der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Anm.) getroffen. Wir hatten keinen wirklichen Einfluss, obwohl ich mir den sehr gewünscht hätte. Ratschläge wurden gern ignoriert."
Angriff schon 1979 gepredigt
Dabei galt Wolfowitz als einer der Strategen der Neokonservativen. Er brachte schon eine Militäraktion ins Spiel, als Bush selbst noch nicht daran dachte. Bereits in einer Studie von 1979 bezeichnete er den Irak als Bedrohung für den Nahen Osten und die Interessen der USA.
Während des Golfkrieges 1991 bedauerte Wolfowitz, der damals bereits auf hohem Posten im Pentagon arbeitete, dass der damalige Präsident George Bush auf den Marsch nach Bagdad verzichtete.
Und nach den Anschlägen des 11. September war Wolfowitz der Erste, der von einer möglichen Verbindung zwischen Osama bin Laden und Saddam Hussein sprach. 2005 wurde Wolfowitz Weltbankchef, musste aber zwei Jahre später wegen einer Korruptionsaffäre abtreten.
"Böse verpatzt"
Richard Perle, ein anderer führender Vertreter der Neokonservativen, sagte in der "Zeit": "Ich hätte nie geglaubt, dass wir das so böse verpatzen würden."
Als Berater von US-Präsident George W. Bush hatte auch der "Fürst der Finsternis", so sein Spitzname, den Angriff auf den Irak 2003 maßgeblich vorangetrieben. Perle war früher Direktor des Defense Policy Board, des Beratungskomitees des Ausschusses für Verteidigungspolitik.
Perle hatte die US-Politik im Irak in den vergangenen Jahren bereits mehrmals scharf kritisiert. "Die Idee war gut, die Ausführung schlecht", sagte er schon 2006. Schuld seien "Inkompetenz" und "Missmanagement" in der Regierung Bush.
"Schlecht gelaufen"
Auch der hohe Pentagon-Beamte Douglas Feith sieht den Krieg nach über fünf Jahren Dauer kritisch. "Wir haben einen schrecklichen Preis bezahlt, aber nicht wegen des Krieges als solcher, sondern weil er so schlecht gelaufen ist. Und heute glaubt weder Nordkorea noch der Iran, dass unsere Diplomatie von glaubwürdigen Drohungen flankiert wird." Feith gilt neben Wolfowitz als einer der Vordenker des Irak-Einsatzes.
Powells Revanche an Bush?
Vor kurzem hatte der frühere republikanische Außenminister (2001 bis 2005) Colin Powell für eine Überraschung gesorgt. Er sprach sich für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama aus.
Beobachter interpretieren das als Revanche an Bush: Für den US-Präsidenten war Powell im Februar 2003 vor dem UNO-Sicherheitsrat für den Krieg im Irak eingetreten - unter Hinweis auf angebliche Massenvernichtungswaffen in Händen des damaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein. Heute nennt Powell diesen Moment, bei dem er manipulierte Geheimdienstinformationen als Tatsachen präsentierte, einen "Schandfleck" in seinem Lebenslauf.
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