Haider habe in der aufmüpfigen Pose eines 68ers den Austrofaschismus ohne den ideologischen Mief des Dollfuß-Schuschnigg-Österreich hoffähig gemacht:
"Wo landet man, wenn man von nationalsozialistischer Prägung all die NS-Spezifika aufgibt, die tatsächlich politisch-programmatisch erledigt waren? Den Traum von einem großdeutschen Reich mit Anschluss Österreichs, die konsequente militärische Aufrüstung zum Zweck von Eroberungskriegen, die physische Vernichtung von Juden, 'Andersartigen' und politischen Gegnern - wenn man das vom Nationalsozialismus abzieht, landet man in Österreich unweigerlich im Austrofaschismus", so Menasse.
Nicht erkannter Austrofaschismus
Dass Haiders Austrofaschismus aber nicht als solcher erkannt wurde, habe nicht an der jugendlichen Frechheit gelegen, mit der Haider aufgetreten sei, "sondern am österreichischen Faschismusbegriff selbst":
"In Österreich wird der Faschismus erst mit den systematischen Verbrechen des Nationalsozialismus assoziiert oder aber bereits mit irgendwelchen Tümeleien an Stammtischen oder Bierzelten. Wenn nur das als faschistisch bezeichnet wird, was die Begriffsbestimmung des Nationalsozialismus erfüllt, dann war Haider kein Faschist."
Das Problem des Austrofaschismus sei, dass er, anders als der Nationalsozialismus, nie sanktioniert und aufgearbeitet worden sei: "Die Arbeitermörder und Demokratiezerstörer mussten sich nie fragen lassen, ob sie nicht auch Fehler oder gar Verbrechen begangen hatten, im Gegenteil: Da sie als konkurrierender Faschismus gegen den Nationalsozialismus und gegen Hitler waren, standen sie nach 1945 plötzlich als Widerstandskämpfer und Antifaschisten da."
"Umwortung aller Worte"
Während man die Nazis "umerzogen" habe, hätten die Austrofaschisten "ungebrochen ihre Weltanschauung in die wiedergegründete österreichische Republik mitnehmen" können: "Als für die Nazis die Umwertung ihrer Werte zwingend wurde, konnten sich die Austrofaschisten mit der Umwortung aller Worte begnügen. Ihr Faschismus hieß nun 'Patriotismus' und aus 'klerikal' wurde in der politischen Programmatik ein nettes 'christlich'."
Aus dem hausgemachten Faschismus sei auch dank Haider ein Fasching, ein Gaudium, eine bejohlte Selbstüberhöhung, der "Feschismus" gemacht worden - "zugleich das geradezu als ontologisch empfundene Rassemerkmal der österreichischen Promenadenmischung, ein sentimental betulicher Stolz darauf, 'wie wir sind', als hätte es kein Werden gegeben".
Link: