Hühnerstall im "Apple-Design"
Der Online-Shop Omlet hat sich auf stylische Produkte rund ums Huhn spezialisiert - so gibt es etwa Plastikhühnerställe in allen möglichen Farben und im Design eines Macintosh-Computers aus den späten 90er Jahren zu kaufen. Für jene Hendl-Grenzgänger, die ihr Federvieh in den eigenen vier Wänden halten, gibt es sogar Hühnerwindeln zu kaufen.
Illegal und hip
Doch Gadgets hin oder her - die urbanen Hühnerzüchter nehmen ihre Sache durchwegs sehr ernst. Denn der Trend verstärkt sich, obwohl die private Hühnerhaltung in den meisten Städten verboten ist. Trotzdem breitet sich das Phänomen immer mehr aus.
In mehreren Städten schlossen sich die Betroffenen zu eigenen Lobbygruppen zusammen - dem "Chicken Underground". Mehrere Städte - etwa Ann Arbor in Michigan und South Portland im Bundesstaat Maine - hätten seither das Halten von Hühnern für Privatpersonen wieder erlaubt, berichtete die Ökowebsite Worldwatch.
Geschäft mit Ökohinterhöfen
Und der Trend beschränkt sich keineswegs nur auf Kleinstädte, im Gegenteil: Viele US-Metropolen wie New York, Los Angeles und Chicago haben die private Haltung von Nutztieren in der Stadt schlicht nie geregelt - sie wurden folgerichtig auch zu den Zentren der urbanen Hühnerhalterbewegung.
Im Web gibt es längst eine Unzahl an Websites und Communitys urbaner Hendl-Liebhaber, die dort ihre Erfahrungen mit dem gackernden Federvieh austauschen.
In New York wurde die urbane Landwirtschaft in Hinterhöfen - Hühnerhaltung inklusive - längst zu einem Geschäft. Gemüse, Obst, Eier und Fleisch werden gewinnbringend auf Märkten verkauften.
Do-it-yourself-Kurse für Hühnerhalter
Doch die wirkliche Herausforderung ist natürlich die Minifarm im eigenen Hinterhof. Für viele der Hühner-Aficionados geht es nicht nur um den praktischen Nutzen (also frische Eier), den Tierschutz (gegen Legebatterien) oder den Ökoaspekt (kein Transport) - vielmehr sind für einige die Hühner oft geschätzte Haustiere. Und für einige Städter geht es wohl auch darum, den Traum von der Unschuld auf dem Land in ihrem urbanen Hinterhof zu verwirklichen.
In vielen Städten werden - teils ausgebuchte - Kurse angeboten, um angehende Hühnerbesitzer auf ihr Abenteuer vorzubereiten. Unklar ist bisher, ob die Bewegung durch die Finanzkrise zusätzlichen Zulauf bekommt.
Spotten über Idealisten
Und wie bei Revolutionen üblich, gibt es auch interne Differenzen und Fraktionen. Dabei wird mit Spott für die andere Seite keineswegs gespart: L. E. Leone - die selbst Hühner hält und wohl der Fraktion der Praktiker zuzurechnen ist - macht sich etwa im Webmagazin Slate über die Weicheier innerhalb der Hühnerbewegung lustig.
Viele würden sich als "aktive Teilhaber an einer Revolution sehen: Sie retten die Umwelt und beziehen Stellung." Über ihrer Verliebtheit in die gackernden Zweibeiner würden sie aber oft Essenzielles übersehen - etwa dass man die Haustiere irgendwann schlachten müsse. Herrick Kimball wiederum widmet sein Blog - beinahe genüsslich - ausschließlich dem Schlachten von Hühnern.
Kampf um jedes Ei
Kein Weichei ist jedenfalls Manny Howard, der versuchte, in Brooklyn eine Hinterhoffarm aufzubauen mit dem Ziel, sich und seine Familie einen Monat lang ausschließlich von seinen eigenen Erträgen zu ernähren. Dieser - in mehrfacher Hinsicht gescheiterte - Selbstversuch ist im "New York Magazine" höchst unterhaltsam nachzulesen - angehenden urbanen Hühnerzüchtern oder -farmern ist von der Lektüre allerdings eher abzuraten.
Besonders lustig liest sich Howards Eierkrieg mit seiner Henne, die anfangs mehr Eier verspeiste als ihr "Herrl". Der Erfahrungsbericht hat den treffenden Titel "My Empire of Dirt", in Anspielung auf den Song "Hurt" von Nine Inch Nails.
Mehr Geschmack, mehr Dung
Trotzdem lassen die urbanen Hendl-Enthusiasten nichts über ihre Lieblinge kommen. Die in der Hackordnung der Stadthühner-Websites ganz oben stehende Backyardchickens.com rechnet etwa vor, dass man bei drei Hennen mit täglich zwei Eiern rechnen könne - mit deutlich besserem Geschmack als bei im Supermarkt gekauften.
Nebenbei würden sie auch noch hochwertigen Dung produzieren. In der Frage, ob Hühner gute Haustiere abgeben, sind aber selbst die urbanen Hühnerrevolutionäre gespalten.
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