Panischer Ausverkauf

Der US-Kongress lässt die Kurse ins Bodenlose stürzen.
Beim Absturz der Aktienkurse in den USA am Montag sind etwa 1,2 Billionen Dollar (834 Mrd. Euro) Börsenwert vernichtet worden. Das ergibt sich aus dem Dow-Jones-Wilshire-5.000-Index, dem größten Messwert für Börsenbewegungen in den USA.

Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante Rettungspaket für den US-Finanzsektor und übertreffen jene nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Höchster Tagesverlust des Dow Jones
Die Ablehnung des 700 Milliarden Dollar (488 Mrd. Euro) schweren Paketes durch das Repräsentantenhaus hatte den Absturz der Kurse auf den US-Finanzmärkten ausgelöst. Der New Yorker Dow-Jones-Index sank dabei um mehr als 770 Punkte und verbuchte den höchsten Tagesverlust in seiner Geschichte.

Kurse stürzen auch an Asiens Börsen ab
Nach dem massiven Kurseinbruch an der Wall Street gerieten auch die Börsen in Lateinamerika sowie am Dienstag die Aktienbörse in Tokio in den Abwärtssog.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index gab 4,1 Prozent auf 11.259 Punkte nach - das ist der tiefste Stand seit drei Jahren.

Talfahrt des ATX geht weiter
Auch die Wiener Börse setzte am Dienstag ihre Talfahrt fort. Nach Ablauf der meisten Eröffnungsauktionen wurde der ATX am Vormittag mit 2.671,82 Punkten nach 2.756,70 Einheiten am Montag errechnet, das ist ein Minus von 84,88 Punkten oder 3,08 Prozent. Der Index fiel damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2005.

Abwärtsspirale derzeit unaufhaltsam?
Die panische Ausverkaufsstimmung hat auch die Rohstoffmärkte erfasst. Gleich um zehn Dollar auf 95 Dollar fiel am Montag der Ölpreis - das ist der stärkste Preisrückgang seit April 2003.

Der sinkende Ölpreis wird von Händlern auch als Zeichen gewertet, dass die weltgrößte Volkswirtschaft in der Abwärtsspirale gefangen ist - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Bush unternimmt zweiten Anlauf
Vertreter des Weißen Hauses zeigten sich nach der Abstimmung "sehr enttäuscht". US-Präsident George W. Bush will mit seinem Wirtschaftsteam nun weitere Schritte beraten und den Kontakt zu den Fraktionsführern im Kongress suchen, hieß es. "Das Land steht fraglos einer sehr ernsten Krise gegenüber, der man begegnen muss."

Wie der TV-Sender CNN berichtete, arbeitet das Weiße Haus bereits an einem neuen Vorschlag. Ziel ist es, den praktisch zum Stillstand gekommenen Kreditfluss zwischen den Banken wieder in Gang zu setzen und so weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu verhindern. Das Repräsentantenhaus berief für Donnerstag eine weitere Sitzung ein.

Von Republikanern torpediert
Vor allem republikanische Parteikollegen Bushs, die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft grundsätzlich ablehnen, sprachen sich gegen den Plan aus. Schließlich fiel der Entwurf mit 228 zu 205 Stimmen durch.

"Dann helfe uns Gott"
Der republikanische Abgeordnete Paul Ryan sagte vor der Abstimmung: "Wir haben alle Angst, unseren Job zu verlieren." Die meisten Kollegen seien zwar der Ansicht, das Paket müsse verabschiedet werden - "aber bitte ohne mich". Ryan fügte hinzu: "Wenn es uns nicht gelingt, das Richtige zu tun, dann helfe uns Gott."

McCain und Obama signalisierten Zustimmung
Mit dem geplanten 700-Milliarden-Dollar-Fonds will die US-Regierung angeschlagenen Finanzhäusern faule Hypothekenkredite und darauf basierende Wertpapiere abkaufen.

Bush hatte kurz vor der Abstimmung nochmals eindringlich dazu aufgerufen, dem am Wochenende von Spitzenpolitikern ausgehandelten Plan zuzustimmen. Er sprach von einer "außergewöhnlichen Vereinbarung, um ein außergewöhnliches Problem anzugehen".

Die beiden US-Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama hatten vor der Abstimmung ebenfalls vorsichtige Zustimmung zu dem Plan signalisiert.

"Nichtstun keine Option"
Bushs Parteifreund McCain sagte, die Option, nichts zu tun, sei schlicht nicht akzeptabel. Mit Hilfe des Pakets werde Vertrauen wiederhergestellt, und das Wirtschaftssystem komme wieder in Fahrt.

"Keine andere Wahl"
Der Demokrat Obama sagte, er neige dazu, das Rettungspaket zu unterstützen, da die Finanzkrise mittlerweile von der Wall Street bei den normalen Verbrauchern angekommen sei. Washington habe keine andere Wahl, als zu handeln, wenngleich es empörend sei, "dass wir gezwungen werden, ihr Schlamassel aufzuräumen".

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