Banken heftig unter Druck
Besonders kräftig unter Druck kamen am Nachmittag Raiffeisen International, sie fielen um 13,6 Prozent. Investoren würden sich derzeit von allen mit Risiko assoziierten Positionen - unabhängig von fundamentalen Begründungen - trennen, erklärten Händler. Die Raiffeisen-Aktie leide daher besonders unter ihrem Russland-Engagement, hieß es auf dem Markt.
Erste Group fielen im Späthandel ebenfalls um 9,5 Prozent. Aber auch andere Blue Chips kamen am Montag quer durch alle Branchen unter die Räder. So fielen voestalpine deutlich um 12,7 Prozent. Abschläge von mehr als 20 Prozent gab es für CA Immo Anlagen und Conwert.
Angst nach Hiobsbotschaften
Der Absturz in Wien war nicht von Unternehmensergebnissen getrieben. Vielmehr löste die US-Bankenkrise, die am Wochenende mit gleich drei Auffangaktionen für Großbanken auf Europa überschwappte, die Verkaufswelle aus. Überall in Europa stürzten die Bankaktien ab.
Wahl nur Nebenfaktor
Im nationalen Blickfeld war auch das Ergebnis der Nationalratswahl, das die bisherige Große Koalition von SPÖ und ÖVP schwächte und kräftige Zuwächse für FPÖ und BZÖ brachte. Börsianer schreiben dem Wahlausgang aber keinerlei Relevanz für die aktuelle Börsenentwicklung zu.
Birgit Kuras, Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), macht logische Themen und Aktientitel fest, die mit dem künftigen wirtschaftspolitischen Kurs verbunden seien: Das wären Telekom Austria, Energieaktien (Stromfirmen, OMV) und Infrastrukturtitel.
Kein Licht am Ende des Tunnels
Alles beherrschend war jedoch die Finanzkrise - und hier sehen auch heimische Experten noch kein Licht am Ende des Tunnels. Mit mittlerweile zwölf zusammengebrochenen US-Banken und allein in der Nacht auf Montag drei aufgefangenen europäischen Banken dürfte es nicht zu Ende sein, wird von Experten befürchtet.
RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek sieht - wie andere seiner Kollegen auch - dabei eher jene Finanzinstitute in Bedrängnis, die sich kurz davor mit Milliardenübernahmen überanstrengt haben beziehungsweise - anders als einlagenkräftige Universalbanken - auf schwachen Beinen stünden oder wie etwa die Spanier im Immosektor exponiert sind.
Frist bis Mitte 2009
Bis Mitte 2009 sollte die globale Finanzmarktkrise vorbei sein, dann könne der Aufschwung beginnen. Das sei, so ist Brezinschek überzeugt, auch allen relevanten Stellen - Behörden wie Großinstitute - klar. "Sonst gibt es eine weitere Abwärtsspirale."
Kuras geht davon aus, dass an den Börsen in nächster Zeit weiter ein "manisch-depressives Bild" dominiert. An der Wiener Börse werden vorerst weitere Tiefstände nicht ausgeschlossen. Kuras sieht den Leitindex ATX bis Jahresende bei 2.700 bis 3.200 Punkten. Für nächstes Jahr wird dagegen eine Erholung erwartet.
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