Angesichts des endgültigen Überschwappens der US-Finanzkrise auf Europa mit mehreren in letzter Minute verhinderten Bankenpleiten
warnte WIFO-Chef Karl Aiginger, es stünden "ruppige Monate" bevor.
Und auch IHS-Chef Bernhard Felderer zeigte sich besorgt: Beruhige sich die internationale Lage nicht, drohe Österreich statt eines Abschwungs ein unsanftes Absacken der Konjunktur.
ATX stürzt ab
An der Wiener Börse zeigten die Investoren gleichfalls massiv Nerven: Der Leitindex ATX fuhr mit 8,1 Prozent Minus den zweithöchsten Tagesverlust aller Zeiten ein.
Ausgelöst wurde die Verkaufsrallye nicht durch die innenpolitischen Entwicklungen, sondern durch die neuen Hiobsbotschaften auf den Finanzmärkten: Allein in der Nacht auf Montag mussten drei große europäische Finanzkonzerne (Fortis Bank, Hypo Real Estate und B&B) durch staatliche Milliardenspritzen gerettet werden.
Mit Riesenschritten ins "Konjunkturtal"
Die Volksökonomen der Bank Austria (BA) präsentierten zudem den Einkaufsmanager-Index vom September: Demnach nähert sich Österreich mit Riesenschritten dem "Konjunkturtal". Bei Neuaufträgen gab es einen drastischen Einbruch, die heimische Produktion sinkt.
Folgen für den Arbeitsmarkt
Die Experten von der Bank Austria erwarten daher auch einen weiteren Jobabbau - eine Prognose, die prompt bestätigt wurde: Magna kündigte am Montag an, 200 weitere Mitarbeiter im Grazer Werk zu kündigen - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
"Abschwung sehr hartnäckig"
"Der Abschwung in der österreichischen Industrie hat sich verstärkt und erweist sich als sehr hartnäckig", sagte der stellvertretende BA-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer. Konkret sank der Bank-Austria-Einkaufsmanager-Index von 48,6 im Vormonat auf nur noch 46 Punkte im September.
Der Indikator befinde sich damit bereits den sechsten Monat in Folge unter dem für Wachstum kritischen Bereich von 50 Punkten und zudem auf dem tiefsten Stand seit 80 Monaten, hieß es.
Export kein Motor mehr
Vor allem bei den Neuaufträgen habe es einen Einbruch gegeben. Die Exportnachfrage habe wegen des schlechten globalen Umfelds ihre Rolle als Wachstumsgarant der heimischen Industrie verloren, so Bruckbauer.
Wegen der rückläufigen Aufträge sei die Produktion im September noch stärker zurückgefahren worden als bereits in den Monaten zuvor.
"Härtere Zeiten"
Nach Ansicht der BA-Ökonomen sprechen einige weitere Faktoren dafür, dass die Industrie länger mit "härteren Zeiten" rechnen muss und eine Trendwende somit erst später eintreten werde als ursprünglich erwartet.
Der aktuelle Einkaufsmanager-Index der Bank Austria unterstreiche, dass die unmittelbaren Aussichten für die österreichische Industrie "wenig rosig" seien. Eine Verbesserung der internationalen Rahmenbedingungen rücke angesichts der jüngsten Meldungen in Zusammenhang mit der US-Finanzmarktkrise in immer weitere Ferne.
"Bis in die Mitte des nächsten Jahres wird die österreichische Industrie als Wachstumsstütze der Gesamtwirtschaft ausfallen. Nach einem Plus von zwei Prozent 2008 erwarten wir für 2009 deshalb einen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 1,2 Prozent", sagte Bruckbauer.
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