Teuerung nicht entscheidend

Pensionisten sichern SPÖ den ersten Platz.
Der scharfe Rechtsruck bei der Nationalratswahl hat einen wesentlichen Grund: den Unmut der Österreicher über die Große Koalition. Dieser spielte FPÖ und BZÖ in die Hände, wie eine Umfrage des Instituts SORA für den ORF am Wahltag ergab.

Vor allem die FPÖ, aber auch das BZÖ konnten von der Unzufriedenheit mit der bisherigen Regierung profitieren. Zusätzlich wird von den Sympathisanten erwartet, dass die beiden Rechtsparteien Schwung in die Politik bringen.

Kanzlerfrage zentral
SPÖ- und ÖVP-Wähler ließen sich vor allem von der Kanzlerfrage bewegen: Sieht man die Rolle des Spitzenkandidaten an, kommt SPÖ-Chef Werner Faymann deutlich besser weg als ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer.

Faymann starkes Motiv
Immerhin 53 Prozent der Sozialdemokraten gaben an, dass der Listenerste für sie ein Wahlmotiv gewesen sei. Bei den ÖVP-Sympathisanten sprach nur 25 Prozent der Spitzenkandidat Molterer entscheidend an.

Das beste Ergebnis bei dieser Frage erzielte BZÖ-Chef Jörg Haider, den 59 Prozent der BZÖ-Wähler als Motiv für ihre Stimme angaben. Recht gut hielten sich auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (47 Prozent) und der grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen (49 Prozent).

Molterer wenig attraktiv
In der Kanzlerfrage spiegelt sich die mangelnde Attraktivität Molterers beim Wähler ebenfalls wider. 21 Prozent wollen einen Regierungschef Faymann, aber nur 15 Prozent einen Kanzler Molterer.

Die drei anderen Bewerber kommen nicht einmal auf zehn Prozent. Der extrem hohe Anteil von 34 Prozent hat hier keine festgelegte Meinung.

Wahlversprechen kaum entscheidend
Sieht man die Motive der SPÖ-Wähler an, ist die Kanzlerfrage mit Abstand die wichtigste. Gleich 78 Prozent wurden durch diesen Aspekt beeinflusst. Zweitstärkstes Motiv ist die Stammwählerschaft. Erstaunlich wenig Eindruck machten die Wahlversprechen, die nur 17 Prozent interessierten.

Bei den ÖVP-Sympathisanten war ebenfalls entscheidend, dass die Volkspartei den Kanzler stellen sollte. 75 Prozent stimmten dieser Aussage zu, was angesichts der schwachen Molterer-Werte ein wenig paradox wirkt. Zweitwichtigstes Motiv für die ÖVP-Wahl war, dass sie die Interessen der Befragten am ehesten vertritt.

Hoffnung auf frischen Wind
Nummer-eins-Motiv (65 Prozent) bei den FPÖ-Wählern war, dass die Freiheitlichen frischen Wind in die Politik bringen würden. Zweites wesentliches Motiv war der Protest gegen die Bundesregierung.

Beim BZÖ entschied vor allem der "frische Wind" (67 Prozent). Dann kam schon die Person Haider.

Bei den Grünen waren die Gründe für die Präferenz mannigfaltig. Aber auch hier erhoffte sich die Wählerschaft in erster Linie "frischen Wind" (51 Prozent).

Zentrales Thema Bildung
Das wichtigste Thema war überraschenderweise die Bildungspolitik, die in der Wahlauseinandersetzung keine Rolle gespielt hatte. Die Teuerung lag erst im Mittelfeld der bedeutenden Materien. Kaum interessierte die Zuwandererfrage, noch weniger die EU.

Bei den SPÖ-Wählern waren die Sozial- und Bildungsthemen entscheidend, bei den ÖVP-Anhängern ebenso wie bei jenen der Grünen die Schule, bei den FPÖ-Sympathisanten erwartungsgemäß Zuwanderung und Sicherheit, nicht aber die EU. Zuwanderung fanden auch die BZÖ-Wähler am wichtigsten.

FPÖ Nummer eins bei Jungen
Die FPÖ war bei den jungen Wählern die Nummer eins. Mit 25 Prozent konnten die Freiheitlichen bei den bis 30-Jährigen die ÖVP um zwei Prozentpunkte und die SPÖ um vier Prozentpunkte abhängen.

In der Gruppe der 31- bis 59-Jährigen lagen SPÖ und ÖVP fast gleichauf (27:26) an der Spitze. Entscheidend von der Volkspartei absetzen konnte sich die SPÖ erst bei den älteren Semestern (37:26).

SPÖ bei Arbeitern voran
Bei den Arbeitern hielt die SPÖ Platz eins in der Wählergunst mit 37 Prozent. Zweitstärkste Partei sind eindeutig die Freiheitlichen mit 28 Prozent.

Die Angestellten wählten mehrheitlich schwarz (25 ÖVP, 24 SPÖ). In der Gruppe der "Auszubildenden" hielten Grüne und FPÖ ex aequo mit 25 Prozent die Spitze vor der SPÖ mit 23 Prozent.

Kaum Differenzen Frauen - Männer
Keine großen Unterschiede im Wahlverhalten fanden sich zwischen den Geschlechtern. Die FPÖ schnitt aber bei den Männern besser ab als bei den Frauen, beim BZÖ war es umgekehrt.

17 Prozent Spätentschlossene
Die Entscheidung für eine Partei fiel gar nicht so spät wie gedacht. 61 Prozent hatten sich schon länger festgelegt, nur 17 Prozent in den letzten Tagen.

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