"Holiday" bei zehn Grad

Superstar Madonna trat erstmals in Österreich auf.
©Bild: APA/Herbert Pfarrhofer
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Madonna war in Wien, und die Welt dreht sich weiter. 25 Jahre nach ihren ersten Hits und kurz nach ihrem 50. Geburtstag ist die große Selbstdarstellerin des Pop erstmals in Österreich aufgetreten. Dabei hatte die Open-Air-Veranstaltung auf der Wiener Donauinsel mit Pop erstaunlich wenig zu tun.

Etwa zwei Stunden lang lieferte die Sängerin eine perfekt inszenierte, immer unterhaltsame, aber stellenweise extrem überladene Multimedia-Show, bei der sich alles um die Person Madonna, aber fast nichts um ihre Musik drehte.

Die Frau auf dem Flügel
Den Moment im letzten Drittel des Konzerts, als eine riesige Videowall in Zylinderform auf die Bühne gehievt wurde und dann eine sich im Inneren auf einem Klavier räkelnde Madonna preisgab - diesen Moment hätte wohl sogar der große Olympia-Propagandist Zhang Yimou bewundert, der zuletzt den Standard in Sachen sinnfreier Spektakelinszenierung gesetzt hatte.

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Keine Ausrutscher
Die 50-Jährige startete den Auftritt um etwa 20.30 Uhr mit rund halbstündiger Verspätung und begrüßte das Publikum mit einem herzhaften "Alright, Vienna".

Persönlicher wurde es im Verlauf nicht mehr. Das war zuletzt maximal der Show in Lissabon gelungen, bei der Madonna auf der Bühne stolperte - ein unchoreographierter Ausrutscher in einer von vorne bis hinten durchgeplanten Inszenierung, der sofort die Runde auf YouTube und Co. machte.

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Franchise-Unternehmen Madonna
Solche Menscheleien fehlten in Wien. Die acht Kostümwechsel, die Las-Vegas-artigen Videoeffekte und Tanzeinlagen, die bemühten Provokationen: Auf der Donauinsel lief alles nach Plan. Madonna ist 2008 ein Franchise-Unternehmen, das auf dem Kontinent mit drei kompletten, identischen Bühnen-Set-ups unterwegs ist, zwischen denen die Protagonistin hin und her jettet.

Ein wenig erinnerte das alles an eine Cirque-du-Soleil-Show. Und tatsächlich funktionierte die Inszenierung oft dann am besten, wenn Madonna zwecks Kostümwechsels die Bühne den Bild- und Klangcollagen ihrer Statisten überließ.

Alte Hits, neuer Sound
Abgesehen davon ließ der Auftritt im Rahmen der aktuellen, "Sticky and Sweet" getauften Welttournee vor allem die Herzen jener Fans höher schlagen, die bereits die ersten Erfolge der Pop-Queen bewusst miterlebt hatten. Für die etlichen Endzwanziger bis Mittvierziger im Publikum holte Madonna alle alten Hits hervor, eingepackt zwar in ein neues, dem Zeitgeist leicht hinterherhechelndes Soundgewand, aber sofort wiedererkennbar.

"La Isla Bonita" kam im Gypsy-Punk-Gewand daher, ganz im Stil von Madonna-Intimus Eugene Hütz, mit dessen Band Gogol Bordello sie schon bei Live Earth aufgetreten war. Bei "Borderline" dröhnten die Metal-Gitarren. Den Klassiker "Vogue" mixten Madonnas Soundtüftler im Hintergrund raffiniert mit der einprägsamen Bläsermelodie des aktuellen Hits "4 Minutes". Man kann Madonna also viel vorwerfen - Eintönigkeit gehört mit Sicherheit nicht dazu.

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Keine Schlammschlacht
Die äußeren Umstände des Konzerts waren weniger widrig als befürchtet, die regengetränkte Schlammschlacht auf der Donauinsel blieb aus. Wer die mit 99 Euro günstigsten Stehplatztickets ergattert hatte, konnte sich glücklich schätzen: Ausgerechnet in den teuersten Kategorien auf den Sitzplatztribünen herrschte teilweise organisatorisches Chaos.

Kurzer Aufenthalt
Dass der Stimmungsfunke in Wien nicht so recht überspringen wollte, lag wohl auch daran, dass man sich schon im Vorfeld des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass es beim Wien-Stopp ausschließlich ums Abspulen des Programms ging.

Schließlich wurde schon seit Tagen kolportiert, dass sich die Amerikanerin insgesamt nur ein paar Stunden rund um den Auftritt in Wien aufhalten würde und nicht einmal eine Übernachtung geplant habe.

Die "Sticky and Sweet"-Tour geht im Oktober in Nordamerika weiter, am 18. Dezember ist das Abschlusskonzert in Brasilien geplant. Insgesamt wird Madonna dann in fast 40 Metropolen auf der ganzen Welt aufgetreten sein.

Michael Höck, ORF.at

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