"Abwarten ist keine Option"

Trotz allem sind die USA für Bush immer noch "der beste Ort, um Geschäfte zu machen".
US-Präsident George W. Bush hat am Freitag in einer offiziellen Erklärung kein Hehl daraus gemacht, dass das geplante Rettungspaket für den Finanzmarkt es "erfordert, eine beträchtliche Summe an Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen".

Die kostspieligen Eingriffe der Regierung brächten ein "Risiko" mit sich, räumte Bush ein. Noch größer sei jedoch das Risiko, nicht zu handeln. Zudem sei "auf lange Sicht" zu erwarten, "dass dieses Geld letztlich zurückgezahlt wird".

Rettungspaket "unerlässlich"
Das von der US-Regierung angekündigte Finanzmarkt-Rettungspaket mit einem geschätzten Volumen von Hunderten Milliarden Dollar ist nach Bushs Worten nicht nur "berechtigt, es ist unerlässlich". Angesichts der angespannten Lage auf den Märkten sei Abwarten keine Option.

Die Regierung müsse "nun handeln, um die wirtschaftliche Gesundheit unserer Nation zu schützen", so Bush. Die US-Wirtschaft stehe an einer Weggabelung. Es werde noch genug Chancen geben, "die Ursachen für dieses Problem zu erörtern, nun aber ist die Zeit, es zu lösen".

Appell an US-Kongress
Bei den Bürgern warb Bush um Zuversicht: "Auf lange Sicht haben die Amerikaner guten Grund, Vertrauen in unsere wirtschaftliche Kraft zu setzen", sagte er. Die USA seien nach wie vor "der beste Ort in der Welt, um zu investieren und Geschäfte zu machen".

In der Erklärung rief Bush den US-Kongress zudem auf, allen Parteistreit bei Seite zu lassen und sofort zu handeln, um die Wirtschaft vor weiteren "ernsten Risiken" zu schützen. Es gelte, schnellstens das Vertrauen in "Märkte und Finanzinstitutionen wiederherzustellen".

Obama steht hinter Rettungsplan
Überraschende Unterstützung bekam Bush vom demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Die jetzige Regierung sei zwar an der Krise auch schuld. Er stehe jedoch "voll und ganz" hinter den Bemühungen für eine Lösung der Krise, sagte Obama am Freitag.

US-Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke sollten den nötigen Handlungsspielraum bekommen, um rasch die nötigen Schritte zur Beruhigung der Kapitalmärkte einleiten zu können, so Obama in einer Rede im US-Bundesstaat Florida.

Eigene Ideen müssen warten
Paulson und Bernanke wollen am Wochenende mit dem Kongress einen Plan zur Schaffung einer staatlichen Abwicklungsbehörde erarbeiten, die faule Kredite übernimmt. Deshalb verschob Obama auch die für Freitag angekündigte Präsentation seiner Ideen zur Sanierung des Finanzmarkts.

Er wolle Paulson und Bernanke die Gelegenheit zur Vorlage ihres Konzepts geben, sagte Obama. Zugleich legte er jedoch einen "Prinzipienkatalog" für ein umfassendes Rettungsprogramm vor. So reiche es etwa nicht aus, der Wall Street aus der Krise zu helfen.

Was Obama verlangt
Es müsse genauso "schnelle und ernste" Bemühungen geben, die Lage des "kleinen Mannes auf der Straße" zu verbessern, forderte Obama. Ein Rettungsplan müsse außerdem zeitlich begrenzt und mit strengen neuen Kontrollmechanismen verbunden sein.

Außerdem forderte der Senator aus dem US-Bundesstaat Illinois weiter eine Beteiligung der Steuerzahler an den Gewinnen, die eine Wiederherstellung der Stabilität mit sich bringe, und eine Einbettung des US-Programms in einen internationalen Plan.

McCain attackiert US-Regierung
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain wiederum kritisierte den Plan zur Stabilisierung des US-Finanzmarkts in aller Schärfe: Die Federal Reserve (Fed), die US-Notenbank, solle sich "um ihr eigentliches Geschäft kümmern", so McCain am Freitag im US-Bundesstaat Wisconsin.

Wichtig sei es, dass die Fed die Kaufkraft des Dollars absichere. Ein starker Dollar werde auch Energie- und Lebensmittelpreise verringern, nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, zeigte sich McCain überzeugt.

Fonds statt Verstaatlichung
McCain kritisierte die US-Regierung zudem, scheinbar wahllos einige Unternehmen wie etwa die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu retten und andere ihrem Ruin zu überlassen. Stattdessen schlug McCain die Schaffung eines Krisenfonds vor.

In diesen Fonds sollen nach McCains Idee alle Banken einzahlen, um bei finanziellen Problemen daraus billige Darlehen zu erhalten. Geleitet werden solle der Fonds von einem Direktorium, in dem auch der US-Finanzminister und der Fed-Präsident vertreten sein sollen.

Gelassener Obama-Kommentar
Obama kommentierte den Umstand, dass er selbst für den Rettungsplan der Regierung und McCain dagegen sei, gelassen: McCain sei offenbar "in Panik", weil genau die Politik für die Krise verantwortlich sei, die der Republikaner jahrelang mitgetragen habe.

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