Nach einem Start mit acht Prozent im Plus baute der Wiener Leitindex seine Gewinne im Laufe des Handelstages weiter aus und schloss mit einem historischen Rekordplus.
Der Fließhandelsindex ATX schoss gegenüber dem Donnerstag-Schluss um 331,51 Punkte oder 11,50 Prozent auf 3.212,98 Zähler in die Höhe und verzeichnete damit den stärksten prozentuellen Tagesgewinn seiner Geschichte. Auf Wochensicht musste das heimische Börsenbarometer jedoch trotz der Rekordgewinne ein Minus verbuchen.
Kursrutsch zu Wochenbeginn
Am Dienstag war der Index erstmals seit Juli 2005 unter 3.000 Punkte gerutscht. Zum Vergleich: Im Juli des Vorjahres war erstmals die 5.000-Punkte-Marke gefallen - mit Beginn der US-Finanzkrise ging es dann abwärts.
Zum Ende der Handelswoche zeigte die Richtung am Freitag dagegen deutlich nach oben, und das im Gleichklang mit den internationalen Börsen.
US-Pläne beruhigen vorerst
Wie haltbar der Trend ist, wird vorerst einmal die kommende Handelswoche weisen. Derzeit reichten Ankündigungen der US-Regierung, die Krise an der Wall Street entschärfen zu wollen, um Ruhe auf die nervösen Märkte zu bringen.
Europa folgt dem Trend
Fazit der Ankündigung: In den USA startete der Dow Jones am Donnerstag im späten Handel eine Rallye und schloss mit einem Plus von über 3,3 Prozent wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 11.000 Punkten. Die Börsen in Hongkong und Tokio folgten dem Trend.
Auch in Europa bewegten sich im Anschluss die wichtigsten europäischen Indizes wie der DAX in Frankfurt, der EuroStoxx-50 und der für Osteuropa ausschlaggebende CECE-Index deutlich in den grünen Bereich.
ATX-Schwergewichte im Plus
In Wien verbuchten alle ATX-Schwergewichte mehr oder minder deutliche Gewinne. Auch bei den Immobilienwerte, die am Donnerstag massiv unter die Räder gekommen waren, ging es wieder nach oben.
Rallye bei Bankenwerten
Unter den Großen im ATX five legten besonders die Bankenwerte deutlich zu. Erste Bank und Raiffeisen International (RI) schlossen deutlich zweistellig im Plus.
Bei der stark in Osteuropa engagierten RI dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass sich der russische Markt am Freitag wieder zu beruhigen begann.
Panik in Moskau gebremst
In Moskau waren die beiden wichtigsten Indizes des Landes - MICIX und RTS - am Mittwoch und Donnerstag nach einem heftigen Crash vom Handel ausgesetzt.
Weit weg von den Jahreshochs
Aufwärts ging es auch bei den konjunkturempfindlichen Titeln, denen zuletzt neben der allgemeinen Nervosität noch verhaltene Konjunkturprognosen und Analystenabstufungen bzw. im Fall OMV sinkende Ölpreise zugesetzt hatten: Die Aktie des größten österreichischen Energieversorgers zog wieder kräftig an; ähnlich die Verbund-Aktie.
Die Linzer voestalpine, der steirische Anlagenbauer Andritz, der Salzburger Kranhersteller Palfinger und der Baukonzern STRABAG konnten zumindest einen Teil der Verluste wiedergutmachen. Von alten Höhen sind sie trotzdem weit entfernt: Bis auf die STRABAG haben alle in den letzten drei Monaten zwischen 25 und über 50 Prozent ihres Werts verloren.
Immos fangen sich
Bei den Immobilienwerten ging es nach einem massiven Crash am Donnerstag zum Ende der Handelswoche wieder deutlich bergauf. Immoeast und Immofinanz, ebenfalls beide mit starkem CEE-Engagement, sowie Eco Business Immobilien legten am Freitag deutlich zu.
Am Donnerstag waren alle drei Titel in den Keller gerasselt: Immofinanz und Immoeast verloren jeweils mehr als ein Drittel an Kurswert. Eco-Business-Aktien gaben um mehr als 20 Prozent ab.
Zusatzschub am "Hexensabbat"
Zusätzlichen Schwung in Wien brachte zu Mittag der "große Verfallstermin", im Börsenjargon oft "Hexensabbat" genannt.
An diesem Tag (am dritten Freitag jedes dritten Monats) werden zum Fixing die Abrechnungspreise für ablaufende Optionen und Futures auf Basis der aktuellen Notierungen der zugrundeliegenden Indizes und Aktien errechnet. Am "Hexensabbat" fallen Kursausschläge durch große Handelsvolumina oft sehr deutlich aus - am Freitag zugunsten des ATX.
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