Diesmal soll es offenbar nicht dabei bleiben, Milliarden-Dollar-Beträge auf die kränkelnden Märkte zu pumpen, wie das die internationalen Notenbanken von den USA über Japan bis Europa zuletzt getan haben.
Teures Auffangnetz für faule Kredite
US-Finanzminister Henry Paulson kündigte am Donnerstagabend an, die Regierung bereite in Zusammenarbeit mit dem Kongress und der Notenbank Federal Reserve (Fed) einen "Gesamtplan" vor, der die Finanzkrise zu überwinden helfen soll. Laut CNBC könnte der Plan allerdings bis zu 500 Mrd. Dollar (über 352 Mrd. Euro) kosten.
Ein Kernpunkt dieses Plans ist laut Berichten des US-TV-Senders CNBC und der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, Banken von faulen Krediten zu befreien, um die Turbulenzen an den Börsen zu stoppen. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und Kredite gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.
Notenbanken schießen Milliarden nach
Die Märkte in Asien und Südamerika nahmen diese Nachricht vorerst positiv auf. In Japan, wo der Nikkei-Index am Donnerstag auf ein Dreijahrestief gefallen war, schoss die Notenbank allerdings zusätzlich drei Billionen Yen (20 Mrd. Euro) frisches Kapital auf den Geldmarkt nach.
Insgesamt pumpten die Zentralbanken weltweit in den vergangenen Tagen mehr als 600 Mrd. Dollar (rund 423 Mrd. Euro) auf die Märkte, um Liquiditätsschwankungen zu vermeiden.
"Alle Optionen"
In den USA würden zur Überwindung der Krise "alle Optionen" in Betracht gezogen, wurde die Sprecherin des Finanzministeriums in Washington, Brookly McLaughlin, zitiert. Die Beratungen dazu sollten über das Wochenende fortgesetzt werden.
Im Gefolge der Pleite der US-Bank Lehman Brothers waren die Börsen in den vergangenen Tagen weltweit in schwere Turbulenzen geraten.
An den Gesprächen über den Rettungsplan in Washington beteiligten sich Notenbankchef Ben Bernanke und führende Politiker sowohl der Republikaner als auch der Demokraten.
Vorbild Resolution Trust?
Das "im System liegende Risiko" und der "Stress auf den Kapitalmärkten" müssten überwunden werden, sagte Paulson. Die US-Regierung will sich offenbar an dem Staatsfonds Resolution Trust Corporation (RTC) orientieren, der 1989 zur Sanierung zahlreicher Spar- und Darlehenskassen eingerichtet worden war und insgesamt 394 Mrd. Dollar (rund 278 Mrd. Euro) verwaltete, berichtete CNBC.
"Dieses Land kann zusammenstehen"
"Dieses Land kann zusammenstehen und schnell handeln, wenn es zum Wohl der amerikanischen Bevölkerung getan werden muss", so Paulson. Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, die Vertreter von Demokraten und Republikanern wollten sich anhören, "was die Regierung zu sagen hat". Dabei hofften sie, "dass wir zusammenarbeiten können".
Kursgewinne an der Wall Street
Die Wall Street machte bereits am Donnerstag mit einem kräftigen Kursaufschwung den Einbruch vom Vortag fast wieder wett. Der Dow-Jones-Index eroberte die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Punkten zurück, am Freitag schloss er bei 11.386 Punkten.
Die Börse in Tokio verzeichnete am Freitag ein Plus von mehr als drei Prozent, in Singapur stieg der Index um fast vier Prozent, in Hongkong lagen die Gewinne bei mehr als sieben Prozent.
Kampf gegen betrügerische Spekulationen
Positiv auf das Anlegervertrauen wirkte sich auch die Nachricht aus, dass die New Yorker Justiz wegen des Verdachts auf betrügerische Spekulationen in Zusammenhang mit dem jüngsten Kurssturz von Finanzaktien ermittle.
Es gehe dabei um den Verdacht der gezielten Verbreitung von "falschen Informationen und Gerüchten" mit dem Ziel, die Kurse bestimmter Aktien in den Keller zu treiben, sagte der New Yorker Justizchef Andrew Cuomo am Donnerstag auf CNN. Zwar seien Baisse-Spekulationen im Grundsatz legal, allerdings sei es illegal, wenn man sich verschwöre, um vorsätzlich den Preis einer Aktie nach unten zu treiben, um dann von dem Sturz zu profitieren", so Cuomo. Er ließ offen, gegen wen sich die Ermittlungen richteten.
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