"Möglicherweise Schlaganfall erlitten"

Spekulationen über Gesundheit des Machthabers.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il hat am Dienstag nicht die Militärparade zum 60. Gründungstag des Landes abgenommen und damit neue Spekulationen über seinen Gesundheitszustand genährt.

Laut Informationen des US-Geheimdiensts könnte Kim ernsthaft erkrankt sein. Er habe "möglicherweise einen Schlaganfall erlitten", verlautete am Dienstag vom Geheimdienst in Washington. Es sei davon auszugehen, dass Kim "in den vergangenen Wochen" einen "gesundheitlichen Rückschlag" zu verzeichnen hatte, sagte ein Sprecher weiter.

Auch in der südkoreanischen Presse kursierten Meldungen, der 66-Jährige habe im vergangenen Monat einen Kollaps erlitten.

Verwirrende Meldungslage
Kims Gesundheitszustand ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse in Nordkorea. Es ist bekannt, dass er übergewichtig ist sowie an Diabetes und Herzbeschwerden leidet.

Die Informationslage über die Führungsspitze von Nordkorea ist stets aus zwei Gründen diffus. Zum einen, weil sich das Regime abschottet. So wurde heuer erst am Dienstag über die Militärparade berichtet, obwohl seit Monaten die Vorbereitungen laufen. In der Vergangenheit wäre das undenkbar gewesen.

Zum anderen, weil von jenen Ländern, die sich in Opposition zu Nordkorea sehen, immer wieder Meldungen über Kims Tod, seine angeblichen Doubles und sein "Verschwinden" lanciert wurden, ohne dass diese je verifiziert werden konnten.

Bedeutsamer Geburtstag
Ungewöhnlich ist jedenfalls, dass Kim zur Militärparade nicht erschien. Sie ist zwar ein regelmäßiges Spektakel, hat aber heuer große Bedeutung aufgrund des 60. Geburtstages Nordkoreas.

In Ostasien ist ein 60. Geburtstag immer besonders wichtig, weil er das Ende des einen und den Eintritt in den nächsten sechzigjährigen Kreislauf im astrologischen Kalender bedeutet.

Vorschnelle Schlüsse?
Gerade deshalb sollte die Parade heuer einerseits die innere Geschlossenheit des Landes stärken, andererseits eine Demonstration der Stärke nach außen darstellen. Militärexperten verfolgen immer wieder sehr aufmerksam den Aufmarsch, um zu sehen, ob Nordkorea neue Waffensysteme präsentiert.

Das Gros der Nordkorea-Experten lehnt es trotz allem ab, vorschnelle Schlüsse aus der Abwesenheit Kims bei der Parade zu ziehen. Er könne monatelang von der Bildfläche verschwinden, um dann plötzlich wieder bei zahllosen Besuchen in Betrieben, auf Farmen und Militärsstützpunkten aufzutauchen.

Vier Kim-Doubles
Es gibt aber immer wieder einzelne Experten, die spannende Verschwörungstheorien parat haben. Einige von ihnen werden derzeit in der "Asia Times" zitiert.

So meint etwa Toshimitsu Shigemura, Professor an der Waseda University in Tokio, ein angeblich hoch geachteter japanischer Nordkorea-Experte, Kim sei bereits im Herbst 2003 an Diabetes gestorben. Seither werde seine Rolle von vier verschiedenen Doubles übernommen.

Nun habe nicht Kim, sondern einer seiner Doppelgänger einen Zusammenbruch erlitten.

Kim entmachtet?
Lee Young Hwa, Vertreter der in Japan angesiedelten Bürgerrechtsgruppe "Rettet das Nordkoreanische Volk!" (RENK), bezweifelt zwar, dass Kim bereits tot ist.

Durch seine langjährige Krankheit sei allerdings innerhalb der Nomenklatura längst ein Machtwechsel vollzogen worden, der nur nicht öffentlich kommuniziert werde. Längst hätten in der nordkoreanischen Regierung andere das Sagen.

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