Analyse statt Emotion

Musiker hören Musik weniger leidenschaftlich als Laien.
Musiker sind einer Studie zufolge eher rationale als gefühlsbetonte Menschen. Das Bild des sensiblen Musikers entspreche oft nicht der Realität, erklärte der Musikwissenschaftler Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg bei der Präsentation der Studie Anfang August.

"Vielmehr denken gerade diejenigen, die ihr ganzes Leben der Musik widmen, besonders strukturiert und rational", betonte der Professor, dessen Studie auf Online-Befragungen von insgesamt 600 Musikern und Nichtmusikern basiert.

"Empathisch" oder "systematisch"
Bei der Befragung wurden die Denk- und Hörweisen der beiden Gruppen untersucht. Die Hörgewohnheiten wurden dabei von Kreutz und zwei Kollegen aus Australien und Schottland auf mitfühlende "empathische" und rationale "systematische" Merkmale getestet.

Dabei ergab sich, dass Musiker viel stärker zu systematischen Hörweisen neigen als Nichtmusiker. Die Musiker denken mehr als systematische Hörer genauer über Musik nach, wie Kreutz erklärte.

Was den Musiker "bei der Stange hält"
Beim Anhören eines Stücks achteten die Musiker laut Kreutz mehr auf die einzelnen Instrumental- und Vokalebenen eines Stücks. Empathische Hörer seien dagegen mehr an der emotionalen Wirkung interessiert.

Musiker müssten auf dem Karriereweg Zehntausende von Stunden üben, gab Kreutz zu bedenken und schloss daraus: "Es ist vor allem eine Faszination für technische und systematische Strukturen, die den Musiker bei der Stange hält."

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