Beunruhigende Serie

Frankreichs Atomindustrie hatte es mit der Information der Bevölkerung nicht eilig.
In Frankreichs Atomindustrie häufen sich diesen Sommer die Pannen. Dem staatlichen Kernenergiekonzern Areva wird dabei vorgeworfen, die Öffentlichkeit regelmäßig zu spät und unkorrekt informiert zu haben. Im Folgenden eine Chronologie der Vorfälle:

8. Juli
In der südfranzösischen Atomanlage Tricastin, einem der bedeutendsten Kraftwerke des Landes, treten mindestens 18.000 Liter uranhaltige Flüssigkeit aus, die in das Erdreich und einen Fluss gelangen. Fischen, Wassersport und die Nutzung von Wasser aus der Region wird verboten.

Die Behörden betonen, das Risiko für die Bevölkerung sei gering. Auch im Umweltministerium in Wien ging man von einem lokal ausgesprochen begrenzten Ereignis aus. Areva wird vorgeworfen, die Bevölkerung bewusst mit stundenlanger Verspätung informiert zu haben.

17.Juli
Areva informiert die staatliche Behörde für atomare Sicherheit (ASN), dass in einer Brennstäbefabik im südfranzösischen Romans-sur-Isere radioaktive Flüssigkeit ausgetreten sei. Bei Bauarbeiten in der Anlage habe man "schadhafte" Leitungsrohre gefunden.

ASN macht die Information erst am nächsten Tag öffentlich und erklärt beschwichtigend, es bestehe keine Gefahr für die Umwelt, da kein Uran in die Umwelt gelangt sei, der Boden der Anlage "wasserdicht versiegelt" und der "Grundwasserspiegel sehr weit weg" sei.

21. Juli
Der Energieversorger Electricite de France gibt am Montag bekannt, dass "Ende vergangener Woche" 15 Mitarbeiter der Atomanlage Saint-Alban radioaktiv kontaminiert worden seien. Die Spuren seien jedoch so gering, dass das keine Folgen haben werde. Die Ursache der Verstrahlung ist nicht bekannt.

23. Juli
Bei Wartungsarbeiten in Tricastin werden 100 Menschen mit radioaktivem Staub laut den Betreibern "leicht kontaminiert". Auswirkungen für die Gesundheit der Betroffenen sowie die Umwelt gebe es nicht. Der Direktor der Anlage, Alain Peckre, bezeichnet den Vorfall als "belanglos".

29. Juli
In Tricastin müssen 100 Beschäftigte wegen eines Alarms das Werksgelände verlassen. Die Werksleitung spricht von einem "Fehlalarm". Ein Ingenieur erklärt jedoch, es habe ein radioaktives Leck gegeben und 45 Menschen seien zu Untersuchungen ins Spital gebracht worden.

6. August
Die Betreiber von Tricastin teilen mit, dass bei der Entsorgung von radioaktivem Müll das radioaktive Isotop Kohlenstoff-14 (C-14) ausgetreten sei. Sie räumen zudem ein, dass Messungen nahelegen, dass sich der Vorfall bereits Anfang Juli ereignet habe.

23. August
In der Brennstäbefabrik Pierrelatte, einem Teil des Tricastin-Komplexes, wird ein Leck bemerkt - die Betreiber verwickeln sich in Widersprüche darüber, ob das Leck nur zufällig oder im Zuge einer Überprüfung der Leitungen gefunden wurde. Über einen unbekannten Zeitraum hinweg ist durch das Leck radioaktive Flüssigkeit ausgetreten.