Diesmal war nicht das AKW selbst betroffen, in dem heuer bereits vier Pannen in nicht einmal sieben Wochen bekanntgeworden waren: Der Vorfall betraf vielmehr Urananreicherungsanlage Pierrelatte, das Tricastin - eines der wichtigsten Kraftwerke Frankreichs - beliefert.
Defektes Ventil
In Pierrelatte sei durch ein defektes Ventil eine winzige Menge radioaktives Uran in einen eigentlich nicht mehr genutzten unterirdischen Abwasserkanal geraten, teilte die dortige Betreiberfirma Comurhex mit. Sie ist eine Tochter des staatlichen Atomkonzerns Areva.
Laut Comurhex haben Arbeiter während "Modernisierungsarbeiten" in der Anlage bemerkt, dass ein Ventil defekt gewesen sei. Dadurch seien gelegentlich Abwässer aus einem Labor, die in eine Wiederaufbereitungsanlage fließen hätten sollen, in den Kanal gelangt.
Präfektur beruhigt
In Pierrelatte wird für die Urananreicherung nötiges Uranhexafluorid hergestellt. Die zuständige Präfektur von Drome teilte mit, die Umweltrisiken erschienen nach den bisher zugänglichen Informationen sehr gering. Man werde den Schaden jedoch genau überprüfen.
Wie zuvor verschaffte die Informationspolitik der französischen Atomindustrie - ob bewusst oder unbewusst - alles andere als Klarheit: In einem anderen Statement hieß es, man sei im Zuge einer bewussten Überprüfung der Dichtheit der Leitungen auf das Leck gestoßen.
Keine Eile bei Information
Auch der Zeitpunkt der Information sorgte einmal mehr für Stirnrunzeln. Offensichtlich wusste man seit Donnerstag von dem Vorfall. Warum die - zu diesem Zeitpunkt wohl kaum aufmerksame - Öffentlichkeit erst in der Nacht auf Freitag informiert wurde, blieb offen.
Auch die staatliche Atom-Aufsichtsbehörde (ASN) wurde ihrem Wahlspruch, man sorge "im Namen des Staates" für den Schutz der Bevölkerung und die "Information der Bürger", kaum gerecht: Samstagnachmittag fand sich auf der ASN-Website noch kein Wort über den Vorfall.
Schweigen über wichtige Fakten
Die einzige Information kam damit von den Betreibern der Atomfabrik. Sie erklärten, laut ihren Berechnungen habe maximal 250 Gramm Uran jährlich in den Boden gelangen können. Die Menge "kann nur gering sein", so Comurhex. Darüber, seit wann das Leck bestand, schwieg sich Comurhex aus.
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