Denn die Gaspreise könnten nächstes Jahr wieder sinken - der Grund: die Koppelung des Gas- an den Ölpreis. Deutsche Experten erwarten, dass der Gaspreis bereits im Frühjahr kräftig sinken wird. Voraussetzung ist allerdings ein weiteres Nachgeben des Ölpreises, der sich zuletzt unter der 120-Dollar-Marke einpendelte.
"Preis wird kräftig sinken"
"Die Gaspreise werden im kommenden Frühjahr kräftig sinken, wenn der Ölpreis weiter fällt, sagte Klaus Matthies, Wirtschaftsforscher am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe).
Noch optimistischer ist Manuel Frondel, Energieexperte am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen: "Schon wenn sich der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau hält, müsste der Gaspreis leicht zurückgehen." Wenn der Ölpreis noch weiter zurückgehen sollte, werde der Gaspreis dank der Ölpreisbindung deutlich sinken.
E-Control vorsichtig optimistisch
Auch Michael Schmöltzer, Leiter der Abteilung Gas beim heimischen Energieregulator E-Control, zeigt sich im Interview mit ORF.at vorsichtig optimistisch: Sinkt der Ölpreis weiter, kann auch er sich vorstellen, dass Gas für Privathaushalte billiger wird. Freilich ist Schmöltzer deutlich vorsichtiger als die deutschen Experten.
Vorbild Zapfsäule
Einerseits, weil das Preisniveau in Deutschland grundsätzlich viel höher ist - dort können Haushalte erst seit heuer ihren Lieferanten wählen.
Andererseits sei es ein Erfahrungswert, so Schmöltzer, dass - ähnlich wie an der Zapfsäule - Preissteigerungen prompt, Preisreduktionen dagegen mit Verzögerungen weitergegeben würden. Daher rechnet der heimische Gasexperte auch damit, dass - ein fallender Ölpreis vorausgesetzt - Gas nicht im Frühjahr, sondern eher erst zur Jahresmitte 2009 billiger wird.
Preissprung im Herbst fix
Trotz der jüngsten Ölpreisentwicklung ist die Gaspreiserhöhung im Herbst um durchschnittlich zehn Prozent fix. Der Grund laut Schmöltzer: Die Gasimporteure haben langfristige Bezugsverträge mit den - im Europa im Wesentlichen vier - Erdgasproduzenten, allen voran der Gasprom, abgeschlossen.
Die heimische EconGas etwa habe einen Bezugsvertrag bis 2027. Darin sei auch die Koppelung des Importpreises an die Preisnotierung von Heizöl schwer und extraleicht festgehalten. Vertraglich fixiert sei auch die drei bis sechsmonatige Zeitverzögerung bei Preisveränderungen.
Preise schlagen mit Verzögerung durch
Während Großkunden - Industriebetriebe und Gaskraftwerke - die Preise ohne Zeitverzögerung verrechnet bekommen, gibt es bei Privatkunden einen längeren Betrachtungszeitraum und damit eine stärkere Verzögerung - mit allen Vor- und Nachteilen.
Nur Wettbewerb hilft
Wie rasch günstigere Preise an Privathaushalte weitergegeben werden, sei abhängig von der Intensität des Wettbewerbs, so der E-Control-Experte gegenüber ORF.at. Bisher sei der Wettbewerbsdruck für Gaslieferanten "begrenzt berauschend" - die E-Control rief in der Vergangenheit daher wiederholt dazu auf, den Gasversorger zu wechseln. Damit könne man sich bis zu 100 Euro sparen.
Die Reduktionen beim Einstandspreis wurden laut Schmöltzer seit 2002 zwar an die Kunden weitergegeben - aber tendenziell mit Zeitverzögerung.
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