Meer im schlechten Zustand
Die Quallenplage ist aber auch eine schlechte Nachricht für dem Umweltschutz: Denn das immer häufiger werdende Auftreten der schirm- oder glockenförmigen, gallertartigen Meerestiere weist auf den schlechten Zustand der Meere hin.
Mitschuld am "demografischen Boom" der Quallen trägt die Erderwärmung, davon ist der Forscher Ricardo Aguilar von der Organisation Oceana überzeugt. Doch auch die Überfischung der Meere habe zu den Quallenplagen der vergangenen Jahre beigetragen, weil die natürlichen Feinde der Nesseltiere - Thun- und Haifische sowie Schildkröten - zunehmend ausgerottet würden.
Auch Überdüngung trägt Teil bei
Ulrich Sommer vom Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel schließt nicht aus, dass zumindest an Ost- und Nordsee die Überdüngung der Felder zu einem hohen Nitratgehalt des Wassers führt und damit Quallenplagen zusätzlich fördert.
Schwer für Fische gegen Quallen
Von einem wahren Teufelskreis spricht Andrew Brierley von der schottischen St.-Andrews-Universität: Da die Medusen Fischeier und -larven auffressen, tragen sie selbst direkt zur Reduzierung der Fischbestände bei. Außerdem fressen sie den Fischen zunehmend das Plankton weg.
"Haben sich die Quallen aber erst einmal etabliert, ist es für Fische schwer, ihren Platz zurückzuerobern." Das sei bereits in zahlreichen Regionen des Mittelmeers der Fall, erläutert Jacqueline Goy vom Ozeanographischen Institut in Paris.
Die zunehmende Präsenz der Medusen zeige, dass das biologische Gleichgewicht der Meere zutiefst gestört sei. "Die Qualle ist ein exzellenter Umweltindikator", sagt sie.
Erwärmung hilft den Quallen
Ein weiterer wichtiger Faktor für die Verbreitung der Quallen ist nach Angaben der Forscher der Klimawandel. Sie sind davon überzeugt, dass die zunehmende Erwärmung der Meere die Reproduktionszeit der Quallen verlängert.
Allerdings sind die rätselhaften, wirbellosen Meerestiere bis heute kaum erforscht: Nur von etwa einem Fünftel der zahlreichen Arten sei der Lebenszyklus überhaupt bekannt, betont Goy.
Kaum Vorhersagen möglich
Studien zu den Wanderbewegungen der Quallen, die von Winden und Strömungen abhängen, sind schwierig. Denn die oft durchsichtigen Tiere sind auf Satellitenfotos kaum zu erkennen.
Für Tourismus schädigend
Das Forschungsdefizit ist auch darauf zurückzuführen, dass Quallen aus kommerzieller Sicht wenig interessant sind: Nur in einigen asiatischen Regionen werden bestimmte Arten vermarktet und verzehrt.
Die Wissenschaftler hoffen, in Zukunft mehr öffentliche Gelder für Forschungen zu bekommen - zumal sich die Quallenplagen zunehmend auf den Tourismus auswirken dürften.
Jerome Cartillier, AFP