Der Vizekanzler selbst ist auf den österreichweit rund 2.000 Plakaten nicht zu sehen.
Drei Themen bestimmen Wahlkampf
Drei zentrale Themen hat sich die Volkspartei für ihren Wahlkampf vorgenommen. Unter dem Motto "Schluss mit Sparbuch-Kontrolle" wirbt sie für eine Verdoppelung der Pflegeförderung.
Die Devise "Wer bei uns lebt, muss unsere Sprache lernen" überschreibt die schwarze Forderung, Zuwanderung nur nach Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen.
"Familien brauchen Hilfe gegen Teuerung", ist der dritte Slogan. Die ÖVP meint damit ihren Vorstoß, dass künftig die Familienbeihilfe für Kinder in Ausbildung jeweils im September doppelt ausbezahlt werden soll, was im Übrigen Kosten von rund 186 Millionen Euro verursachen würde.
"Es reicht" statt Bild
Präsentiert wurden die drei Plakate von Generalsekretär und Wahlkampfleiter Hannes Missethon. Spitzenkandidat Molterer sah nur im Anschluss kurz vorbei, um sich vor den Sujets ablichten zu lassen.
So oblag es auch Missethon zu erklären, wieso denn der ÖVP-Chef im Gegensatz zu seinem SPÖ-Kontrahenten Werner Faymann nicht auf den ersten Plakaten für die Wahlauseinandersetzung vertreten ist. Der Generalsekretär dazu: "Er ist ja vertreten auf der Plakatserie mit 'Es reicht'."
"Thementeppich" soll von SPÖ unterscheiden
Überhaupt sei es jetzt darum gegangen, einen Thementeppich zu transportieren, der sich von jenem der SPÖ dadurch unterscheide, dass die Inhalte auch umgesetzt würden.
Molterer auf Österreich-Tour
Und überhaupt werde Molterer nicht versteckt, versicherte Missethon auf Nachfrage. Ganz im Gegenteil sei der Vizekanzler gerade auf einer Österreich-Tour, in deren Rahmen er hundert Bezirken einen Besuch abstatten werde.
Überdies sei auf einer neuen Homepage der ÖVP spezielles Augenmerk auf den Spitzenkandidaten gelegt worden, der sich von einer sehr persönlichen Seite zeige.
Rotwein trinken mit Molterer?
Auf der Website sind dann unter anderem Molterer-Zitate ("Es reicht"), Molterer-Fotos (beim Fischen, Telefonieren, Sinnieren etc.) sowie ein Molterer-Porträt ("Wilhelm Molterer kennt man nicht, weil man mit ihm ein Glas Rotwein getrunken hat, man trinkt ein Glas mit ihm, weil man ihn kennt") zu finden.
Parteiprominenz erklärt Parteichef
Das Molterer-Video wurde bei der Plakatpräsentation vorgeführt. Von Parteivize Josef Pröll über Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer bis zur Chefin der Jungen ÖVP, Silvia Fuhrmann, erklärt dort die Parteiprominenz, warum Molterer der Richtige fürs Land sei.
Nicht unter den Molterer-Werbern findet sich sein Vorgänger Wolfgang Schüssel. Auf die Frage, warum dem so ist, sagte Missethon: "Es ist ein Willi-Molterer-Video."
Grüne: Völlig unfassbar
"Was soll man dieser ÖVP noch glauben, außer, dass es reicht - und zwar mit dieser Großen Koalition?", so der Bundesparteisekretär der Grünen, Lothar Lockl, zur ÖVP-Plakatkampagne.
Seit Jahren blockiere die ÖVP Entlastungen für Familien und schaffe Steuerprivilegien für die Reichen und Superreichen im Land. Molterer selbst sei bei der Verfolgung von Steuerhinterziehern massiv säumig, so Lockl.
"Völlig unfassbar ist, dass es nicht mehr die FPÖ und nicht mehr das BZÖ, sondern gleich die ÖVP ist, die als Erste ein Anti-Ausländer-Plakat macht. Offenbar ist das eine Vorleistung für Schwarz-Blau, gleich FPÖ-Plakate mit ÖVP-Aufdruck zu produzieren", so Lockl.
FPÖ: Unübersichtliche Textwürste
"In der ÖVP ist man sich offenbar trotz aller gegenteiligen Bekundungen noch immer nicht ganz sicher, ob Wilhelm Molterer reicht, um bei den Wahlen erfolgreich zu sein", so FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl.
Würden ihn die schwarzen Wahlstrategen wirklich für einen Sympathieträger halten, der bei den Menschen ankomme, dann würden sie ihn nicht verstecken und stattdessen unübersichtliche Textwürste affichieren.
Es sei also nicht auszuschließen, dass anstelle des unbeliebten und eiskalten Sparefroh auf Kosten der Bürger doch noch jemand anderer in den Ring steige, vermutete Kickl. Die Slogans, die die ÖVP jetzt plakatiere, seien allesamt nur Eingeständnisse des eigenen und des gesamten Regierungsversagens seit der letzten Wahl.
BZÖ: Ohrfeige für Molterer
"Den Österreichern reicht es schon längst", so BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz in einer Reaktion auf die Plakatkampagne der ÖVP. Gerade die ÖVP habe im Bereich der Pflege vernünftige Lösungen verhindert, die ÖVP habe auch in der Zuwanderung die Übergangsfristen für Arbeitskräfte gelockert.
Die ÖVP habe die Familien nur abkassiert und mit den Kindergeldrückforderungen einen Raubzug gegen die Familien gestartet. Als "Ohrfeige für Molterer" sieht Grosz auch die Tatsache, dass der Spitzenkandidat auf den Plakaten nicht einmal namentlich erwähnt ist.
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