Behörden drohten mit scharfen Maßnahmen

Von Hunderten Gästen gestürmte Partys sorgten für Aufregung.
Rund 130.00 Einwohner hat die britische Stadt Torbay im Südwesten des Landes. Mit etwa 20 Stränden wird der Ort auch die "englische Riviera" genannt. Doch derzeit ist die Idylle empfindlich gestört. User der Internet-Plattform Facebook hatten für das Wochenende eine riesige Party an einem der Strände angekündigt.

Angesichts Tausender erwartete Jugendlicher ergriffen die Behörden sofort Maßnahmen: Geschäfte und Pubs dürfen im ganzen Gebiet keinen Alkohol mehr verkaufen, Besuchern wurde mit harten Maßnahmen gedroht. Überzogen findet die Angst vor der Partymeute offenbar niemand - kein Wunder, sorgen die spontan über das Internet organisierten Partygänger im britischen Boulevard doch immer wieder für Schlagzeilen.

"Größte Party, die Torbay je gesehen hat"
Es sollte die "größte Party werden, die Torbay je gesehen hat", hieß es in der auf Facebook lancierten Einladung. Musik, Griller und Alkohol für das ganze Wochenende sollten mitgebracht werden.

Genaue Orts- und Zeitangaben sollten erst kurzfristig gemacht werden, vor allem um zu verhindern, dass die Behörden eingreifen. 4.000 Menschen hatten per Facebook ihr Kommen bereits angekündigt, die Behörden fürchteten gar 10.000.

Polizei will Organisatoren belangen
"Es ist nicht illegal, auf den Stränden von Torbay zu trinken", hieß es zudem in der Einladung. Die Behörden sahen das aber anders: Es gebe keine Erlaubnis, das Gelände zu nutzen. Auch das Fest zu bewerben sei illegal, so Chris Singer von der Polizei in Süddevon.

Man werde versuchen, die Organisatoren ausfindig zu machen und rechtlich zu belangen. Aufmerksam geworden sind die Behörden auf das Event, als ein Beamter in seiner Freizeit über die Einladung auf Facebook stolperte.

Party offiziell abgesagt
Und die Drohungen der Polizei haben offenbar gegriffen: Auf Facebook wurde die Party abgesagt. Die Polizei blieb trotzdem in erhöhter Bereitschaft, da nicht ausgeschlossen wurde, dass trotzdem etliche Leute nach Torbay kommen würden.

Die Behörden richteten eine eindringliche Warnung an potenzielle Partygänger: Wer auf einem Strand angetroffen wird, werde weggeschickt oder verhaftet.

Interessantes Detail am Rande: Torbay nimmt gerade an einem Millionen-Pfund-Projekt teil, um die Stadt für junge Leute attraktiver zu machen.

Schauergeschichten in den Medien
Dass die Behörden in Sachen Spontanpartys wenig Spaß verstehen, lässt sich vor allem mit einer ganzen Reihe an Schauergeschichten erklären, die in den vergangenen Monaten durch die Medien gingen.

Im März verwüsteten rund 1.000 bis 2.000 Jugendliche eine Villa ganz in der Nähe von Torbay. Eine 18-Jährige hatte ihr Geburtstagsfest über mehrere Internet-Plattformen angekündigt. Als dann sogar ein BBC-Moderator die Feier im Radio erwähnte, war das Schlamassel perfekt. Augenzeugen berichteten der Presse von auf Kristalllustern schwingenden Jugendlichen und Gruppensex auf einer Waschmaschine.

Villa in Marbella verwüstet
Ende Mai stürmten einige hundert Jugendliche die Geburtstagsparty einer 16-jährigen Britin im spanischen Marbella. Durch die mehrere Millionen Pfund teure Villa ihrer Eltern zog sich danach ebenfalls eine Spur der Verwüstung - wieder ein gefundenes Fressen für die britische Presse, die sich bei der Veröffentlichung von Bildern des mehr als rauschendes Fests gegenseitig zu übertrumpfen versuchte.

Massenbesäufnis in der U-Bahn
17 Festnahmen setzte es bei einem Massenbesäufnis in der Londoner U-Bahn, das ebenfalls über Facebook organisiert worden war. Der neue konservative Bürgermeister der Millionenmetropole, Boris Johnson, hatte in einer seiner ersten Amtshandlungen ein Alkoholverbot für die öffentlichen Verkehrsmittel ab dem 1. Juni verhängt.

Tausende Londoner feierten daher als Protest dagegen am Vortag ein feuchtfröhliches Fest in der "Tube", das mit zunehmender Alkoholisierung der Teilnehmer aber mehr und mehr außer Kontrolle geriet.

"Poolpiraterie" per Google Earth
Den letzten Schrei des neuen Internet-Partyvolks haben britische Medien vor einigen Wochen ausgemacht. Per Google Earth würden die schönsten Swimmingpools in fremden Gärten gesucht, über Facebook Freude eingeladen, um die fremden Pools zu entern.

Empfohlen werde die Mitnahme von Fahrrädern, um eine schnelle Flucht zu ermöglichen. Wie häufig Fälle von "Poolpiraterie" tatsächlich schon vorgekommen sind, ist aber unklar.

Kampf gegen "antisoziales Verhalten"
Dass ausgerechnet in Großbritannien die Facebook-Partypanik umgeht, ist nicht ganz zufällig. Die Nutzung der Internet-Plattform ist nicht nur unter Jugendlichen auf der Insel weit verbreitet. So wird von etlichen Unternehmen der Besuch der Seite von Firmen-PCs untersagt oder gesperrt.

Zum anderen kämpft Großbritannien wie kaum ein anderes Land gegen das Phänomen des "Kampftrinkens". Gleichzeitig haben die Behörden dem "antisozialen Verhalten" den Kampf angesagt.

Was genau dazu zählt, bleibt aber zumindest schwammig. Und so müssen sich die Behörden auch der Kritik stellen, mit enormem Aufwand gegen zu laut in der Öffentlichkeit feiernde Jugendliche vorzugehen, während gleichzeitig die Serie von erstochenen Teenagern in London immer länger wird.

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