Die neuen Wiener Linien

Die Vor- und Nachteile der neuen Linienführung.
Die Traditionslinien 1 und 2 als Ringlinien und mit ihnen ein Stück Wiener Identität werden ab 26. Oktober aufgegeben. Auch sonst ändert sich einiges im Straßenbahnnetz der Bundeshauptstadt. Ob die Änderungen sinnvoll sind, darüber dürften die Wiener noch lange hitzig debattieren.

Der Einser und der Zweier werden jedenfalls statt als Rundlinien ab 26. Oktober als Durchgangslinien geführt. Der Einser fährt dann vom Stefan-Fadinger-Platz in Favoriten über den Ring in die Prater-Hauptallee.

Der Zweier wird in Zukunft Ottakring und den Friedrich-Engels-Platz verbinden, wobei die Strecke über den Ring und die Taborstraße führt.

Beschleunigungs- und Verbesserungsmaßnahme?
Die neuen Linien verkehren auf Gleisen, die bisher von anderen Linien benutzt wurden. Für diese bedeutet die Änderung darum das Aus: Linie 1 und 2 ersetzen J, N und 65. Das neue Routenkonzept wurde am Mittwoch von den Wiener Linien und dem Vorsitzenden des Fahrgastbeirates, Verkehrsplaner Hermann Knoflacher, präsentiert.

Das Konzept, so wurde betont, sei eine Beschleunigungs- und Verbesserungsmaßnahme. Der Wunsch dafür sei von den Fahrgästen ausgegangen, so Knoflacher.

Für Touristen verwirrend
Für Touristen dürfte das zumindest zunächst verwirrend sein. Denn in den Reiseführern wird noch jahrelang von den Ringlinien als günstige "Sightseeing-Möglichkeit" die Rede sein. Wien Tourismus will sich allerdings in der Information der Gäste engagieren.

Außerdem fahre der Einser als ideale Touristenlinie jetzt auch zum Prater und zum Hundertwasserhaus.

Umsteigen auf dem Ring
Was von den Wiener Linien nicht betont wird: Ab Oktober muss man zwar nicht umsteigen, wenn man von Favoriten zum Prater fährt (und sich vom langsamen Dahinzuckeln einer Straßenbahn nicht nervös machen lässt).

Wenn man aber lediglich beispielsweise von der Universität zum Dr.-Karl-Lueger-Platz auf der anderen Seite des Ringes will, muss man nun die Linie wechseln. Die bereits bestehende Alternative - mit dem Autobus 1A durch die Innenstadt - könnte sich künftig noch stärkeren Zuspruchs erfreuen.

Bald Dreier und Vierer
Weitere Änderungen in Sachen Ringlinien wird es 2009 geben. Geplant ist die Schaffung der neuen Linien 3 und 4. Erstere ist eine Umbenennung: Der D-Wagen wird in Zukunft unter dieser Bezeichnung firmieren.

Der Streckenverlauf dieser schon bisher als Durchgangslinie geführten Bim bleibt vorerst - bis zur Verlängerung auf das Hauptbahnhofgelände - unverändert.

Der neue 71er
Bei der Linie 4 wird es sich um die verlängerte - und dann nicht mehr so heißende - Linie 71 handeln. Sie biegt in Zukunft von Simmering kommend auf dem Ring links ab und wird bis zur Börse geführt.

Die noch aus der Monarchie stammende Verwendung von Buchstaben für Durchgangslinien ist damit jedenfalls Geschichte. Als einziges Relikt bleibt - vorerst noch - die Linie O - deren Name von Wien-Besuchern ohnehin bisweilen als "Nuller" missverstanden wurde. Aber auch der O soll seinen Buchstaben verlieren. Noch ist nicht klar, welche Nummer er erhält.

Mehr Umstiegsmöglichkeiten zur U-Bahn
Wiener-Linien-Geschäftsführer Michael Lichtenegger betonte, dass der zentrale Vorteil von "Durchmesserlinien" darin bestehe, dass einer großen Anzahl von Fahrgästen die Möglichkeit geboten werde, durch das Zentrum von einem Stadtteil zum anderen zu gelangen.

Auch zum Umsteigen in die U-Bahn gebe es nun mehr Gelegenheiten. Wegfallen werden hingegen die Stehzeiten der Ringlinien, mit denen allfällige Unregelmäßigkeiten in den Fahrzeiten ausgeglichen wurden.

Keine zusätzlichen Kosten
Nach Angaben der Wiener Linien soll die Maßnahme aufwands- und kostenneutral über die Bühne gehen. Laut einer Untersuchung sollen die neuen Durchgangsstrecken jährlich 700.000 Fahrgäste mehr bringen. Dem stehen nur einige wenige bauliche Änderungen gegenüber, etwa die Errichtung neuer Weichen. Die Fahrzeiten und Intervalle blieben entweder gleich oder würden verbessert, wurde versichert.

"Wien ist nach wie vor eine der mit Straßenbahnen am besten ausgestatteten Städte der Welt", betonte Verkehrsplaner und Fahrgastbeirat-Chef Knoflacher.

Links: